Gemeinderäte fordern einen Waldkindergarten

Die Aspacher Verwaltung überprüft auf Antrag die Umsetzbarkeit dieser alternativen Betreuungsform.

In Aspach gibt es zwar Kindergärten – hier der Kindergarten Ulrichstraße in Großaspach – doch die Plätze werden bald knapp. Archivfoto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

In Aspach gibt es zwar Kindergärten – hier der Kindergarten Ulrichstraße in Großaspach – doch die Plätze werden bald knapp. Archivfoto: T. Sellmaier

Von Lorena Greppo

ASPACH. Schon im Herbst werden die Kindergartenplätze in Aspach knapp. Grund dafür sind anhaltend starke Geburtenjahrgänge. Im Sommer fällt ein geburtenschwächerer Jahrgang (2015: 62 Kinder im Gemeindegebiet) aus der Kindergartenbedarfsplanung heraus, hingegen kommt ein Jahrgang mit mehr als 80 Kindern hinzu. Die Verwaltung hat den Bedarf erkannt und dem Gemeinderat bereits im Mai einen Ausbau der Betreuungseinrichtungen vorgeschlagen (wir berichteten). Genauer gesagt sollen in der Kita Ulrichstraße, in der Kita Trinkgasse und in der Kita Weinstraße durch Umbaumaßnahmen 60 neue Plätze geschaffen werden. 353000 Euro schlagen dafür zu Buche.

Zwar stimmte das Gremium der Planung einstimmig zu, allerdings meldeten sich mehrere Gemeinderäte mit dem Wunsch, einen Waldkindergarten als neue Betreuungsmöglichkeit in Betracht zu ziehen – eine Überlegung, wie sie auch in anderen Gemeinden derzeit beraten wird und wurde. Die Vertreter der Verwaltung hatten sich eher skeptisch gezeigt. Er sehe ein solche Einrichtung eher als zusätzliches Angebot, hatte Hauptamtsleiter Philip Sweeney erklärt. Momentan könnten sich die Eltern die Betreuungseinrichtung aufgrund der Knappheit der Plätze nicht aussuchen. So könne es kommen, dass Kinder einem Waldkindergarten zugewiesen werden, obwohl die Eltern das Konzept ablehnen. Diese Situation wolle man vermeiden. Dabei wollen es einige Gemeinderäte aber nicht belassen, weshalb die Fraktion der Freien Wählervereinigung nun einen offiziellen Antrag auf einen Waldkindergarten gestellt hat.

„Die Idee spukt schon lange herum, aber bisher wollte es keiner so richtig angehen“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Gerd Raichle. Gerade angesichts der sich zuspitzenden Situation bezüglich der knapp werdenden Betreuungsplätze sei nun der Zeitpunkt gekommen, das Prozedere zu beschleunigen. Dahingestellt wolle er lassen, ob eine solche Einrichtung dann von der Gemeinde betrieben wird oder womöglich von einem kirchlichen Träger. Von zahlreichen Eltern sei den Gemeinderäten bereits Interesse an einer solchen Einrichtung zugetragen worden, weshalb schnell feststand: „Wir wollen jetzt Nägel mit Köpfen machen.“ Alle neun Mitglieder der Freien Wählervereinigung seien für einen Waldkindergarten, so Raichle. Und auch aus den anderen Fraktionen erhält der Vorstoß Unterstützung, das hatten die Gremiumsmitglieder bereits in der Sitzung im Mai deutlich gemacht. Eine Mehrheit ist dem Vorstoß also sicher.

Verwaltungsintern sei der Antrag der FWA derzeit in der Prüfung, berichtet Hauptamtsleiter Sweeney. Derzeit gehe man aber davon aus, dass in einem Waldkindergarten keine Ganztagesbetreuung möglich ist. „Klassischerweise verfügt ein Waldkindergarten über einen Bauwagen“, erklärt er. Ist das Wetter schlecht, wird die Betreuung in diesen verlagert. Da dieser aber meistens nicht weiter unterteilt ist, verfüge der Waldkindergarten folglich nicht über einen separaten Ruheraum. Dieser allerdings ist für Kinderbetreuung in der vorgesehenen Altersklasse notwendig. Sollte wider Erwarten doch eine Ganztagesbetreuung möglich sein, spreche aus Sicht der Verwaltung nichts dagegen, das Projekt Waldkindergarten konkreter anzugehen.

Im Hinblick auf die Finanzen der Gemeinde könnte sich eine solche Einrichtung positiv auswirken.

Ein Argument der Waldkindergarten-Befürworter sind die überschaubaren Kosten. „Anstatt der Investition in eine neue Gruppe könnten hier erhebliche Mittel eingespart werden“, heißt es im Antrag der FWA. Denn die Umbaumaßnahmen zur Erweiterung der Betreuungseinrichtungen seien stets kostenintensiv. Ein Bauwagen, der den Anforderungen der Gemeinderäte entspräche, koste etwa 75000 Euro, eher sogar weniger. Schon angesichts der angespannten Finanzlage der Gemeinde sei dies eine Überlegung wert. Sweeney merkt hierzu jedoch an, dass Waldkindergärten von der Gruppenstärke her kleiner sind als üblichen Kindergärten.

Dem Vorschlag der FWA-Fraktion, einen Aufruf an alle Aspacher Eltern zu starten, um das Interesse und den Bedarf festzustellen, kommt die Verwaltung vorerst nicht nach. „Das Interesse abzufragen macht erst dann Sinn, wenn sicher ist, ob es überhaupt klappen kann“, begründet Sweeney. Ein Blick in andere Kommunen in der Region wie etwa Oppenweiler und Backnang zeige, dass das Konzept Anklang findet, betont Gerd Raichle. „Die Kinder sind viel draußen in der Natur, das gefällt vielen Eltern.“ Auch würde eine solche Einrichtung wunderbar nach Aspach passen. Er sei sich darüber im Klaren, dass es im Vorfeld noch so manches zu klären gebe, etwa die Standortfrage. „Es gibt aber sicherlich einige geeignete Stellen in der Gemeinde.“ Allerdings, betont Sweeney, brauche man für so etwas auch die Freigabe des Forstamts. Bedenken hatte im Gemeinderat auch Peter Hanisch, Vorsitzender der CDU/Bürgerlichen Wählerliste, mitgeteilt, im Bezug auf den Eichenprozessionsspinner, der in hiesigen Wäldern stellenweise vorkommt. „Das sollten wir nicht außer Acht lassen.“

Philip Sweeney kündigte an, in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen die neuesten Erkenntnisse der Verwaltung bezüglich der Umsetzbarkeit eines Waldkindergartens vorzustellen. Die Erwartungshaltung der FWA-Gemeinderäte und wahrscheinlich auch mancher ihrer Kollegen ist klar: „Wir wollen diesen Vorschlag durchsetzen“, so Raichle.

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Erstellt:
7. Juli 2021, 06:00 Uhr

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