Gelände am Backnanger Stiftshof wird zum Naturgarten

Eine bisher unbeachtete Grünfläche beim Stiftshof wird in einer Kooperation der Lebenshilfe, des Naturgartenvereins und der Stadt Backnang neu gestaltet. Entstehen soll ein kleiner insektenfreundlicher Naturgarten, in dem Besucher Erholung und Ruhe finden können.

Ein bisher ungenutztes Gelände hinter dem Stiftshof verwandelt sich in ein Paradies für Insekten. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Ein bisher ungenutztes Gelände hinter dem Stiftshof verwandelt sich in ein Paradies für Insekten. Foto: Alexander Becher

Von Annette Hohnerlein

Backnang. Viele Backnanger kennen den kleinen Garten unterhalb des Stiftshofs vermutlich gar nicht. Er gehört zum Gebäude Nummer 15, in dem das Amt für Familie, Jugend und Bildung untergebracht ist; der Zugang erfolgt über den Spielplatz, der über den Burgplatz erreichbar ist. Bisher führte das von hohen Mauern eingefasste Rasenstück ein Schattendasein. Bis Michael Balzer und Frank Ehret bei einem Glas Bier zusammensaßen und eine Idee hatten. Balzer als Vorsitzender der Lebenshilfe Rems-Murr war auf der Suche nach einem Projekt, bei dem Menschen mit geistiger Behinderung sich einbringen und einen Mehrwert für die Backnanger Bürger schaffen können. Frank Ehret vom Verein Naturgarten Rems-Murr konnte jede Menge Fachwissen in Sachen naturnahe Gartengestaltung einbringen. So kam man überein, sich des Stückchens Erde anzunehmen, das ungenutzt und von der Öffentlichkeit unbemerkt in bester Lage Backnangs vor sich hindämmerte. In Kooperation mit der Stadt sollte dort ein Garten entstehen, in dem sich einheimische Pflanzen und Tiere genauso wohlfühlen wie Besucher.

Backnanger Firmen bringen sich mit ein

So konnten am Samstag einige Mitglieder der Lebenshilfe mit Hacke und Schaufel tätig werden und die bereitstehenden Pflanzen in die Erde setzen. Andreas Müller hat bisher noch keine Erfahrung mit Gartenarbeit, gibt er zu. Aber ein Loch ausheben und einen Lavendelstock einsetzen, das ist auch für einen ungeübten Gärtner wie ihn kein Problem. „Margit hat mir erklärt, wie es geht“, sagt er und deutet auf Margit Kraubmann vom Naturgartenverein. Ein paar Meter neben ihm kniet Matthias Ciuffreda auf der Erde und pflanzt gerade ein Wiesenschaumkraut ein.

Bis es so weit war, mussten einige Vorarbeiten erledigt werden. Vor allem musste die Erde ausgetauscht werden, denn einheimische Pflanzen brauchen einen mageren, das heißt nährstoffarmen Boden. Mitarbeiter der Firma Jörg Bischof entfernten über 15 Tonnen Erde, vermischten Teile davon mit Sand und Schotter und verteilten sie auf die verschiedenen Beete. Sie modellierten das Gelände und setzten Mauern aus Natursteinen. Diese Arbeiten nahmen eine Woche in Anspruch und wurden von der Firma Bischof unentgeltlich erbracht. Die Baumaterialien wurden von der Backnanger Firma Pahlke teilweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Unterstützung kam auch von der Landschaftsplanerin Juliane Trebess, die auf naturnahe Gärten spezialisiert ist; sie plante die Aufteilung des Areals und wählte die Pflanzen aus. Anstelle eines nutzlosen Rasenstücks präsentiert sich das Gelände nun als abwechslungsreiches grünes Kleinod. Ein geschwungener Weg führt hindurch, zwei Bänke aus Holzstämmen dienen Besuchern als Sitzgelegenheiten und laden dazu ein, sich niederzulassen und zum Beispiel die Mittagspause zu verbringen.

Frank Ehret erläutert das Konzept: Es wurden verschiedene Vegetationszonen angelegt, schattige und halbschattige, mit etwas mehr oder weniger Nährstoffen. Die ausgewählten Pflanzen seien allesamt insektenfreundlich: Kräuter wie Lavendel oder Thymian, Blumen wie Hornklee oder Schlüsselblume, Gehölze wie Kornelkirsche oder Faulbaum. Die Bepflanzung sei so ausgewählt worden, dass Insekten von März bis in den November hinein blühende Pflanzen und damit Nahrung vorfinden, so Ehret. Da aber Wildbiene, Käfer und Co. außer etwas zu essen auch Wohnraum brauchen, wurden verschiedene Arten von Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen: Holzstämme mit vorgebohrten Löchern, Trockenmauern und Sandflächen im Boden. In einer Ecke liegt ein wilder Haufen aus Ästen und Reisig, der auf den ersten Blick so aussieht, als hätte man vergessen, das Grüngut zu beseitigen. Aber die Unordnung hat Methode, auch hier können Insekten oder Igel Unterschlupf finden.

Schüler kümmern sich um die Pflege

Backnangs Erster Bürgermeister Stefan Setzer freut sich über die Aufwertung des Grundstücks. „Die Fläche verkauft sich seit Jahren unter Wert. Es gab immer wieder Anläufe, sie zu gestalten, aber es wurde nie Geld dafür im Haushalt eingeplant.“ Jetzt sei der Garten ein ideales Betätigungsfeld für ehrenamtliches Engagement. Das Projekt ist Teil des Angebotspakets für Menschen mit geistiger Behinderung, das die Lebenshilfe aus Mitteln der Aktion „BKZ-Leser helfen“ der Backnanger Kreiszeitung finanziert. Dank der Sponsoren konnten die Kosten auf 6000 Euro begrenzt werden – knapp ein Viertel des regulären Aufwands.

Aber mit dem Anlegen des Grundstücks alleine ist es nicht getan. Auch ein naturnaher Garten braucht eine gewisse Pflege, vor allem am Anfang. Deshalb hat Organisator Michael Balzer die nahe gelegene Pestalozzischule mit ins Boot geholt. Die Schüler werden die weitere Pflege übernehmen, die in den nächsten Monaten vor allem darin bestehen wird, die Pflanzen regelmäßig zu wässern. Dafür wurde ein 60 Meter langer Schlauch angeschafft, gesponsert von Ina Fetzer von der Althütter Firma Werbekult und Domenic Vennhaus, Raumausstatter aus Schorndorf.

Der Naturgartenverein wird darauf achten, dass alles wie geplant wächst und gedeiht. Und auch die Stadt wird den Garten im Auge behalten und gegebenenfalls den Müll beseitigen. Den Schülern sollen in diesem sogenannten „grünen Klassenzimmer“ Natur- und Artenschutz nahegebracht werden. Und auch Menschen mit Behinderung sollen hier für ökologische Zusammenhänge sensibilisiert werden, wünscht sich Michael Balzer: „Es soll sich für viele lohnen.“ Balzers Mitstreiter Frank Ehret ist zuversichtlich, dass sich die summenden und krabbelnden zukünftigen Bewohner am Stiftshof wohlfühlen werden: „Es wird funktionieren, davon bin ich überzeugt.“

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Erstellt:
17. April 2023, 06:00 Uhr

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