Medizin

Gefährliche Partikel: Mikroplastik in Prostatakrebs nachgewiesen

In Prostatakrebs-Tumoren findet sich überproportional viel Mikroplastik, wie eine neue Studie zeigt. In dieser wiesen Forschende bei neun von zehn Patienten mit Prostatakrebs Mikroplastik im Tumorgewebe nach.

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein Organ des Mannes, das etwa so groß wie eine Walnuss ist und sich unterhalb der Harnblase befindet. Sie umschließt die Harnröhre und spielt eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung, indem sie ein Sekret produziert, das die Spermien beweglich macht.

© Imago/Zoonar

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein Organ des Mannes, das etwa so groß wie eine Walnuss ist und sich unterhalb der Harnblase befindet. Sie umschließt die Harnröhre und spielt eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung, indem sie ein Sekret produziert, das die Spermien beweglich macht.

Von Markus Brauer

Mikroplastik ist überall: auf dem Mount Everest, in der Tiefsee und sogar in der Arktis. So sind Forscher in einem Tiefseegraben im Pazifischen Ozean in 8250 Metern Tiefe massenhaft auf Mikroplastik gestoßen. Mit Regen und Schnee rieseln die Mikro- und Nanoplastik-Teilchen aus der Luft auf die Erdoberfläche. Die winzigen Partikel werden in der Atmosphäre transportiert und können so über weite Strecken verteilt werden.

Allgegenwärtig und überall

Die weltweite Produktion von Plastik hat sich in den zurückliegenden 20 Jahren verdoppelt. Millionen Tonnen Plastik landen in der Umwelt - auf dem Land und im Meer, oft in Form von mikroskopisch kleinen Partikeln. Diese finden auch ihren Weg in den menschlichen Organismus – in den Verdauungstrakt, den Blutkreislauf und die Atemwege.

Mikro- und Nanoplastik können wir nicht entgehen. Wir nehmen es beim Trinken, Essen und Atmen auf. Forscher schätzen, dass es bei jedem Menschen je nach Lebensumständen 0,1 bis 5 Gramm Mikroplastik pro Woche sind. Fünf Gramm entspricht dem Gewicht einer EC-Karte. Die Forscher gehen von einem Größenbereich der Teilchen bis zu einem Millimeter aus.

Ablagerung im gesamten Organismus

Nano- und Mikroplastik lagert sich Geweben und Organen wie Leber, Lunge und sogar im Gehirn ab. Dort kann es Entzündungen auslösen und möglicherweise Demenzerkrankungen fördern.

Auch in der Spermienflüssigkeit von Männern und in Eierstöcken von Frauen wurde Mikroplastik bereits nachgewiesen. Doch welche konkreten Schäden dies in unserem Körper anrichtet, ist bisher erst in Ansätzen bekannt.

Fahndung nach Mikroplastik in Turmoren

Ein Forscherteam um Stacy Loeb von der New York University (NYU) hat jetzt für eine Pilotstudie Proben von zehn zufällig ausgewählten Patienten mit Prostatakrebs untersucht, denen die Prostata chirurgisch entfernt wurde. Ziel war es, im Gewebe nach Mikroplastik zu suchen und dessen Menge, Zusammensetzung und Struktur zu analysieren.

In den Tumorproben von neun der zehn Prostatakrebs-Patienten entdeckten die Wissenschaftler Spuren von Mikroplastik. Im gesunden Vergleichsgewebe war Mikroplastik dagegen nur in 70 Prozent der Proben nachweisbar. Zudem enthielt das Krebsgewebe im Schnitt 2,5-mal mehr Mikroplastik als das umliegende gesunde Prostatagewebe: 40 Mikrogramm Plastik pro Gramm Gewebe im Krebstumor gegenüber 16 Mikrogramm pro Gramm gesundem Gewebe.

Risikofaktor für Prostatakrebs?

Den Forschern zufolge könnten diese Analysen darauf hindeuten, dass es einen Zusammenhang der Mikroplastik-Belastung von Geweben mit Krebs gibt. „Unsere Pilotstudie liefert wichtige Hinweise darauf, dass Mikroplastikexposition ein Risikofaktor für Prostatakrebs sein könnte“, erklärt Loeb.

Denkbar wäre beispielsweise, dass die Kunststoffpartikel Entzündungen und Immunreaktionen im Gewebe auslösen, die langfristig Zellschäden hervorrufen und eine Entartung der Zellen begünstigen.

„Potenzielle Gesundheitsgefahr“

„Unsere Ergebnisse zeigen eine weitere potenzielle Gesundheitsgefahr durch Plastik auf und unterstreichen die Notwendigkeit strengerer gesetzlicher Maßnahmen, um die Belastung durch diese allgegenwärtigen Stoffe zu verringern“, resümiert Seniorautor Vittorio Albergamo von der NYU Grossman School of Medicine.

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Erstellt:
25. Februar 2026, 14:36 Uhr

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