Epstein-Akten offen zugänglich

Geld, Macht und Sex

Die Öffnung der Epstein-Akten ist rechtlich fragwürdig – und das Schweigen der Täter bisher ungebrochen, kommentiert Rainer Pörtner.

Ghislaine Maxwell (li.) and  Jeffrey Epstein unterwegs in einem Privatflugzeug (undatierte Aufnahme)

© AFP

Ghislaine Maxwell (li.) and Jeffrey Epstein unterwegs in einem Privatflugzeug (undatierte Aufnahme)

Von Rainer Pörtner

Ghislaine Maxwell könnte viele der offenen Fragen beantworten. Wie lauten die Namen der Männer, denen US-Millionär Jeffrey Epstein junge Frauen zum Sex vermittelte? Wer wusste von diesen Taten? Wie konnte es Epstein gelingen, ein Netzwerk mit unzähligen Reichen und Mächtigen aufzubauen, das ihn nicht nur selbst wohlhabend und einflussreich machte, sondern auch lange vor einer scharfen Strafverfolgung schützte?

Maxwell hat viele der Sex-Opfer für Epstein rekrutiert. Zurzeit sitzt sie eine zwanzigjährige Haftstrafe ab. Aber wie in ihrem Prozess zieht Maxwell es auch jetzt vor, weitgehend zu schweigen. Ihre Aussage vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses am Montag half der Wahrheitsfindung nicht weiter, auf die so viele in diesem monströsen Fall noch immer hoffen. Vor allem die Opfer.

Wüstes Durchwühlen der Daten

Weit mehr als drei Millionen Dokumente zu Epstein hat das US-Justizministerium inzwischen veröffentlicht. Wohl niemals zuvor in der Rechtsgeschichte sind so viele Unterlagen aus einem normalen Strafverfahren an die Öffentlichkeit gelangt. Es ist eine gigantische Ansammlung von Akten, Briefen, E-Mails, Fotos und Videos.

So brisant einige der Inhalte sind, so heikel ist die jetzige Form der Aufarbeitung: Es ist ein wüstes Durchwühlen der Daten, das vielfach eher von Voyeurismus und politischem Kalkül angetrieben wird, denn von ehrlichem Interesse an Aufklärung.

Im Namen einer höheren Gerechtigkeit wurde eine Büchse der Pandora geöffnet: Fasziniert starren wir auf das, was es zu sehen gibt, und ignorieren dafür wichtige Prinzipien einer rechtsstaatlichen Ordnung – etwa den Schutz von Persönlichkeitsrechten. Wir lesen Briefe und Mails auch von Menschen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen.

Neues Misstrauen, noch mehr Enttäuschung

Die Opfer der Sexualverbrechen, die eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten, spielen kaum mehr eine Rolle. Schlimmer noch: Kurz nach der Freigabe der Unterlagen zirkulierten Nacktaufnahmen von mutmaßlichen Missbrauchsopfern im Netz. So wurden Epsteins Opfer zum zweiten Mal missbraucht – diesmal in aller Öffentlichkeit. Das Justizministerium will entgegen den Vorgaben durch das Parlament weitere Unterlagen nicht freigeben. So wird das Versprechen auf völlige Transparenz von der Trump-Administration unterlaufen. Das Ergebnis ist keine Vertrauensbildung in die Redlichkeit der Justiz, sondern das genaue Gegenteil: neues Misstrauen, noch mehr Enttäuschung.

Die geöffneten Akten, das ist die andere Seite, ermöglichen einen genaueren Blick auf Jeffrey Epstein. Er war ein Menschenfänger im doppelten Sinne: Er zog Menschen unterschiedlichster Art in seinen Bann, von Bill Clinton bis Donald Trump, vom Tech-Milliardär Elon Musk bis zum Kulturguru Jack Lang, von Prinz Andrew bis Kronprinzessin Mette-Marit, und beutete gleichzeitig Hunderte Frauen und Mädchen sexuell aus.

Blick durchs Schlüsselloch auf eine grenzüberschreitende Elite

Wie durch ein Schlüsselloch ist hier eine grenzüberschreitende Elite zu besichtigen, die vor allem am eigenen Vergnügen, am eigenen Vorteil interessiert ist – und die jetzt durch Herumdrucksen und Herausreden angesichts ihrer engen Beziehungen zu einem verurteilten Sexualstraftäter auffällt.

Keiner von ihnen will von den Verbrechen gewusst haben. Keiner, der sich an den Frauen vergriffen hat, bekannte sich bisher schuldig. Niemand außer Epstein und Maxwell wurde angeklagt.

Aktenblätter allein, auch wenn es Millionen sind, können nie ein volles Abbild der Wirklichkeit sein. Dazu braucht es zusätzlich Menschen, die ehrlich und offen berichten. Ghislaine Maxwell würde unter einer Bedingung sagen, was sie weiß: wenn Donald Trump sie vorher begnadigt.

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Erstellt:
10. Februar 2026, 11:36 Uhr
Aktualisiert:
10. Februar 2026, 11:46 Uhr

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