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Gegenwind für den Schwaben-Park

Der Freizeitpark möchte ein neues Fahrgeschäft bauen, direkte Anwohner laufen dagegen Sturm

Bislang habe sie sich nie beklagt, jede Erweiterung am Schwaben-Park mitgetragen. Aber „bei uns ist eine Grenze erreicht. Jetzt müssen wir etwas tun.“ Worüber Irmgard Hirzel aus Gmeinweiler im Gemeinderat ihren Unmut kundtat, das sind die erneuten Erweiterungspläne des Freizeitparks. In direkter Nähe zur Nachbarschaft in dem Kaisersbacher Teilort möchten die Betreiber nämlich ein zusätzliches Fahrgeschäft errichten.

Zwischen April und Oktober hat der Schwaben-Park geöffnet. In dieser Zeit kommen mehr als 200000 Besucher nach Gmeinweiler. Für die direkten Anwohner (hinten im Bild ist eines der Dächer zu sehen) werden dann nicht nur die Fahrgeschäfte, sondern auch die vielen Menschen zu einer Lärmkulisse, die manchem das Wohnen in dem Kaisersbacher Teilort arg verleidet. Archivfoto: G. Schneider

© Gaby Schneider

Zwischen April und Oktober hat der Schwaben-Park geöffnet. In dieser Zeit kommen mehr als 200000 Besucher nach Gmeinweiler. Für die direkten Anwohner (hinten im Bild ist eines der Dächer zu sehen) werden dann nicht nur die Fahrgeschäfte, sondern auch die vielen Menschen zu einer Lärmkulisse, die manchem das Wohnen in dem Kaisersbacher Teilort arg verleidet. Archivfoto: G. Schneider

Von Mathias Ellwanger

KAISERSBACH. Für einige Anwohner sind diese Pläne schlichtweg inakzeptabel, sie wollen sich nun wehren. „Wir sind nicht gegen den Schwaben-Park“, stellte Irmgard Hirzel klar. „Aber irgendwann ist einfach genug.“ Denn in den vergangenen Jahren habe die Lärmbelastung deutlich zugenommen. Dass nun ein weiteres Fahrgeschäft kommen soll, das die Geräuschkulisse vermutlich noch verstärken wird, ist aber nicht das einzige Bedenken.

Dass die Besucher den Nachbarn womöglich in den Garten schauen, auch darüber machte Hirzel sich Sorgen. Zu Unrecht, wie Guido Hudelmaier, einer der beiden Geschäftsführer des Schwaben-Parks, entgegnete. Die neue Attraktion werde neun Meter kleiner sein als die „Wilde Hilde“, neben der sie dann auch stehen soll.

Und was die Geräuschkulisse anbelangt, sei das Fahrgeschäft vergleichsweise leise. Maximal 65 Dezibel soll die Lautstärke betragen – Geräusche der Besucher nicht mit eingerechnet.

Anwohner fühlen sich mit ihren Bedenken nicht ernst genommen

Um was genau es sich bei der Attraktion handelt, dazu möchte sich der Schwaben-Park mit Blick auf die Vermarktung noch nicht im Detail äußern. Nur so viel ist aus den Plänen ersichtlich: Es handelt sich dabei um eine Art Gondel, mit der die Besucher sich mehrere Hundert Meter über das Parkgelände bewegen können. Womit die Betreiber künftig noch mehr Besucher in den Park locken wollen. „Wir haben da schon Bedenken“, sagte deshalb Hirzel, die Anfang des Monats schriftlich über die Pläne informiert wurde. Und zwar von der Gemeinde, nicht vom Schwaben-Park, von dem sie sich eine bessere Kommunikation gewünscht hätte. Für das Bauvorhaben ist eine Beteiligung der Nachbarn vorgesehen. Vier Wochen haben diese Zeit, beim Landratsamt ihre Bedenken schriftlich zu äußern.

Dass diese wichtige Information ohne Kuvert, Datum und Unterschrift in seinem Briefkasten landete, das empörte den Gmeinweiler Thomas Maier. Bürgermeisterin Katja Müller zeigte sich davon überrascht. „Ich weiß nicht, was da schiefgelaufen ist.“ Das Thema werde von der Gemeinde offenbar nicht ernst genommen, mutmaßte Maier, der erst vor wenigen Jahren in den Kaisersbacher Teilort gezogen ist – und dies ein Stück weit bereut hat. Das Problem sei für ihn der Schalldruck des Parks Richtung Gmeinweiler. „Diesen Sommer war es wesentlich lauter als die Jahre zuvor.“ Ungestört im Garten zu sitzen, sei da kaum noch möglich gewesen. Wegen der Fahrgeschäfte, den Schreien aus der Achterbahn – und weil er bei Unterhaltungen von Parkbesuchern nahezu jedes Wort verstanden habe. Der Gipfel war für ihn jedoch erreicht, als an Allerheiligen vier Stunden lang Guggenmusik aus dem Freizeitpark tönte. „Es muss wirklich was geschehen, damit man in Gmeinweiler leben kann.“ Er komme demnächst in Rente und „ich weiß nicht, ob ich das aushalten kann“. Hirzel hatte deshalb den Gemeinderat gebeten, das Projekt abzulehnen. Der kann zwar nicht über das Bauvorhaben entscheiden. Dafür ist das Landratsamt zuständig. Das Gremium muss aber eine städtebauliche Stellungnahme dazu abgeben. „Es wäre schön, wenn der Gemeinderat mal auf unserer Seite ist“, so ihre Hoffnung.

Es soll eine Aussprache zwischen Anwohnern und Betreibern geben

Doch diese Hoffnung wurde leider enttäuscht. Das Gremium hat dem Bauvorhaben zugestimmt. Denn für das Gebiet gibt es bereits einen Bebauungsplan. Und der wird von den Betreibern des Schwaben-Parks auch eingehalten. In Sachen Lärmschutz sei in letzter Zeit zudem „richtig viel passiert“, befand Gemeinderat Adem Akin. „Es ist heute mehr eingehaust“, ergänzte Ratskollege Bernd Basler. „Eigentlich müsste es lärmtechnisch besser geworden sein.“ Doch offensichtlich gebe es großen Redebedarf, weshalb Basler vorschlug, dass sich Anwohner, Betreiber und der Gemeinderat bei einem gesonderten Termin darüber aussprechen. Ein Vorschlag, den Bürgermeisterin Müller begrüßte.

Zumal der Park ja nicht nur Gegenwind aus Gmeinweiler bekommt. Auch in Aichstrut wurden unlängst Unterschriften gesammelt gegen eine geplante Erweiterung nach Süden Richtung Welzheim (wir haben berichtet). Dort will der Schwaben-Park zusätzliche Gastronomie und eine Halle errichten, außerdem im Norden Richtung Kaisersbach weitere Parkplätze. Da es hierfür aber noch keinen Bebauungsplan gibt, hat die Gemeinde das Verfahren unlängst angestoßen. Es wird noch Jahre dauern, bis der Freizeitpark hier erweitern kann. Das Fahrgeschäft auf dem bestehenden Gelände hingegen wird wohl schon bald kommen. Sobald das Landratsamt grünes Licht erteilt (womit ziemlich sicher zu rechnen ist), werden die Betreiber mit dem Bau beginnen. Zum Saisonstart werde die neue Attraktion aber noch nicht fertig sein, heißt es vom Schwaben-Park.

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Erstellt:
27. November 2019, 06:00 Uhr

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