„Gartenarbeit macht glücklich und stolz“

Schneiden, Pflanzen, Düngen, Ernten: In einer Miniserie begleiten wir die leidenschaftliche Gärtnerin Stefanie Layer bei den Arbeiten in ihrem Garten durch das Jahr. In Folge zwei geht es um die Gartenarbeiten, die von Juni bis August anfallen.

Das Wachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück, denn der Mai, der eigentlich ihr intensivster Gartenmonat ist, war viel zu kalt. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Das Wachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück, denn der Mai, der eigentlich ihr intensivster Gartenmonat ist, war viel zu kalt. Fotos: A. Becher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Es ist der Tag des meteorologischen Sommeranfangs und das Wetter macht ihm alle Ehre. Nach getaner Arbeit – Stefanie Layer ist noch am Aufräumen und Ehemann Tilmann beendet gerade das stundenlange Jäten – gibt es einen Rundgang durch den großen Zier- und Gemüsegarten. Beide waren sehr fleißig heute und erzählen. Steff Layer hat Peperoni und Paprika gepflanzt, Zucchini und Brokkoli, sie hat zum dritten Mal schon in diesem Jahr Zwiebeln gesteckt, damit nicht alle gleichzeitig kommen, sie hat Beete eingefasst und selbst gezogene Petersilie rausgesetzt und natürlich auch nach den Blühpflanzen geschaut: Dahlien und Gladiolen eingepflanzt, Löwenmäulchen und Cosmea. Manche säen sich selbst aus – die Ringelblumen und Kapuzinerkresse zum Beispiel.

Die Tulpenzwiebeln sind ausgegraben und die Tomaten alle im Boden. Der Spinat „ist am Schießen“, die Radieschen jetzt auch, einen „Kartoffelturm“ mit vertikal wachsenden Pflanzen hat Steff Layer versuchsweise neben den Kartoffelreihen angelegt und könnte zufrieden sein mit dem Tagwerk. Die Träuble tragen sehr gut, Himbeeren und Erdbeeren werden auch schön, der Knoblauch gedeiht prächtig, der Koriander ist riesig geworden und der Kopfsalat – im vorigen Jahr versuchsweise aus eigenem Samen gezogen – steht nun üppig da.

Frostschäden bei den Rosen

und auch die Gurken schwächeln.

Aber Stefanie Layer wirkt bedrückt, denn der Mai, der eigentlich ihr intensivster Gartenmonat ist, war viel zu kalt, besonders nachts. Die Bauernregel, wonach ein Mai, der kühl und nass ist, dem Bauern Scheun und Fass füllt, dürfte in diesem Jahr wohl nur bedingt zutreffen.

Ein bisschen unglücklich berichtet die Hobbygärtnerin von den Enttäuschungen, die der „Wonnemonat“ beschert hat: Kirschen und Pfirsiche sind größtenteils erfroren, viele Rosen haben Frostschäden, die Gurken schwächeln, Bohnen hat sie noch mal stecken müssen, weil sie „nix geworden“ sind. Es war einfach zu kalt, auch für Karotten und Radieschen, die zweimal gesät werden mussten.

Trotz alldem ist der Garten in einem Topzustand und wunderschön. Beim Rasenmähen hat Stefanie Layer unter den Obstbäumen eine Margeriteninsel stehen lassen, das wirkt sehr natürlich und ist hübsch anzuschauen. Überhaupt die verschiedensten Blumen: Sie sind über den gesamten Garten verteilt, mit Bedacht angelegt zwar, aber nicht auf den Ziergarten beschränkt, sollen sie doch auch als Magnete für die Insekten wirken. Das funktioniert fantastisch, gerade auch an dem kleinen Teich, der durstige Bienen, Hummeln und vielerlei Vögel anzieht.

Tomatenstecklinge wachsen, wenn man Scheiben der Frucht einpflanzt.

