Geschicklichkeitstest mit etwas Glück

Serie Mitgemacht: Im letzten Teil unserer Serie spielt Redakteurin Silke Latzel Wikingerschach im Plattenwald

Last, but not least: In der letzten Folge unserer Serie „Mitgemacht“ beweist Redakteurin Silke Latzel beim Wikingerschach ein ruhiges Händchen – auch wenn sie gar nicht wusste, worauf sie sich einlässt, weil sie ausnahmsweise ihre Neugier gezügelt und nicht vorab recherchiert hat, worum es dabei geht.

Umsetzung der Wurftechnik: So lala, noch viel Luft nach oben. Perspektive für ein gutes Foto: Hilfe, geht gar nicht. Spaß beim Wikingerschach: Auf jeden Fall! – Silke Latzel und ihr Mann Stephan gewinnen mit ihrem Team das erste Spiel. Und das, obwohl sie blutige Anfänger sind. Foto: J. Fielder

© Jörg Fiedler

Umsetzung der Wurftechnik: So lala, noch viel Luft nach oben. Perspektive für ein gutes Foto: Hilfe, geht gar nicht. Spaß beim Wikingerschach: Auf jeden Fall! – Silke Latzel und ihr Mann Stephan gewinnen mit ihrem Team das erste Spiel. Und das, obwohl sie blutige Anfänger sind. Foto: J. Fielder

Von Silke Latzel

BACKNANG. Wie alle meine Kollegen, die sich für unsere „Mitgemacht“-Serie auf neue Pfade begeben haben, kann ich mir nicht wirklich erklären, wieso für mich Wikingerschach ausgesucht wurde. Mein Mann Stephan hat allerdings eine Idee: „Du bist ja jetzt nicht für deine Geduld bekannt, vielleicht liegt es ja daran?!“, mutmaßt er im Wissen um das Geschicklichkeitsspiel und meinen Charakter. Ich schnappe nach Luft, überlege mir, jetzt erst einmal beleidigt zu sein, muss dann aber nach ein paar Sekunden zugeben: Ja, ich mag es gerne, wenn Dinge funktionieren. Am besten sofort. Mich wurmt es, wenn ich mehrere Anläufe brauche, bis etwas klappt. Und: Mir fällt ein, dass ich gar nicht genau weiß, was Wikingerschach eigentlich ist. Ein Spiel, das man im Freien spielt. Mehr Infos habe ich nicht – und widerstehe auch dem Drang, das Internet zu konsultieren. Ich lasse mich einfach überraschen.

Kompliziert klingende Regeln,die aber eigentlich einfach sind

Mein Wikingerschach-Ansprechpartner Eberhard Maier-Soherr lädt mich ins Waldheim im Plattenwald ein. Meinen Mann nehme ich gleich mal mit, der soll mal sehen, wie viel Geduld ich haben kann, wenn ich muss – ha!

Das Wetter ist angenehm, besonders im Schatten der Bäume. Wir sind insgesamt zu sechst, können zwei Teams á drei Leute bilden. „Spielen kann man mit maximal zwölf Teilnehmern, sonst dauert es einfach zu lang, bis jeder drankommt, und das wird dann ziemlich zäh“, erklärt Maier-Soherr, während wir das Spiel aufbauen. Wikingerschach ist ein skandinavisches Gesellschaftsspiel und wird auch Kubb genannt – der Name leitet sich vom schwedischen Wort „kubbar“ ab, was übersetzt einfach nur „Holzklotz“ heißt. Und mit Holzklötzen sowie mit sogenannten Wurfhölzern oder -stäben wird auch gespielt.

Ziel ist es, zuerst die Kubbs der gegnerischen Mannschaft und am Schluss den König in der Mitte des Spielfelds umzuwerfen. Die jeweils fünf Kubbs werden auf gegenüberliegenden Seiten des Spielfelds in einer Reihe aufgestellt, immer im etwa selben Abstand zueinander. In der Mitte der Felds steht der König – auch ein Holzklotz, allerdings größer als die anderen und mit einer Krone.

Mit den abgerundeten Wurfstäben müssen wir nun versuchen, die Kubbs der Gegenspieler umzuwerfen. Die Mannschaft, der es gelingt, zuerst alle gegnerischen Kubbs umzuwerfen, darf sich an den König in der Mitte wagen – fällt dieser dann, ist das Spiel gewonnen. Klingt einfach, aber die Wurftechnik ist etwas ungewohnt. Der Stab muss an einem Ende gehalten und darf nur der Länge nach geworfen werden. Der Handrücken zeigt dabei nach vorne und der Stab wird von unten her geworfen. Den Stab in der Mitte greifen oder ihn horizontal werfen, ist nicht erlaubt.

09.08.2019 Silke Latzel beim Wikingerschach
00:48 min
"Mitgemacht" heißt die Serie, in der sich Redakteure durchs Kursangebot probieren.Silke Latzel versuchte beim Wikingerschach abzusahnen.

