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Gegen den Hausarztmangel in ländlichen Gebieten

Vor Fachtagung zur Zukunft des Medizinstudiums in Baden-Württemberg: Landtags-CDU fordert eine Landarztquote

Stuttgart Seine Patienten backen ihm schon mal einen Kuchen, bereiten eine Tasse frisch gebrühten Kaffee zu oder erzählen ihm von den Kindern und Eltern, wenn er zum Hausbesuch kommt. Man kennt sich halt, womöglich schon seit Kindertagen. Das Bild des Landarztes ist ein romantisches und verspricht ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Arzt.

Allerdings wollen immer weniger Ärzte als Allgemeinmediziner in den ländlichen Regionen arbeiten. Die Folge: Haus- und Kinderärzte auf dem Land finden keinen Nachfolger, sie müssen ihre Praxen schließen. Und Patienten müssen teils viele Kilometer über die Dörfer oder in die nächste Stadt fahren, bis sie einen Arzt finden, der keinen Patientenstopp verhängt hat und sie behandeln kann.

Wie kann in Zukunft überall im Land also eine wohnortnahe Hausarztversorgung sichergestellt werden? Die grün-schwarze Landesregierung hat bereits die Grundsatzentscheidung getroffen, die Zahl der Studienplätze für Humanmedizin um zehn Prozent – 150 Plätze – zu erhöhen. Wo sie entstehen und wie sie besetzt werden, ist aber offen. Bei einer nicht öffentlichen Fachtagung des Wissenschaftsministeriums zur „Weiterentwicklung des Medizinstudiums in Baden-Württemberg – Gemeinsam für eine flächendeckende und innovative Gesundheitsversorgung“ an diesem Freitag in Stuttgart sollen Konzepte vorgestellt, Angebote mit Experten diskutiert und auf Basis dessen eine Gesamtstrategie für das künftige Medizinstudium im Land entwickelt werden.

Die fünf medizinischen Fakultäten der Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Ulm und Tübingen raten in einem unserer Zeitung vorliegenden Konzept, die 150 Studienplätze „aus fachlichen und wirtschaftlichen Gründen“ bei sich einzurichten. Eine weitere Uniklinik in Stuttgart, wie es der neue Präsident der Landesärztekammer Wolfgang Miller fordert („Ich befürworte die Einrichtung einer medizinischen Fakultät in Stuttgart“), lehnen sie ebenso ab wie eine Landarztquote.

Um mehr Medizinstudenten für eine spätere Tätigkeit in unterversorgten Regionen auf dem Land zu begeistern und zu qualifizieren, schlagen die medizinischen Fakultäten ein neuartiges „Längsschnittcurriculum Ländliche Hausarztmedizin“ vor. „Multiple, strategisch verzahnte, strukturelle und inhaltliche Ausbildungsmodule“ sollen die Studenten dabei während des Studiums mit den Akteuren dieser Regionen wie Hausärzten, ambulanten und stationären Versorgungszentren, Bürgermeistern und Landräten zusammenbringen, um sie auf diese Weise an diese Regionen zu binden. Das Konzept basiert auf Freiwilligkeit.

Genau deshalb steht der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Reinhart, dem Konzept kritisch gegenüber. Er fordert mehr Verbindlichkeit. „Wir haben die zusätzlichen Medizinstudienplätze im Nachtragshaushalt finanziert mit der klaren Erwartung, dass daraus auch wirklich Landärzte werden“, betont Reinhart. Das Curriculum „Ländliche Hausarztmedizin“ als Wahloption reiche nicht aus. Wenn das Studium die Möglichkeit biete, sich mit landärztlicher Versorgung zu befassen, sei das sicher nicht verkehrt. Es könne aber „keinen einzigen zusätzlichen Landarzt garantieren“, so der CDU-Fraktionschef. Er bleibe daher bei seiner Forderung nach einer Landarztquote von zehn Prozent bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen.

Wer sich bei Studienbeginn vertraglich verpflichtet, nach einem erfolgreichen Studium und der fachärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für zehn Jahre in eine unterversorgte Region zu gehen, soll demnach bei den 150 zusätzlichen Studienplätzen bevorzugt zugelassen werden. Über diesen Weg hätten auch junge Leute mit einer schlechteren Abi-Note die Chance, Medizin zu studieren. Die anderen Fraktionen im Landtag sind gegen eine Landarztquote. Kritiker sagen, junge Menschen würden bei der Studienwahl nicht überblicken, was eine solche Verpflichtung bedeute. Reinhart findet indes, das sei „durchaus zumutbar“. Erst kürzlich hat Nordrhein-Westfalen bereits eine Landarztquote eingeführt.

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Erstellt:
12. April 2019, 03:14 Uhr

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