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Geflüchtete werden zu Helfern

Bei dem Projekt „Mutadamin – Tafel to go“ bringen junge Flüchtlinge Lebensmittel zu Menschen, die in finanzielle Schieflage geraten sind. Die engagierten Jugendlichen sollen an ein Ehrenamt bei den Tafeln herangeführt werden.

Projektleiter Jochen Schneider freut sich, dass sich viele Geflüchtete bei dem Projekt engagieren, so wie etwa Lava aus Syrien. Foto: privat

Projektleiter Jochen Schneider freut sich, dass sich viele Geflüchtete bei dem Projekt engagieren, so wie etwa Lava aus Syrien. Foto: privat

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Das Projekt Mutadamin ist für Menschen gedacht, die bisher schon auf die Backnanger und Murrhardter Tafeln angewiesen waren oder die neuerdings aufgrund der Coronapandemie und zum Beispiel wegen Kurzarbeit in eine finanzielle Schieflage geraten sind. Sie alle können vom Projekt Mutadamin profitieren. Mutadamin ist arabisch und heißt übersetzt Solidarität.

Bei Mutadamin werden Taschen mit Lebensmitteln und Drogerieartikeln gefüllt und an die Haushalte im Raum Backnang, Weissacher Tal, Oppenweiler, Sulzbach an der Murr, Großerlach und Murrhardt ausgeliefert. Verantwortlich für das Projekt ist der Verein Kubus in Kooperation mit dem Backnanger Verein Pyramidea. Einkauf, Verpacken und Lieferung der Lebensmittel und Drogerieartikel erfolgt ehrenamtlich durch geflüchtete Jugendliche. Die Jugendlichen stammen aus Syrien und Afghanistan und leben nun in Auenwald, Weissach im Tal, Backnang, Burgstetten, Sulzbach und Murrhardt. Bislang wurden laut Projektleiter Jochen Schneider knapp 120 Taschen geliefert, überwiegend an Haushalte in Backnang und Weissach im Tal.

Bei Bedarf werden die Gäste auch abgeholt und wieder heimgebracht.

Des Weiteren erhalten die Familien und Einzelpersonen mit ihrer Lieferung eine Kuchenbackmischung, abgefüllt in einer Glasflasche. Diese ist verknüpft mit einer Einladung zum Essen. Die am Projekt beteiligten Jugendlichen bekochen die Gäste dann wahlweise mit einem schwäbischen oder internationalen (arabischen, afghanischen oder kurdischen) Gericht. Bei Bedarf werden die Gäste auch abgeholt und wieder heimgebracht. Die Zielgruppe wurde und wird durch Flyer und im Internet (Facebook) auf das Projekt hingewiesen, zudem wurden gezielt Multiplikatoren auf den Rathäusern, in Kirchengemeinden, sozialen Diensten und dem Landratsamt informiert, mit der Bitte, potenzielle Nutzer dieses Projekts anzusprechen. Hier kann man einen großen regionalen Unterschied beobachten. Den Organisatoren ist es wichtig dass in Zeiten wie diesen besonders an Menschen gedacht wird, denen es finanziell nicht so gut geht – dabei ist es unerheblich, warum diese Menschen in einer schwierigen Situation stecken und was deren Hintergrund (Herkunft) ist. Für Jochen Schneider steht daher fest: „Umso schöner, dass sich geflüchtete Jugendliche gefunden haben, die mit diesem ehrenamtlichen Engagement der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen, nachdem sie selbst von der Hilfsbereitschaft vieler Bürger profitieren durften.“ Ein weiterer Bestandteil dieses Projekts ist es auch, dass die Organisatoren die engagierten Jugendlichen an ein Ehrenamt bei den Tafeln heranführen wollen. Hierzu gab es Gespräche mit Verantwortlichen der beiden Tafeln, welchen ja aufgrund von Corona auch der eine oder andere Helfer weggebrochen ist. Zum Beispiel deshalb, weil jemand zu einer Risikogruppe gehört und sich das gerade nicht zutraut. Vereinzelt konnte hier auch schon Kontakt hergestellt werden.

Förderung von „Aktion Mensch“

Das Projekt „Mutadamin – Tafel to go“ wird aus dem Coronasofortprogramm der „Aktion Mensch“ gefördert. Es läuft seit Anfang Mai und endet am 31. Oktober. Aber Projektleiter Jochen Schneider zeigt sich zuversichtlich und gibt zu bedenken: „Natürlich könnten auch weitere Spender dafür sorgen, dass der Topf größer wird.“

Alle am Projekt beteiligten Jugendlichen haben eine Schulung zu den aktuellen Abstands- und Hygienevorschriften erhalten und an einer Einweisung zu Datenschutzrichtlinien teilgenommen.

In den Taschen befinden sich Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Salz, Mehl, ergänzt durch individuelle Wünsche der Nutznießer wie zum Beispiel Schokolade, Orangensaft, Bananen oder Paprika.

Auch r Nachhaltigkeit spielt eine Rolle – deshalb wird den Taschen in Absprache mit einem weiteren Kooperationspartner (Weissach Klimaschutz konkret) zusätzlich eine Recycle-Zahnbürste sowie Duschseife (ohne Plastikverpackung) beigefügt.

Die Helfer wurden an einem Tag von einem SWR-Kamerateam (Landesschau) begleitet.

Umgesetzt wird das Projekt vom Verein Kubus (www.kubusev.org/ueber-uns) in Kooperation mit dem Verein Pyramidea (www.pyramidea.de/ueber-uns).

Wer Bedarf an einer Lieferung hat, kann mit der Projektleitung Kontakt aufnehmen: jochen.schneider@kubusev.org oder unter den Telefonnummern 0711/88899912 oder 0176/34228063.

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Erstellt:
14. August 2020, 16:00 Uhr

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