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Gänsehautwetter beim Gänsemarkt

Nicht Kälte, aber Regen vermasselte Geschäftsleuten in der Innenstadt ein gutes Geschäft – Umsätze in Randgebieten besser

„Durchwachsen“, so das Ein-Wort-Fazit von Ralf Binder zum 32. Backnanger Gänsemarkt. Kaltes Wetter wäre kein Problem gewesen, aber der Regen schon, so der Wirtschaftsbeauftragte weiter. Zweigeteilt das Bild: In der Innenstadt seien die Einzelhändler weniger zufrieden, während sich die Geschäftsleute in nördlichen und südlichen Stadtbezirken über gute Umsätze freuen würden.

Die Toulouser Gänse gehorchten Tambourmajor Marc Picar aus Holland wie aufs Wort. Nachdem sie sich erst verlaufen hatten, ging’s wieder zurück zur Show-Bühne auf den Marktplatz.Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Toulouser Gänse gehorchten Tambourmajor Marc Picar aus Holland wie aufs Wort. Nachdem sie sich erst verlaufen hatten, ging’s wieder zurück zur Show-Bühne auf den Marktplatz.Fotos: J. Fiedler

Von Florian Muhl

BACKNANG. Der Gänsemarkt-Sonntag fängt ja schon mal gut an: eine Stunde länger schlafen. Dann der erste Blick aus dem Fenster. Regen. Kalt ist’s auch. Und von Sonne keine Spur. Die Freude ist getrübt. Genau das Wetter, das sich die Organisatoren des traditionsreichen Festes in Backnang nun gar nicht gewünscht hatten. Allerdings gibt es wohl nur einen der angesagten rund 60 Standbetreiber, der sich vom Regen hat abschrecken lassen und nicht erschienen ist. Wie Stadtmarketing-Manager Simon Köder und Wirtschaftsbeauftragter Ralf Binder mitteilen, gibt es wohl einige Geschäfte, die im Außenbereich nicht die Aktionen anbieten, die sie geplant hatten. Die spannende Frage ist: wird es überhaupt viele Bürger in die Stadt ziehen?

Die Toulouser Gänse verlaufen sich. Seit einigen Jahren eröffnet die Gänseparade das bunte Treiben in der Backnanger Innenstadt. Auch gestern. Die zwölf Toulouser Gänse formieren sich am Adenauerplatz wie automatisch, als sie die ersten Trommelschläge hören. Tambourmajor Marc Picar aus Holland hat die Show eröffnet. Basierend auf der uralten Tradition des Gänsehütens hat der Holländer Marc Picar die Show, eine Kombination zwischen Mensch, Tier und Musik, entwickelt. Das Dutzend Gänse nimmt Haltung an, reckt die Hälse und watschelt los in Richtung Innenstadt. Rund 30 beschirmte Schaulustige, darunter viele Kinder, hinterher. Auf der Marktplatzbühne wartet man schon gespannt auf das Federvieh, um nach dessen Eintreffen den Gänsemarkt offiziell zu eröffnen. Aber was ist das denn? Im Gänsemarsch watscheln die Tiere einfach vorbei in Richtung Gehege am Gänsebrunnen. Irritation. Kennen sie den Weg nicht? Oder lockt das Futter? Die Prozession wird kurzerhand wieder zurückbeordert. Alle Umstehenden nehmen’s mit Humor.

Echte Schotten frieren nicht. Welch gute Gastgeber die Backnanger sind, beweise auch der Umstand, dass die Organisatoren das Wetter speziell an ihre Gäste angepasst hätten, sagt Moderator Josh Kochann. So gibt es britisches Wetter extra für den Besuch aus der englischen Partnerstadt Chelmsford, für die Bürgermeisterin von Chelmsford, Councillor Yvonne Spence, ihren Ehemann John und ihre Stellvertreterin Christine Garrett. Wie Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper bemerkt, erschien John Spence in einem Schotten-Quilt, weil das Ehepaar ursprünglich aus Edinburgh stammt. Trotz des Rockes friert der Bürgermeisterin-Gatte offensichtlich nicht.

Da kriegt man doch eine Gänsehaut. Gänse haben nicht nur den Backnanger Gänsekrieg ausgelöst, und „mit dem Aufstand der Backnanger Frauen auch die ersten emanzipatorischen Regungen in Kontinentaleuropa“, wie Nopper bei seiner Ansprache sagt, sondern hätten Dichter zu Gedichten inspiriert. Beispielsweise den deutschen Humoristen Heinz Erhardt: „Die Gans erwacht im grauen Forst/erstaunt in einem Adlerhorst./Sie blickt sich um und denkt betroffen:/mein lieber Schwan, war ich besoffen.“ Der OB überrascht die Zuhörer aber auch mit seinem Gänsegedicht, das er der Witterung angepasst hat: „Liabe Leut s’isch sicher richtig,/Gänse sen verdammt arg wichtig,/überall sott’s Gänse geba,/Gänse braucht die Stadt zum Leba./Doch wenn man auf das Wetter schaut/kriegt mer scho a Gänsehaut.“