Tilmann Layer, der zunächst nicht begeistert war von der Idee, einen Teich anzulegen, ist fasziniert davon. Seine Frau hat ihn ein wenig angesteckt mit ihrer Gartenliebe. Gern hat er ihr im letzten Jahr ein Tomatenhaus gebaut, das gute Dienste leistet, und Stefanie Layer nutzt ein einfaches, aber wirkungsvolles Bewässerungssystem mit oberhalb der Wurzeln schräg eingepflanzten Töpfen. Viele Tipps hat sie parat. Man kann Tomatenstecklinge selbst ziehen, indem man einfach Scheiben der Frucht einpflanzt („das dauert ein bisschen, aber funktioniert“) oder das ausgegeizte Grün erwachsener Pflanzen verwendet. Gegen vertrocknende Erdoberflächen empfiehlt sie das Mulchen mit Rasenschnitt – beeindruckend das Ergebnis.

Gegen Abend gibt es dann oft ein kleines Feuer in der Feuerschale. Stefanie Layer findet, dass es „etwas Reinigendes“ hat, und genießt den Feierabend. Die Gedanken sind längst bei der Planung für die nächsten Tage und Wochen. Ihre Liebe zum Garten wird auch deutlich, wenn sie die Steckbriefkarten zeigt, die sie selbst für jede ihrer Pflanzen angelegt hat. Liebevolle Zeichnungen und Beschreibungen ihrer Charakteristika finden sich dort. Klar, so etwas kann man kaufen – Stefanie Layer macht es selbst.

Zartes Knoblauchgrün passt sehr gut zum Würzen von Speisen.

Und schließlich erzählen sie von der Faszination der Zubereitung ganz frisch geernteter Speisen und geben Rezepttipps. Tilmann Layer verwendet das zarte Knoblauchgrün ausgesprochen gern zum Würzen und schwärmt davon. Auch gut: frischer Spinat mit etwas Tomate, Knoblauch, eventuell mit Shrimps und Nudeln. Oder: eine asiatische Suppe mit Spinat, Koriander und ein paar Pilzen. Oder: indisches Hühnchen mit Ingwer und selbst gemachter Korianderpaste. Oder, oder, oder. Man kann schon Appetit bekommen. Inzwischen hat sich Katze Anuschka am Feuer eingefunden und genießt die Atmosphäre. „Das macht sie jeden Abend“, sagt Stefanie Layer und zeigt noch ihr neuestes Projekt. Sie hat sich das Schweißen beibringen lassen und eine Rankhilfe angefertigt, die zugleich als Stellage für ein Ohrenzwickerhäuschen dient. Es klingt glaubhaft, wenn sie sagt, dass Gartenarbeit sie glücklich und stolz macht und der ideale Ausgleich zu jeder Art von Stress ist.

Stefanie Layer freut sich über die Rosen, die keine Frostschäden abbekommen haben.

© Alexander Becher

Stefanie Layer freut sich über die Rosen, die keine Frostschäden abbekommen haben.

Gartenarbeiten im Sommer

Juni

Formschnitt von Hecken. Rückschnitt öfter blühender Rosen. Rosen düngen. Regelmäßiges Rasenmähen. Staudenpfingstrosen und Rhododendren von welken Blüten befreien. Kirschbaumschnitt (nach der Ernte). Ausgeizen von Tomaten. Zweijährige Pflanzen aussäen. Saatbeet für Herbstgemüse anlegen.

Juli

Hecken schneiden. Rückschnitt von Rosen. Düngung von Rosen. Schneiden von Kirschbäumen (Vogelschutz beachten und nur Form- oder Pflegeschnitte durchführen). Gegebenenfalls Steingarten anlegen. Gegebenenfalls Miniteich anlegen. Petersilie aussäen. Mit Stecklingen neue Pflanzen züchten.

August

Rasen düngen (mit Langzeitdünger) und eventuell vertikutieren. Rückschnitt der Obstbäume und Beerensträucher. Frühjahrsstauden teilen, Herbststauden pflanzen. Rhododendren, Koniferen, Ilex gegebenenfalls umsetzen. Erdbeeren pflanzen. Verblühten Lavendel schneiden. Blumensamen ernten.

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Erstellt:
12. Juni 2021, 06:00 Uhr

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