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Gedenken mit Friedensmusik

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Backnang erinnert an Kriegsende vor 75 Jahren

Reiner Schulte spielt zur Blauen Stunde in der Christkönigskirche. Archivfoto: A. Becher

Reiner Schulte spielt zur Blauen Stunde in der Christkönigskirche. Archivfoto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. „Viele Völker gedenken heute des Tages, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging. Seinem Schicksal gemäß hat jeder dabei seine eigenen Gefühle. Sieg oder Niederlage, Befreiung von Unrecht und Fremdherrschaft oder Übergang zu neuer Abhängigkeit, Teilung... – der 8. Mai 1945 ist ein Datum von entscheidender historischer Bedeutung in Europa.“ An diese Worte, die Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 8. Mai 1985 gesprochen hat, erinnert der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Backnang, Klaus Herberts. Anlass ist der 75. Jahrestag des Kriegsendes am heutigen Freitag. Die ACK hat zum Gedenken an das Kriegsende aufgerufen. Ursprünglich sollte dazu in Backnang auch eine Veranstaltung stattfinden, in der das Kriegsende aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden sollte. Wegen der Einschränkungen durch die Coronakrise kann diese Veranstaltung nicht stattfinden, sie wurde deshalb, wie Klaus Herberts unterstreicht, um ein Jahr, auf 8. Mai 2021, verschoben.

Ein wenn auch kleiner Teil des Programms ist jedoch bestehen geblieben. So läuten heute um 18 Uhr alle Backnanger Glocken, um zum Frieden zu mahnen und zum Beten einzuladen.

Ferner ertönt am Abend eine Friedensmusik für Orgel zur Blauen Stunde mit Regionalkantor Reiner Schulte in der Christkönigskirche – nun als Livestream. Das Konzert beginnt, wie die Blaue Stunde, mit Sonnenuntergang um 20.51 Uhr und dauert bis 21.28 Uhr. Der Livestream auf YouTube startet bereits fünf Minuten vor dem Konzert. Der Link zum Konzert ist auf www.katholisch-backnang.de zu finden. Bei technischen Fragen zum Empfang des Konzerts kann Schulte kontaktiert werden (Telefon 07191/732604, E-Mail reiner.schulte@katholisch-backnang.de). Um den Orgelklang angemessen hören zu können, wird empfohlen, gute Lautsprecher oder einen Kopfhörer zu verwenden.

Orgelklänge von Komponisten aus mehreren europäischen Ländern

Das Konzert erinnert mit europäischer Orgelmusik an das Kriegsende. Überschrieben ist es mit einem Vers aus den Klageliedern des Jeremia: „Wie liegt die Stadt so wüst“. Zu hören sind französische, englische, niederländische und deutsche Orgelwerke von Bezler, Alain, Sweelinck, Jones und Langlais. Dazu werden Bilder aus Backnang aus der Zeit um 1945 gezeigt, die das Stadtarchiv Backnang zur Verfügung gestellt hat.

Ferner hat der Kunsterzieher Tobias Dieterle mit Schülern der Abschlussklasse der Schickhardt-Realschule das Thema Kriegsende bearbeitet. Die Arbeiten der Jugendlichen sollten ursprünglich in der Friedhofkapelle und der Stadtbücherei ausgestellt werden, doch auch diese Ausstellung musste abgesagt werden.

Zum Konzert gibt Regionalkantor Schulte noch folgende Informationen:

Willibald Bezler hat 2007 unter dem Titel „Klagelied“ ein expressives, viersätziges Orgelwerk über Textstellen aus den Klageliedern Jeremiae geschrieben. Das biblische Motto des ersten Satzes „Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war!“ wird von ihm in sprechende, ausdrucksvolle Klangbilder verwandelt.

Jehan Alain hat in seinem kurzen Leben eine unverwechselbare Klangsprache geschaffen. 1940 ist er in einem Einsatz gegen deutsche Truppen gefallen. „Litanies“ ist sein vielleicht bekanntestes Werk, eine insistierende, sich stetig steigernde Anrufung. Alain selbst liefert dazu den Schlüssel: „Wenn die christliche Seele in der Not keine neuen Worte mehr findet, um Gottes Barmherzigkeit zu erflehen, wiederholt sie dieselbe Anrufung immer wieder, einmal vehement. Die Vernunft stößt an ihre Grenzen. Nur der Glaube setzt seinen Aufstieg fort.“

Jan Pieterszoon Sweelinck war die überragende Gestalt der europäischen Orgelmusik um 1600. Am Vorabend des 30-jährigen Kriegs komponiert er seine Variationen über „Da pacem Domine“ („Verleih uns Frieden“). Und Robert Jones Stück „St Anne“ basiert auf einem Choral, der in England bei Veranstaltungen zum Kriegsgedenken häufig gesungen wird. Das Stück selbst ist in Erinnerung an den Frieden 1918 entstanden. Das Konzert endet mit „Fêtes“ („Fest“) von Jean Langlais, 1945 unmittelbar nach Kriegsende in Paris entstanden.

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Erstellt:
8. Mai 2020, 06:00 Uhr

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