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Gerätehaus muss erweitert werden

Feuerwehrbedarfsplan im Weissacher Gemeinderat vorgelegt – Gutachter empfiehlt, Frauenanteil zu erhöhen

Die Gemeinde Weissach kommt nicht umhin, das Feuerwehrgerätehaus im Aichholzhof zu erweitern und den aktuellen Anforderungen anzupassen. Das ist einer der wesentlichen Punkte im neuen Feuerwehrbedarfsplan, den der Gemeinderat jetzt vorgelegt bekam. Die Kosten für die Modernisierung sind auf zweieinhalb Millionen Euro geschätzt.

Das zentrale Gerätehaus der Weissacher Feuerwehr im Aichholzhof wurde 1984 bezogen. Jetzt besteht Erweiterungsbedarf, um aktuellen Erfordernissen gerecht zu werden. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Das zentrale Gerätehaus der Weissacher Feuerwehr im Aichholzhof wurde 1984 bezogen. Jetzt besteht Erweiterungsbedarf, um aktuellen Erfordernissen gerecht zu werden. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Das zentrale Gerätehaus im Aichholzhof war eine der bedeutendsten Errungenschaften nach der Kommunalreform. 1971 war die Gemeinde Weissach im Tal aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Bruch, Cottenweiler, Oberweissach und Unterweissach entstanden, 1984 wurde das neu errichtete Gebäude bezogen. Seit damals hat die Zeit ihre Spuren an dem Bau hinterlassen: Wasserschäden im oberen Geschoss zeigen das an. Zudem haben sich die Erfordernisse verändert, neue Maßgaben sind in Kraft getreten.

Roland Demke, Leitender Branddirektor aus Würzburg, der die Verhältnisse unter die Lupe genommen hat, wies im Gemeinderat auf die Probleme hin. Gesundheitsgefahren bestehen seinen Worten zufolge schon dadurch, dass sich die Feuerwehrleute unmittelbar bei den Einsatzfahrzeugen umziehen müssen und die Kleidung dann ebenfalls in diesem Bereich verstaut wird. Hygienische Standards seien nicht eingehalten, weil Privatkleidung und verschmutzte Einsatzkleidung nicht getrennt sind. Zudem seien die improvisierten Umkleidemöglichkeiten auf dem Flur und in der Kleiderkammer so eng, dass Unfallgefahr bestehe. Für die weiblichen Feuerwehrmitglieder schließlich gibt es nur einen improvisierten Umkleidebereich und gar keinen eigenen Sanitärbereich mit Toilette, Dusche und Waschgelegenheit im Erdgeschoss. Überhaupt: Die Sanitärräume befinden sich noch im Urzustand. Daraus ergibt sich für den Experten, dass der Sozialtrakt insgesamt erweitert werden muss. Zudem seien die Lagermöglichkeiten für Geräte und Material knapp. Und: Die Garagen im Untergeschoss sind nur 2,70 Meter hoch – nicht ausreichend für die neue Generation von Fahrzeugen. Überdies sei es nötig, Platz für Werkstatt und Büro zu schaffen. Nicht vorhanden ist schließlich ein Waschplatz für Feuerwehrfahrzeuge und ein Übungshof.

Unterm Strich stellte Demke zwar fest, dass der Standort strategisch gut passt, dass die Gemeinde aber nicht darum herumkommen werde, das Gebäude durch einen seitlichen und rückwärtigen Anbau zu erweitern. Seine Schätzung, was die Kosten betrifft – „ganz grob“: zweieinhalb Millionen Euro. Ein Neubau würde, auch diese Zahl stellte er in den Raum, viereinhalb Millionen Euro kosten.

Dringend: Notstromaggregat und Schwimmsauger für Löschwasser

Die Investition solle mittelfristig erfolgen, empfahl Demke, also im Zeitraum 2021 bis 2025. Noch in diesem Jahr sollten Schwimmsauger und eine mobile Saugstelle beschafft werden, um Löschwasser aus den Bächen entnehmen zu können. Zudem sei ein leistungsfähiges mobiles Notstromaggregat nötig, um das Gerätehaus ersatzweise mit Strom versorgen zu können. Zudem empfahl Demke die kurzfristige Beschaffung eines neuen Kommandowagens. Weitere Fahrzeuge sollten ab 2023 ersetzt werden. Je nach Entwicklung der Gemeinde könne auch eine eigene Drehleiter – bislang in Backnang – erforderlich werden.

Gleichzeitig gab es vom externen Gutachter viel Lob für die Weissacher Feuerwehr: Der Ausbildungsstand sei sehr gut, es bestehe eine hohe Tagesverfügbarkeit, und bei der Eintreffzeit erziele die Wehr mit achteinhalb Minuten in 95 Prozent der Fälle einen sehr guten Wert – gefordert sind zehn Minuten in mindestens 80 Prozent der Fälle. Für eine Gemeinde in der Größe von Weissach und mit dem entsprechenden Gefährdungspotenzial sollte die Feuerwehr 93 Aktive haben; mit 87 Angehörigen sei diese Zahl fast erreicht. Im Hinblick auch auf das Durchschnittsalter von 42 Jahren sah Demke Bedarf für Personalgewinnung. Dazu solle auch der Frauenanteil von derzeit 2 auf 20 Prozent erhöht werden.

„Wir sind gut aufgestellt“, fasste Bürgermeister Ian Schölzel zusammen. Was das Gerätehaus angeht, habe man bereits erste Überlegungen angestellt. Kommandant Jürgen Gerst unterstrich, der Feuerwehrbedarfsplan, den Demke ausgearbeitet hat, sei keineswegs ein bürokratisches Monster, es sei im Gegenteil gut, so einen Plan zu haben. Das Notwendige müsse man nun angehen. Dass die Weissacher Feuerwehr gut aufgestellt sei, liegt nach den Worten von Timo Kleeh (CDU/FWV) nicht zuletzt an der Führung. Die externe Sicht habe Dinge aufgezeigt, „die wir nicht gesehen haben“. Lob, Dank und Anerkennung äußerten auch Vertreter der anderen Fraktionen. Der Plan wurde dann einhellig von den Gemeinderäten angenommen.

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Erstellt:
16. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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