Gemeinde soll Auffüllung zurücknehmen

Ausgleichsfläche in den Weissacher Kohlhauäckern ruft Landratsamt auf den Plan – Abgelagerte Erde verbessert Boden nicht

Das Landratsamt drängt: Die Gemeinde Weissach im Tal soll ein Areal im Gewann Kohlhauäcker seiner Bestimmung gemäß als Ausgleichsfläche herrichten. Insbesondere geht es um einen Haufen Erde, der dort abgelagert wurde und wieder entfernt werden soll.

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Das Gelände gehört seit 2003 der Gemeinde. Von Anfang an waren dort Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen. Diese wurden aber bislang nicht realisiert, vielmehr wurde auf der Fläche sogar Erde abgelagert – und das nicht zu knapp: Von 3000 Kubikmetern ist die Rede. Das Material soll nun weggeschafft werden, was teuer werden dürfte.

Das Thema beschäftigte jetzt die Gemeinderäte im Technischen Ausschuss. Die ursprüngliche Acker- und Wiesenfläche sollte, wie Bürgermeister Ian Schölzel auf die früheren Planungen zurückblickte, zu einem Großteil aufgeschüttet und dann mit Obstbäumen bepflanzt werden – Anlegen einer Streuobstwiese als Ausgleich für anderweitige Eingriffe in die Natur. Inzwischen wurden die Bebauungspläne Hart, Sandäcker II, Wasengärten II und Käfig umgesetzt und damit Baugebiete geschaffen, die einen ökologischen Ausgleich in der Landschaft erfordert hätten. Dieser Schritt steht aber bislang noch aus.

Von der zunächst seitens der Gemeinde angedachten Vorgehensweise ist das Landratsamt, das mit Erdauffüllungen und Ablagerungen schon seine Erfahrungen gemacht hat, allerdings gar nicht angetan. Der Fachbereich Boden- und Grundwasserschutz hat eine Stellungnahme dazu vorgelegt und das Aufbringen der herbeigekarrten Erde, um das Geländeniveau auszugleichen, abgelehnt. Die Behörde fordert stattdessen, die Auffüllung auf dem Flurstück zurückzunehmen und bis zur ursprünglichen Böschungsoberkante abzutragen.

Diese Forderung hängt auch mit der Qualität des Erdmaterials zusammen, das dort „zwischengelagert“ wurde: Ein geologisches Büro hat den aufgefüllten Boden unter die Lupe genommen und ihn in die Qualitätsstufe Z0 eingeordnet. Zugrunde liegt dabei die Verwaltungsvorschrift des Umweltministeriums für die Verwertung von als Abfall eingestuftem Bodenmaterial (VWV Boden). Die Erde ist an sich unbelastet, enthält aber organisches Material: Wurzeln und Geästholz. Eingesetzt werden kann sie demzufolge in bodenähnlichen Flächen, zum Beispiel im Landschaftsbau und zum Verfüllen von Abgrabungen, entsprechend den Vorgaben der VWV Boden. Sie taugt aber nicht zur Bodenverbesserung – und das ist ein wesentlicher Punkt auf der Ausgleichsfläche: Der ursprünglich vorhandene Boden hat eine höhere Qualität als das abgelagerte Material und darf nicht verschlechtert werden.

Feldhecken und Fettwiesen

anstelle eines Streuobstbestands

„Bei Ackerland könnte ich das verstehen“, wunderte sich Wilhelm König (UBL), „aber wir legen hier eine Wiese an.“ Und das ist das Nächste: Anstelle eines neuen Streuobstbestands, wie dies einmal anvisiert war, sollen Feldhecken und sogenannte Fettwiesen angelegt sowie am Weg entlang Einzelbäume gepflanzt werden. Darüber zeigte sich auch Markus Keller (Weissacher Bürger) verwundert: Dass eine große Anzahl Bäume mit ihrer wichtigen Funktion für Luft und Lebewesen weniger wertvoll sein soll als eine Wiese, „kommt mir seltsam vor“. Doch Miriam Pfäffle vom Büro Roosplan bestätigte: Die Fläche als Ganzes samt der Hecken bringe mehr Ökopunkte als Bäume, wie sie auf einem Teil des Areals vorgesehen waren.

„Fassungslos“ zeigte sich Keller aber auch darüber, dass das Gelände 15 Jahre lang liegen geblieben war, ohne dass etwas gemacht wurde: „Es ist hochkritisch, was da gelaufen ist.“ Der Bürgermeister wies hingegen darauf hin, dass die Flächen auch verpachtet gewesen und genutzt worden seien und dass das ursprüngliche Konzept nie richtig überzeugt habe. „Wir werden unserer Verantwortung jetzt gerecht“, sagte Schölzel.

In Anbetracht der Kosten, die das Beseitigen der Erde mit sich bringt, überlegte Günter Sanzenbacher (CDU/FWV), ob das Wurzelwerk nicht einfach vor Ort maschinell zerkleinert werden sollte, um das Material doch einbringen zu können – ein Gedanke, dem das Landratsamt skeptisch gegenübersteht. Denn die Erde wird dadurch auch nicht besser.

Beschlossen wurde in der Sitzung des Technischen Ausschusses nichts, die Gespräche zwischen Rathaus und Landratsamt werden fortgesetzt. Schölzel: „Wir halten Sie auf dem Laufenden.“

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Erstellt:
27. November 2018, 06:00 Uhr

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