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„Für mich eine Frage der Gerechtigkeit“

Zum Start der Vortragsreihe „Kirche im Dialog“ beleuchtet Siglinde Hinderer in der Matthäuskirche Umweltschutz und Schöpfung.

Zeigt auf, was die zehn Gebote heute bedeuten: Siglinde Hinderer vom Umweltbüro der Evangelischen Landeskirche. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Zeigt auf, was die zehn Gebote heute bedeuten: Siglinde Hinderer vom Umweltbüro der Evangelischen Landeskirche. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Es war coronabedingt der erste Abend 2020 in der Vortragsreihe „Kirche im Dialog“. Die fünf Teilkirchengemeinden Waldrems-Heiningen-Maubach, Sachsenweiler-Steinbach, Matthäuskirche, Markuskirche und Stiftskirche wechseln sich ab, um „Themen und Menschen ins Gespräch zu bringen“.

Das Jahresthema 2020 der Vortragsreihe lautet: „Schöpfung bewahren – kirchlicher Auftrag oder bloße Notwendigkeit?“ Eher praktisch orientiert war der Schwerpunkt des ersten Abends: „Umweltschutz und Schöpfungshandeln: Was tut die Landeskirche?“ Referentin Siglinde Hinderer ist im Umweltbüro der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zuständig für das Energiemanagement in Kirchengemeinden.

Nach einem theoretischen Exkurs in Sachen Klimawandel erinnerte sie an die zehn Gebote. „Du sollst nicht stehlen“ beispielsweise, das siebte Gebot, ist keineswegs nur konkret gemeint, sondern auch in einem umfassenden Sinn. Schon Martin Luther hatte formuliert: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten sein Geld und Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.“ Heute bedeutet dies, dass etwa die Ausbeutung von Billiglohnländern oder wertvollen Ressourcen in der sogenannten Dritten Welt nicht mit der Bewahrung der Schöpfung vereinbar sind. Auch das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt direkt und indirekt. Hier stellte Siglinde Hinderer die Frage nach unserem Umgang mit Flüchtlingen und resümierte: „Klima- und Umweltschutz sind für mich eine Frage der Gerechtigkeit“, zunächst gegenüber den nächsten Generationen, dann auch im internationalen Rahmen, denn „Leben soll überall in Fülle möglich sein“. Schließlich gibt es auch ökologische Gerechtigkeit. „Alles, wirklich alles hat ein Recht, zu leben, belebte Natur ebenso wie unbelebte.“ Im Zentrum des Referats stand die Frage danach, was die Landeskirche für Klimaschutz und schöpfungsgerechtes Handeln tut. 1994 hatte sie unter dem Motto „Du bist willkommen als Gast auf Erden“ zehn Leitlinien für gelebtes Gastsein verabschiedet. Ein Abriss machte deutlich, dass seither versucht wird, diese mit Leben zu füllen.

Heute kommen aus dem Umweltbüro Impulspapiere zu den Themen TTIP (Internationales Handels- und Investitionsabkommen) sowie Wachstum und Mobilität. Ein offener Brief der Umweltbeauftragten unter dem Titel „Einmalige Chance“ richtete sich an Politik und Wirtschaft. Verschiedene Projekte zum Artenschutz sind Realität geworden, so die Blumensamenaktion „Lass es blühen“, die gemeinsam mit der Stadt Stuttgart umgesetzt wird, und das Vorhaben „Lebensraum Kirchturm“, das Wanderfalken, Fledermäusen und anderen Tieren Zuflucht bietet.

Die Frage danach, wie genau Energiemanagement in einzelnen Kirchengemeinden funktioniert, beantwortete Ines Schmauderer, die ebenfalls beim Umweltbüro der Evangelischen Landeskirche tätig ist. Die Schritte Erfassen, Auswerten, Beraten, Verbessern, Einsparen führen dazu, dass Kirchengemeinden im ersten Jahr nach Einführung eines Energiemanagements etwa vier Prozent Wärme und fünf Prozent Strom einsparen.

Und wie geht es? Nach der Bildung eines Energieteams muss die Gemeinde zunächst den Istzustand erfassen, also Zähler ablesen, ihre Gebäude begehen, um Sparvorschläge zu sammeln. Dann müssen die Verbesserungen umgesetzt und Energie eingespart werden, was nur funktioniert, wenn Energieabrechnungen in kurzen Abständen analysiert werden. Der Prozess beginnt immer wieder von vorn und wird von der Landeskirche unterstützt mit einem grünen Datenkonto, einem Starterpaket, Schulungen, Beratungen und Arbeitsmaterialien.

Sodann trat die Hauptreferentin Siglinde Hinderer wieder ans Mikrofon und erläuterte die Handlungsfelder der Zukunft. Dazu gehöre es auch, optimal mit den Gebäuden der Gemeinde zu wirtschaften. Auf Nachfrage sprach sie davon, Gebäudeflächen jeweils an die geringere Zahl der Gemeindemitglieder anzupassen, ohne natürlich die Kirchen selbst als sakrale Bauten aufzugeben. Es sei aber denkbar, ihnen eine Winterpause zu gönnen, um Heizkosten zu sparen und die Gottesdienste dann an anderen Orten zu gestalten. Vortrag und Diskussion thematisierten außerdem konkrete Fragen hinsichtlich erneuerbarer Energien, Maßnahmen für zeitgemäße Mobilität, Ökofairness und achtsamen Umgang mit Lebensmitteln. Hinderer plädierte für einen „Lebensstil des bewussten Genug“ und forderte: „Machen Sie mit! Es wird nur gelingen, wenn alle mitmachen!“

Am Freitag, 10. Juli, referiert Paul Nemeth, umweltpolitischer Sprecher der CDU- Landtagsfraktion, in der Auferstehungs- kirche in Waldrems, Neckarstraße 88, zum Thema: „Klimaschutz: Wege und Grenzen verantwortlichen politischen Handelns.“

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Erstellt:
22. Juni 2020, 06:00 Uhr

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