Die Blumenfrau und der Gemüsemann. Ursula Keck ist gleich mit zwei ersten Preisen vom Gänsemarkt nach Hause gegangen. Die 75-Jährige aus Steinbach hat nämlich nicht nur einen der schönsten Vorgärten im Stadtgebiet, sondern erhält diese Auszeichnung auch für ihren blumigen Balkonschmuck. Zusammen mit ihrem Ehemann nimmt sie die Preise des Backnager Blumenschmuckwettbewerbs auf der Marktplatzbühne entgegen. Beide arbeiten fast jeden Tag in ihrem Garten auf dem 740 Quadratmeter großen Grundstück in der Straße Vorderer Weinberg 11. Seit 1972 wohnen Ursula und Hermann Keck dort. „Ich bin fürs Blumengeschäft zuständig und er macht das Gemüse“, schmunzelt die 75-Jährige. Aber bei dem tollen Sommer habe man nicht viel machen müssen, sagt der 81-jährige Ehemann, nur eben viel gießen, manchmal sogar zweimal am Tag. Weitere erste Plätze haben erhalten – Vorgärten: Heidi und Klaus Marbaz (auch Balkon), Helga Freutel, Bianca Blau (auch Balkon), Hildegard Neugebauer, Manfred Schmauss, Edda und Egon Walz, Beate Vogt, Regina Baltes und Erich Bihlmaier; Kategorie Balkon: Theresia Fahrbach, Ingrid Römmich, Sonja Bayer, Nicole und Günter Krone und Klaus Zink.

Der Regen ist doch egal. Die junge Familie Nadine und Konstantin Benzler mit ihren drei kleinen Kindern Levin (3), Paulina (2) und Karline (fast 3 Monate) aus Waldrems kommt fast jedes Jahr zum Gänsemarkt. Warum? „Die Kinder wollen die Gänse sehen, weil die auch im Wimmelbuch vorkommen, und es gibt immer eine rote Wurst“, sagt die 27-jährige Mutter. „Und einkaufen können wir auch“, ergänzt der 37-jährige Vater. Und das Wetter? Die Kinder sind entsprechend angezogen und fühlen sich richtig wohl. „Levin, stört’s Dich, dass es regnet“, fragt der Papa seinen Sohn. Der meint: „Der Regen ist doch egal.“

Besuch aus dem Weltall. Eine weitere Preisvergabe steht auf dem Programm. Marc Hamacher vom Leseratten Verlag präsentiert das neue Buch „Backnang Stories 2018 4kids“ mit 16 Autorenbeiträgen und kürt die jeweils drei besten Geschichten. „Besuch aus dem All“ erhält den 1. Preis. Darin erzählt Heidrun Szillus von einem Alien, der auf den Geschmack von Linsen und Spätzle kommt. Den 1. Preis in der Kategorie U18 bekommt Annika Vetter (14) für ihre Story „Luca, Lou und die Sache mit der Spinne“. Die zweiten Plätze: „Affenzirkus“ von Sarah Stiegler / U18: „Lou“ von Leonie Baumann (11). Die dritten Plätze erhalten: „Das Pullermännchen“ von Marina Heidrich / U18: Magische Schwestern“ von Amelie Ebinger (7. Klasse).

So funktioniert ein Feuerlöscher. Die Premiere ist geglückt. Erstmals präsentieren sich DRK, THW, DLRG und Feuerwehr auf der Blaulichtmeile im Biegel. Fast 30 ehrenamtliche Helfer informieren und zeigen, an einer Puppe, wie man wiederbelebt, oder demonstrieren den Umgang mit einem Feuerlöscher. „Der Besuch war zwar schwach, aber die Gespräche mit Bürgern waren sehr gut“, sagt Feuerwehrsprecher Jan Kusche.

Eine Axt verfehlt auch mal ihr Ziel. Auch die zweite Premiere ist geglückt. Die Aussteller und Händler des historischen Markts strahlen nicht, sind aber dennoch angesichts des Wetters zufrieden. „Uns ist es wichtig, den Leuten das historische Handwerk wieder nahe zu bringen. Deswegen machen wir Aktionen für Kinder und Schulen“, erklärt Jan Vogel aus Großerlach-Neufürstenhütte. Zusammen mit 17 Gleichgesinnten gründete er erst im Mai dieses Jahres den „Verein für historisches Handwerk und lebendige Geschichte“. – „Wir haben jetzt schon 30 Mitglieder, Tendenz steigend“, fügt seine Lebenspartnerin Cornelia Paul aus Spiegelberg an. Nach keltischem Ritual sind die Beiden sogar verheiratet. Hingucker beim Gänsemarkt war das Wurfaxt-Werfen. Aber es zeigte sich immer wieder: Eine Axt verfehlt auch mal ihr Ziel.

Weitere Bilder vom Backnanger Gänsemarkt auch im Internet unter www.bkz-online.de Bildergalerie
Die überdachte Showbühne nutzten zahlreiche Vereine und Schulen, um Tänze aufzuführen.

© Jörg Fiedler

Die überdachte Showbühne nutzten zahlreiche Vereine und Schulen, um Tänze aufzuführen.

Der Profi zeigt, wie’s geht: Auf der Blaulichtmeile wurde der Umgang mit dem Feuerlöscher geübt.

© Jörg Fiedler

Der Profi zeigt, wie’s geht: Auf der Blaulichtmeile wurde der Umgang mit dem Feuerlöscher geübt.

Verteilten gebackene Gänse: die Stadträtinnen Ingrid Beerkircher (links) und Sabine Kutteroff.

© Jörg Fiedler

Verteilten gebackene Gänse: die Stadträtinnen Ingrid Beerkircher (links) und Sabine Kutteroff.

Das Einzige, was gestern gar nicht angenommen wurde, war das reichhaltige Angebot an Sitzplätzen.

© Jörg Fiedler

Das Einzige, was gestern gar nicht angenommen wurde, war das reichhaltige Angebot an Sitzplätzen.

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Erstellt:
29. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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