Gebrauchtwarenhaus findet allgemein Anklang

In der Kreistagssitzung in der Oppenweiler Gemeindehalle steht das neue Konzept der Kreis-Abfallwirtschaft im Fokus

Auch das Thema wilder Müll kommt in der Kreistagssitzung zur Sprache. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Auch das Thema wilder Müll kommt in der Kreistagssitzung zur Sprache. Foto: J. Fiedler

Von Bernhard Romanowski

OPPENWEILER. Die Abfallwirtschaft im Rems-Murr-Kreis (AWRM) will sich konzeptionell neu aufstellen. Bis Ende des Jahres werden Anregungen und Ideen gesammelt und bewertet, mit denen das kreiseigene Unternehmen dann die anstehenden Herausforderungen bewältigen und zum Wohle der Bürger erledigen will (wir berichteten). Landrat Richard Sigel und die Kreistagsmitglieder, die dem AWRM-Verwaltungsrat angehören, sowie die Führungskräfte des Unternehmens hatten dazu beispielgebende Einrichtungen in Leipheim und Ulm besucht und kamen mit vielen Anregungen zurück. In der jüngsten Sitzung des Kreistags, der in der Oppenweiler Gemeindehalle tagte, kamen nun auch explizit die Fraktionen zum neuen AWRM-Konzept zu Wort. „Etwas unglücklich war, dass Ende März das Konzept ohne Wissen der Fraktionen schon vor der Sitzung der Presse präsentiert wurde“, beklagte Christoph Jäger namens der CDU-Fraktion. Dadurch sei der Eindruck in der Öffentlichkeit entstanden, das Konzept sei schon beschlossen. Dessen Ausarbeiten habe aber gerade erst begonnen, so Jäger, der freilich auch gleich darauf verwies, dass viele Vorschläge seiner Fraktion sich darin wiederfänden. Er sprach zum Beispiel die Einrichtung eines Gebrauchtwarenhauses an, wie die Kreisräte es im Landkreis Günzburg besichtigt und für sehr gut befunden hatten.

Wilder Müll beschäftigtdie Fraktionen stark.

Die CDU-Fraktion regt hierzu die Kooperation mit privaten Partnern an und plädiert dafür, sich nicht nur auf Gebrauchtwaren zu beschränken, sondern auch die Verarbeitung und Vermarktung von Biomasse ins Auge zu fassen. Jäger: „Die AWRM kann sicher, aber muss nicht alles selber machen.“ Die Grünen-Fraktion hat für ein Gebrauchtwarenhaus einen entgegengesetzten Ansatz, wie Astrid Fleischer darlegte: Man solle eine solche Einrichtung eben nicht an private Anbieter vergeben, sondern als soziale Maßnahme anlegen und mit Beschäftigten vom Arbeitsmarkt betreiben. Auch betonte Fleischer die Auffassung ihrer Fraktion, dass es heutzutage mehr auf Müllvermeidung ankomme, und sprach von einem modernen Verpackungswahn, dem man Einhalt gebieten müsse. Von einem Behältersystem mit gechippten Gefäßen schien Fleischer indessen nicht sonderlich viel zu halten.

Damit komme man dem Phänomen des wilden Mülls auch nicht bei, sagte sie. Raimon Ahrens (Fraktion Freie Wähler) kam auch genau darauf zu sprechen: „Uns ist die Reduzierung von Wildem Müll ein großes Anliegen. Mehr Komfort und verbesserte Öffnungszeiten bei den Wertstoffannahme-Stationen tragen hierzu ebenso bei wie kurze Wege für die Bürgerinnen und Bürger zur nächsten Deponie oder Annahmestelle.“ Ahrens bat die Kreisverwaltung auch um Prüfung, ob man nicht Unterflurcontainer für Altglas und Papier an jenen Orten installieren könne, wo die Entsorgung dieser Stoffe in direkter Nähe zur Wohnbebauung für Lärm sorge. Ein weiterer Punkt, der von den Fraktionen angesprochen wurde, ist die Frage, ob die Müllgebühren weiterhin bei den Haushalten oder zukünftig bei den Eigentümern der Gebäude veranschlagt werden sollen.

Die Freien Wähler sprechen sich dafür aus, es wie bislang zu lassen und die Haushalte zur Kasse zu bitten. „Der Verursacher des Mülls ist der Mieter“, so sah es auch Werner Häfele von der FDP-FW-Fraktion. Das Thema Abfallvermeidung hatte auch Klaus Riedel von der SPD-Fraktion auf dem Schirm. Ziel sei die Reduzierung des Hausmülls durch eine noch bessere Trennqualität. „Mehr Anlieferzeiten, schnellere Abwicklung, also eine bessere Infrastruktur“ seien ebenso notwendig wie die solare Energieerzeugung auf stillgelegten Deponien. Den Blick vom Klimaschutz hin zum Sozialen lenkte Riedel mit der Feststellung: „Oberste Priorität hat für uns ein gerechtes und bürgerfreundliches Gebührensystem. Vor allem dürfen dabei nicht Familien mit Kindern die Verlierer sein.“

Das neue Konzept der Abfallwirtschaft wird laut Landrat Sigel bei einer Klausurtagung der Entscheidungsträger im Juli weiter festgezurrt.

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Erstellt:
27. April 2021, 16:00 Uhr

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