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Gänsemarkt fällt dem Virus zum Opfer

Der Backnanger Stadtmarketingverein hat entschieden, dass es in diesem Jahr keinen Gänsemarkt geben wird. Die coronabedingten Anforderungen an eine solche Veranstaltung sind für die Verantwortlichen nicht umsetzbar.

Das waren noch Zeiten: Dicht gedrängt haben sich die Besucher einstens an den Angeboten in der Innenstadt erfreut, etwa am Marsch der Gänse zum Gänsebrunnen. Das hauchte dem Gänsemarkt Seele ein. Und da das 2020 nicht möglich ist, ist die Absage folgerichtig. Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Das waren noch Zeiten: Dicht gedrängt haben sich die Besucher einstens an den Angeboten in der Innenstadt erfreut, etwa am Marsch der Gänse zum Gänsebrunnen. Das hauchte dem Gänsemarkt Seele ein. Und da das 2020 nicht möglich ist, ist die Absage folgerichtig. Archivfoto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG.Schlechte Nachrichten für alle Backnang-Fans. Nachdem in diesem Seuchenjahr bereits der Tulpenfrühling geknickt wurde und selbst das legendäre Backnanger Straßenfest erstmals in seiner 50-jährigen Geschichte nicht stattfinden konnte, fällt jetzt auch der Gänsemarkt dem Virus zum Opfer. In einer Pressemitteilung schreibt der Stadtmarketingverein Backnang, dass die Vorstandschaft und die Geschäftsstelle lange über das Thema beraten hätten, ob der Gänsemarkt am 25. Oktober stattfinden könne. Dann aber sei man zu der Entscheidung gekommen, dass es in diesem Jahr nicht geht. Konkret sei es nicht möglich, eine solch große Veranstaltung zu stemmen und dabei die coronabedingten Anforderungen zu erfüllen. Das wären zum Beispiel Zugangskontrollen, Dokumentationspflicht und die Durchsetzung der Hygienemaßnahmen gewesen.

Simon Köder vom Stadtmarketing schreibt dazu, dass sich der Gänsemarkt einer langen Tradition erfreut. Seit über 30 Jahren trotze die Veranstaltung, die immer am letzten Oktoberwochenende Tausende Besucher in die Backnanger Innenstadt zieht, Wind und Wetter. Auch in diesem Jahr hätten die Händler und Gastronomen ihre Gäste in einer herbstlichen Innenstadt begrüßen wollen.

Wind und Wetter konnte der ausrichtende Verein Jahr um Jahr trotzen, aber gegen das Virus ist er chancenlos, es handelt sich um eine Herausforderung der ganz anderen Art. Köder: „Das Coronavirus hat in den letzten Monaten bereits zahlreiche Bereiche des öffentlichen Lebens eingeschränkt. Dies betrifft nun auch den Gänsemarkt, an dem traditionell bis zu 80 Aussteller, über 100 Unternehmen und Tausende Besucher beteiligt sind. Aus unserer Verantwortung als Handelsverein gegenüber unseren über 130 Händlern, Gastronomen, deren Mitarbeitern und Besuchern wird der Gänsemarkt in diesem Jahr nicht stattfinden können.“

Doch ganz geschlagen gibt sich der Verein nicht. Wie schon mit der Backnanger Entdecker-Tour, dem Alternativprogramm für das Kinderfest, plant er auch für das Jahresende mit einem erweiterten Weihnachtsprogramm. Es soll eine Variante des Weihnachtsmarkts werden und dadurch über mehrere Tage in den wichtigen Adventswochen den Handel und die Gastronomie unterstützen.

Sigrid Göttlich, die Vorsitzende des Stadtmarketingvereins, glaubt an den Erfolg. Sie erinnert daran, dass die Entdecker-Tour sehr erfolgreich war und bei Groß und Klein bestens angekommen ist. Nun hofft sie, dass mit dem alternativen Weihnachtsprogramm auch sehr viele Menschen in die Stadt gelockt werden können, „nur nicht in einem großen Pulk“. Göttlich verweist auf die vielen Plätze, die es im Stadtgebiet gibt. Wenn dort überall an verschiedenen Tagen Attraktionen geboten oder Schwerpunkte gesetzt werden, so ist dies in der Summe attraktiv, ohne gleichzeitig riskant zu sein. Die Absage des Gänsemarkts hat Göttlich „schweren Herzens“ getroffen, „aber es geht um die Sicherheit unserer Backnanger, unserer Kunden und Gäste und unserer Mitglieder“. Die Inhaberin von Accente Mode hebt auf den Sicherheitsaspekt ab: „Wir haben das Virus, mit dem müssen wir leben, das ist derzeit nicht veränderbar, auch wenn es dazu viele verschiedene Meinungen gibt.“ So schildert die Ladeninhaberin: „Ich habe Kunden, die zählen sich zu den Querdenkern. Und ich habe Kunden, die wünschen eine Einzelberatung im Laden.“

Aber selbst wenn der Gänsemarkt genehmigt worden wäre, so wäre es nicht dieselbe Veranstaltung gewesen wie in all den Jahren zuvor, in denen die Menschen die Begegnungen genossen haben. „Es geht immer um Kontakte. Die Menschen treffen und umarmen sich, es ist eine Herzensangelegenheit. All das wäre nicht gegangen. Die Menschen sehen sich und machen einen Schritt zurück. Mit dem Abstand – der wichtig ist – fehlt die Herzlichkeit.“

Auch Martin Windmüller, Mitglied des Vorstands des Stadtmarketingvereins, erklärt: „Ich bin froh, dass die Entscheidung so ausgefallen ist, den Gänsemarkt abzusagen. Ich hätte sonst die Sorge gehabt, dass Backnang zu einem Hotspot des Virus werden könnte. Und das ist der Werbewert eines Gänsemarkts nicht wert.“ Windmüller bezweifelt, ob eine Dokumentation der Besucher machbar beziehungsweise sinnvoll gewesen wäre. Auch äußerte er Sorge, dass die Abstandsregeln nicht hätten eingehalten werden können. Da derzeit ringsum alle Veranstaltungen abgesagt werden, prophezeit Windmüller, dass das Backnanger Event noch mehr als sonst schon gestürmt werden würde. Und dann würde es besonders problematisch werden: „Es gibt einfach einen gewissen Prozentsatz Maskenverweigerer, die sicherlich auch zum Gänsemarkt gekommen wären.“

Für den Geschäftsmann wäre es auch deshalb ein Problem gewesen, weil er Mitarbeiter beschäftigt, die zu einer Risikogruppe gehören und die selbst keine Maske tragen können, „die würden sich in solch einer Situation sehr unwohl fühlen“. Er gibt zu bedenken, dass er auch sonst im Alltag immer wieder gerufen werde, wenn es Probleme mit Kunden gebe. Meist ließen sich die Situationen mit einem Gespräch klären. „Aber beim Gänsemarkt wäre das nicht möglich.“

Der Chef des Bettenhauses appelliert an alle: „Wir sollten alle miteinander solidarisch sein, damit es mit der gesamten Wirtschaft bald wieder bergauf geht.“

Foto: A. Becher Foto: A. Becher
Gänsemarkt fällt dem Virus zum Opfer

© Edgar Layher

„Die Menschen sehen sich und machen einen Schritt zurück. Die Herzlichkeit würde fehlen.“

Sigrid Göttlich, Vorsitzende

des Stadtmarketingvereins

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Erstellt:
11. September 2020, 06:00 Uhr

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