„Für ein Jahrhundertwerk braucht es viele Verbündete“

Für die Stiftskirche beginnt mit ihrer fast abgeschlossenen Generalsanierung ein neuer Abschnitt in ihrer über 900 Jahre währenden Geschichte .An Pfingsten wird sie feierlich wiedereingeweiht.

Foto: A. Becher

© Alexander Becher

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Von Nicola Scharpf

„Was der Pankratz wohl meint?“, fragt sich Sabine Goller-Braun. Die Pfarrerin der Stiftskirchengemeinde lässt den Blick emporwandern entlang der hohen Wände des Kirchenraums zum Sternnetzgewölbe, das sich hoch droben über den Chorraum spannt. Ein Schlussstein zeigt die Abbildung des heiligen Pankratius, dem Namensgeber der Stiftskirche. Was er zum generalsanierten Gotteshaus meint, wird wohl im Reich der Fantasie eines jeden Kirchenbesuchers bleiben. Fest steht aber: Für die Kirche beginnt jetzt mit ihrer nahezu abgeschlossenen Generalsanierung ein weiterer, ein neuer Abschnitt in ihrer über 900 Jahre währenden Geschichte. Ein Grund zu feiern – zum einen, weil die Stiftskirche wegen der Bauarbeiten für mehr als zwei Jahre lang geschlossen war; zum anderen, weil das Umbauprojekt eine viele Jahre dauernde Vorgeschichte hatte. „Was jetzt wird, ist so schön, dass ich ganz und gar überzeugt bin“, sagt Goller-Braun über die neue Stiftskirche, die am Pfingstwochenende wieder eingeweiht wird.

Als sie das erste Mal in der Stiftskirche war, wusste Sabine Goller-Braun, dass St. Pankratius renoviert werden muss. Das war noch, bevor ihr Mann Wilfried Braun im Jahr 2010 Dekan im Kirchenbezirk Backnang wurde. Schon kurz nach der Jahrtausendwende hatte es bereits Versuche gegeben, eine Renovierung anzustoßen. Letztlich überwog immer wieder die Scheu vor der Größe der Aufgabe – bis Wilfried Braun Visionen und Willen einbrachte. „Ich will Kirche mit Menschen, nicht mit Steinen bauen“, benennt er seine Überzeugung. „So eine Renovierung im Alleingang, das geht nicht. Es braucht viele Verbündete.“

Das Projekt Generalsanierung der Stiftskirche hat er daher auf fünf Säulen gestellt: Es gibt eine Projektgruppe, die Inhaltliches managt – bestehend zum Beispiel aus Vertretern der Stadtplanung im Rathaus, dem Architektenteam, Verantwortlichen von der Landeskirche oder vom Kirchengemeinderat. Daneben existiert der Kirchbauverein, der Lobbyarbeit für die Stiftskirche betreibt und eine dauerhafte, durchgehende Größe mit einem gewissen Vermögen darstellt. In der Stiftsbauhütte engagieren sich tatkräftige Ehrenamtler für die Sanierung der Kirche. Weiteres, unverzichtbares Element ist das Fundraising, das vom Kuchenverkauf bis zur Patenschaft für einzelne Kunstwerke für finanzielle Unterstützung sorgt. Und schließlich ist Braun wichtig, dass die Stiftskirche täglich für die Menschen geöffnet sein soll.

Im Jahr 2015 wurde ein Baustart-Gottesdienst gefeiert. Ursprünglich sollte die Kirche zur 900-Jahr-Feier im Jahr 2016 in neuem Glanz erstrahlen. Doch als das Jubiläum gefeiert wurde, war mit der Sanierung noch nicht einmal begonnen worden. Als es dann im Frühjahr 2019 tatsächlich mit den Arbeiten losging, hieß es, die Kirche könne im Oktober 2020 wieder genutzt werden. Inzwischen ist klar, dass dies nicht geklappt hat. Bei der Sanierung des alten Gemäuers kam es immer wieder zu Überraschungen. Auch Entscheidungen wurden gefällt, überdacht, mitunter verworfen und neu getroffen. Der Verzicht auf die zweite Empore, wodurch die Kirche rund 200 ihrer 1000 Sitzplätze verliert, aber viel Licht gewinnt, ist dafür ein Beispiel: Erst sollte sie bleiben, das Denkmalamt wollte es so und die Architekten planten es entsprechend. Dann kam der Brandschutz mit Argumenten, die gegen den Erhalt sprachen, die bisherigen Planungen wurden gekippt und von vorne begonnen. Und alle Abstimmungen sind immer ihren Weg durch die Gremien gegangen. Das kostet Zeit – und Geld.

Für die Sanierung der Stiftskirche, die sich insgesamt mittlerweile auf rund fünf Millionen Euro beläuft, wurden bislang rund 800000 Euro gespendet. Die Zuschüsse der Denkmalinstanzen sowie der Landeskirche und des Kirchenbezirks betragen insgesamt 1,8 Millionen Euro. Der noch aufzubringende Rest beträgt etwa eine Million Euro. Trotz der Kostensteigerung – ursprünglich kalkulierte man mit 3,8 Millionen Euro – hält Dekan Braun an dem vor zehn Jahren ausgerufenen Spendenziel von 900000 Euro fest: „Der Spendeneingang ist immer noch äußerst erfreulich und ich bin froh, wenn wir die 900000 Euro erreicht haben. Ich bin allen kleinen und großen Spendern dankbar für das Vertrauen, das aus ihren gaben spricht. Ohne diese Rückenstärkung durch die Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrer Kirche wäre das Projekt nicht zu stemmen gewesen.“

Das Festwochenende an Pfingsten

Pfingstsonntag, 23. Mai: Um 10 Uhr beginnt der Einweihungsgottesdienst in der Stiftskirche. Landesbischof Frank Ottfried July hält die Festpredigt, Dekan Winfried Braun und Pfarrerin Sabine Goller-Braun übernehmen die Liturgie. Am Ende des Festgottesdienstes übergibt Architekt Henning Baurmann, Karlsruhe, den Schlüssel zur Kirche. Für den musikalischen Rahmen sorgen Bezirkskantor Hans-Joachim Renz und Solistin Angelika Lenter. Ein Streicherquartett wird begleiten.

Den Hygiene- und Abstandsvorschriften Rechnung tragend, können dem Gottesdienst 150 Gäste im Kircheninneren beiwohnen. Der Gottesdienst wird außerdem auf den Stiftshof übertragen, wo weitere 150 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Die Anmeldung ist noch am Sonntagmorgen direkt auf dem Platz möglich. Auch gibt es einen Live-Stream unter www.youtube.com/watch?v=-V-b3mOmN1I, bei dem sich der Gottesdienst in Bild und Ton im Internet mitzuerleben ist.

Pfingstsonntag, 23. Mai: Um 14 Uhr beginnen im 10-Minuten-Takt Sonderführungen für Kleingruppen durch die sanierte Kirche. Gutscheine mit festgelegtem Führungsbeginn bekommen alle, die den Gottesdienst auf dem Stiftshof mitverfolgen.

Pfingstmontag, 24. Mai: Um 10 Uhr beginnt ein Gottesdienst für diejenigen, die am Pfingstsonntag keine Gelegenheit hatten, am Festgottesdienst teilzunehmen

Die Stiftskirche soll täglich für Besucher geöffnet sein. In der derzeitigen Pandemielage muss der Besuch allerdings gesteuert werden.

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Erstellt:
21. Mai 2021, 14:40 Uhr

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