Stephan und ich spielen mit MaierSoherrs Frau Renate in einem Team, die gegnerische Mannschaft bilden Eberhard Maier-Soherr, Martin Fischer und Gisela Baumann – alles erfahrene Wikingerschach-Spieler, die schon oft zusammen gespielt haben. Mir tut Renate ein bisschen leid, weil sie gleich zwei blutige Anfänger an der Backe hat, aber es scheint ihr nichts auszumachen. „Einfach drauf loswerfen, das Spiel erklärt sich am besten und eigentlich ganz von selbst, wenn man es spielt“, ist ihr Rat. Also gut: Ich peile mit meinem Wurfstab einen der Kubbs auf der anderen Seite an, werfe und – treffe tatsächlich. Ob Glück oder Können, kann ich in diesem Moment erst einmal nicht beurteilen, aber ich freue mich.

Alle Kubbs, die wir treffen und die umfallen, bleiben liegen, bis wir mit sechs Stäben geworfen haben. Dann nimmt das gegnerische Team die umgefallen Kubbs und wirft sie in unsere Spielhälfte, wir stellen sie da auf, wo sie hingeworfen wurden. Unsere Gegner versuchen, die Blöcke möglichst dicht beieinander zu platzieren. Schaffen sie es, sie so zu werfen, dass sie sich berühren, werden die Klötze aufeinandergestellt.

Im zweiten Schritt müssen sie nun die geworfenen Kubbs mit den Wurfstäben treffen. Und erst wenn alle getroffen sind, dürfen sie versuchen, unsere an der Grundlinie stehenden Kubbs zu treffen. Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht. Aber es kann doch etwas frustrierend sein, wenn man mit den sechs Wurfstäben nicht einmal alle Feldkubbs abräumen und deshalb auch nicht die Kubbs auf der Grundlinie abwerfen darf – denn darum geht es ja eigentlich.

Eberhard Maier-Soherr und sein Team treffen nicht alle Feldkubbs – ein Vorteil für uns. Denn wir dürfen zum Werfen nun bis zu dem stehen gebliebenen Feldkubb, der am weitesten von unserer Grundlinie entfernt ist. Und das wiederum macht es uns sehr viel einfacher, die Kubbs an der Grundlinie des gegnerischen Teams zu treffen.

Entschleunigend und ein guter Ausgleich zum stressigen Alltag

Das Spiel ist spannend, mal liegen wir vorne, dann holen unsere Gegner auf und führen, der Sieg ist für sie schon zum Greifen nah. Und doch gewinnen wir plötzlich wieder die Oberhand. „Ich seh schon, da haben wir ja zwei Naturtalente“, sagt Maier-Soherr. Was ebenfalls zum Spiel gehört: Den Gegner ärgern und mit einem Augenzwinkern necken – „wikingermäßig halt“, so die erfahrenen Spieler. Einmal rutscht mir der Wurfstab irgendwie aus der Hand und fliegt in hohem Bogen weit über das Spielfeld hinaus – direkt auf unseren Fotografen Jörg Fiedler zu, der gerade noch ausweichen kann. „Da hat wohl jemand vergessen, rechtzeitig loszulassen“, wird gefeixt.

Wir spielen ungefähr 45 Minuten, da geht es dann plötzlich ganz schnell: Mein Team hat es geschafft, alle gegnerischen Kubbs umzuwerfen, nun steht nur noch der König. Zwei Wurfstäbe haben wir noch übrig. „Mach du mal, du hast eine ruhigere Hand als ich“, sage ich zu meinem Mann. Stimmt eigentlich nicht, aber ich will nicht diejenige sein, die den Wurf womöglich in den Sand setzt, jetzt wo wir nur noch Sekunden vom Sieg entfernt sind. „Oh oh, das ist jetzt schon echt mächtig Druck“, sagt Stephan lachend. Er zielt, holt aus, wirft – und trifft. Der König fällt zu Boden, wir jubeln und klatschen uns ab. Das erste Mal gespielt und schon gewonnen. Den leisen Verdacht, dass man es uns absichtlich einfach gemacht hat, werde ich zwar nicht los, aber das macht nichts – es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich fühle mich sehr entspannt und vor allem entschleunigt. Wikingerschach ist kein schnelles Spiel mit unglaublich viel Action, es gibt keinen Zeitdruck – und ist vielleicht deshalb genau richtig als Ausgleich zum stressigen Alltag. Weil es so schön war, spielen wir übrigens noch eine zweite Runde – die mein Team dann allerdings verliert. Egal, die Gaudi steht im Vordergrund. Und ich habe bewiesen, dass ich sehr wohl geduldig sein kann.

Wer das Spiel gerne selbst einmal ausprobieren möchte, darf einfach vorbeikommen und mitmachen. Die Wikingerschach-Spieler treffen sich jeden zweiten und vierten Samstag im Monat um 14 Uhr im Waldheim in Backnang. Auch Anfänger wie Stephan und ich sind willkommen.

Für die Serie „Mitgemacht“ testen Redakteure unserer Zeitungen verschiedene Kursangebote und berichten über ihre Erfahrungen.

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Erstellt:
10. August 2019, 11:30 Uhr

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