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Geldsegen für die Schillerhöhe

Bund und Land stellen rund vier Millionen Euro für Sanierung und Erweiterung des Literaturarchivs zur Verfügung

Der Bund und das Land stellen in ihren Haushalten eine Planungsrate von insgesamt vier Millionen Euro ein. Damit können die Sanierung und die Erweiterung des Deutschen Literaturarchivs in Marbach forciert werden.

Die Zukunftsfähigkeit des Deutschen Literaturarchivs mit seinen Museen ist für die Stadt Marbach enorm wichtig. Archivfoto: W. Kuhnle

© kuhnle

Die Zukunftsfähigkeit des Deutschen Literaturarchivs mit seinen Museen ist für die Stadt Marbach enorm wichtig. Archivfoto: W. Kuhnle

Von Oliver von Schaewen

MARBACH AM NECKAR. Schon bei Friedrich Schiller in einem Gedicht heißt es „Raum ist in der kleinsten Hütte...“ – doch meinte der Dichter damit „für ein glücklich liebend Paar“ und bestimmt nicht die derzeitigen Archivkapazitäten des Deutschen Literaturarchivs (DLA) in Marbach am Neckar. Das im Jahr 1955 gegründete Archiv mit seinen rund 1400 Vor- und Nachlässen namhafter Schriftsteller platzt aus allen Nähten. Für eine bauliche Frischzellenkur sowie eine Erweiterung stellen der Bund und das Land Baden-Württemberg in ihren Haushalten jetzt vier Millionen Euro in Aussicht.

Die erfreuliche Nachricht hat Daniel Renkonen verbreitet, gewählter Landtagsabgeordneter der Grünen für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Allerdings reichen dem Politiker reine Baumaßnahmen nicht aus, er fordert auch mehr Personal. Bei einem Besuch im Deutschen Literaturarchiv habe ihn die Leiterin Sandra Richter von ihrem Konzept überzeugt, die Bundeseinrichtung „zukunftssicher“ zu machen, berichtet Renkonen.

Dazu gehöre neben einer Sanierung des Altbestands auch der Neubau eines offenen digitalen Forschungslabors. Für dessen Betrieb würden 19 weitere Personalstellen sowie drei Stellenanhebungen benötigt. „Ich unterstütze dieses Anliegen ausdrücklich – nur so können wir den Standort Marbach künftig sichern“, sagt Daniel Renkonen, der sich für die „zurückhaltende Haltung“ des Landes beim Ortstermin teilweise habe rechtfertigen müssen und ein nicht gänzlich auszuschließendes Abwandern der Einrichtung, etwa in die Bundeshauptstadt, verhindern will. Der Abgeordnete hakte deshalb bei Parteifreundin und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer nach, um die Position des Ministeriums zu erfahren.

Tatsächlich befürworte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart das Zukunftskonzept der DLA-Leiterin Sandra Richter, teilte die Staatssekretärin Petra Olschowski dem Abgeordneten Renkonen mit. „Wir begrüßen es deshalb sehr, dass der Bund bereits ein politisches Signal gesetzt hat.“ Dies betreffe auch den „strukturellen Aufwuchs“, also die 19 neuen Stellen.

So habe der Bund eine Planungsrate von 2,5 Millionen Euro beschlossen, in erster Linie gedacht für den Brandschutz und zu Ende gehende Magazinkapazitäten.

Das Land stellt im Doppelhaushalt für 2020/21 laut Petra Olschowski dem Deutschen Literaturarchiv erst mal nur 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Das Land bleibt damit bewusst hinter dem Bund zurück, da die notwendigen Bau- und Strukturmaßnahmen bislang nur skizziert sind.“ Auch für das neue Personal in dem digitalen Forschungslabor fehle noch eine ausreichende Konkretisierung, um es verlässlich im Haushalt zu veranschlagen. Olschowski hält eine weitere Förderung in künftigen Haushalten „Zug um Zug“ für möglich und sieht in dem jetzigen Beschluss einen „ersten Schritt“, das DLA gemeinsam mit dem Bund in seiner Entwicklung zu begleiten.

Aus Sicht des Bundes dienen die jetzt gewährten 2,5 Millionen Euro in erster Linie den „schon jetzt vorhandenen Kernaufgaben Sammeln, Erschließen und Bewahren“. Das teilte das Staatsministerium für Kultur und Medien dieser Zeitung mit.

Die Digitalisierung der Bestände nimmt in den letzten Jahren eine immer zentralere Rolle ein

Es seien jedoch auch Haushaltsstellen für die Planung des Neubaus vorgesehen. Der Deutsche Bundestag habe dem DLA ausschließlich Planungsmittel für einen möglichen Neubau mit dem Auftrag bewilligt, diesen zusammen mit Bund, Land und Stadt vorzubereiten. Die Bundesmittel müssten durch das Land kofinanziert werden. Sie stehen grundsätzlich für die Jahre 2020 bis 2022 zur Verfügung. „In dieser Zeit sollte eine Planung auch umsetzbar sein.“ Erst nach Abschluss der Planungsphase könnten dann die Gesamtkosten seriös beziffert werden.

Die Pläne zur weiteren Digitalisierung im DLA unterstützt das Berliner Staatsministerium für Kultur und Medien ausdrücklich. „Die Digitalisierung der Bestände von Archiven und Museen nimmt in den letzten Jahren eine immer zentralere Rolle bei Kultureinrichtungen ein.“ Bund und Land sei es daher „ein großes Anliegen, dass auch das DLA alle mit der Digitalisierung verbundenen Chancen nutzen kann“. Der Neubau eines Depots habe sich als notwendig erwiesen, da andere Aufnahmekapazitäten erschöpft seien. Über den Rückenwind aus Berlin und Stuttgart ist die DLA-Direktorin Sandra Richter erfreut. „Wir sind auf einem guten Weg und werden weiterhin intensive Gespräche mit unseren Zuwendungsgebern zum Ausbau des Instituts für die digitale Zukunft führen.“ Zur Frage, wie weit die Planungen für den weiteren Ausbau gediehen seien, wollte sich die Direktorin im Detail nicht äußern und verwies auf laufende Gespräche.

Voll hinter den Plänen des DLA steht der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. „Ein Stellenaufwuchs zur Aufrechterhaltung der hohen Arbeitsqualität auf der Schillerhöhe ist dringend erforderlich, da die Aufgaben und Anforderungen an das DLA in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind.“ In einem ersten Schritt sollen Archivräume erstellt werden, in einem zweiten das digitale Forschungslabor. Einen Standort habe die Stadt Marbach an der Stelle des jetzigen Hermann-Zanker-Hallenbads schon vorgesehen: Dieses Bad aus dem Jahr 1967 sei das älteste im Landkreis Ludwigsburg, das noch in Betrieb sei. Ein neues Bad soll in der Nähe der neuen Sporthalle beim Schulzentrum entstehen.

Der Stadt und dem DLA biete sich mit einem Kultur- und Literaturpark auf der Schillerhöhe eine „herausragende Chance“ zur Weiterentwicklung. Man wolle in enger Abstimmung mit dem DLA einen Zeitplan erstellen, sobald ein Projektplaner für die Weiterentwicklung des Literaturarchivs feststeht: „Wir stehen erst ganz am Anfang des Projekts.“

Sandra Richter

© dpa

Sandra Richter

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Erstellt:
26. Februar 2020, 06:00 Uhr

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