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Gesuchter von Oppenau wegen Volksverhetzung verurteilt

dpa/lsw Oppenau. Von dem flüchtigen und bewaffneten Mann aus Oppenau fehlt immer noch jede Spur. Weiterhin sind Hunderte Beamte im Einsatz. Seit mehr als vier Tagen ist der 31-Jährige bereits verschwunden. Unterdessen werden mehr Details aus der Vorgeschichte des Mannes bekannt.

Beamte der Bereitschaftspolizei stehen vor einer Mehrzweckhalle. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Beamte der Bereitschaftspolizei stehen vor einer Mehrzweckhalle. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Der gesuchte 31-Jährige von Oppenau im Schwarzwald ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Jugendlicher unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Er habe im Alter von 15 Jahren das Schild eines Jugendwerks durch Entfernen und Hinzufügen von Buchstaben so verändert, dass die Aufschrift die Worte „Juden weg“ enthielt, teilte die Staatsanwaltschaft Offenburg am Donnerstag mit.

Außerdem sei während des Aufenthalts in dem Jugendwerk eine rechtsradikale Gesinnung zum Ausdruck gekommen, unter anderem durch Verwendung von Hakenkreuzen und SS-Symbolen sowie judenfeindliche Äußerungen. Die Jugendstrafe von acht Monaten mit Bewährung wurde nach einer Phase ohne weitere Vorkommnisse erlassen. Später habe es keine weiteren Ermittlungsverfahren wegen politisch motivierter Straftaten mehr gegeben. Die „Stuttgarter Nachrichten“ hatten zuvor über die Verurteilung berichtet.

Der 31-Jährige hatte am Sonntag die Dienstwaffen von vier Polizisten bei einer Kontrolle in einer illegal von ihm genutzten Hütte geraubt. Er hatte die Beamten mit einer Schusswaffe bedroht und ist seitdem im Schwarzwald auf der Flucht. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten angegeben, dass sie von keinem rechtsextremen Hintergrund ausgehen.

Der Mann war 2010 wegen schwerer Körperverletzung zu einer dreieinhalbjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Er hatte mit einer Armbrust auf eine Bekannte geschossen.

Bei ihrer bisher erfolglosen Suche nach dem Mann setzt die Polizei jetzt auch auf die Hilfe von Überlebensexperten, Polizeipsychologen und ortskundigen Förstern. Insbesondere die Psychologen sollen sich in den 31-Jährigen hineinversetzen, um Anhaltspunkte zu seinem Verbleib zu bekommen, wie Polizeisprecher Yannik Hilger sagte. Der Gesuchte kennt sich nach Einschätzung der Einsatzkräfte gut in dem unwegsamen Gelände aus. Nach wie vor sind zwischen 200 und 300 Polizisten an der Suche beteiligt. Die Beamten kontrollierten am Donnerstag weiter das Gebiet.

Mehr als 270 Hinweise zu möglichen Aufenthaltsorten des Gesuchten aus Oppenau sind mittlerweile eingegangen - Höhlen, alte Bunkeranlagen und verlassene Gebäude wurden daraufhin durchsucht. In einer Behörde im benachbarten Offenburg kontrollierte die Polizei zudem einen Mann, der Ähnlichkeit mit dem Gesuchten haben soll. Weiterhin seien Präventionsteams in der Stadt unterwegs, um die Menschen zu beraten und Ängste abzubauen.

Das vermeintliche „Manifest“ des Mannes stammt nach Einschätzung der Polizei aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von dem 31-Jährigen. Es gebe viele Hinweise, dass der Text mit der Kritik an der Technisierung des Lebens und über das einfache Leben im Wald nicht von ihm geschrieben worden sei. Das Schreiben ist laut Hilger derzeit für die Ermittlungen ohne Bedeutung.

Nach SWR-Angaben soll ein Mann aus Nordrhein-Westfalen das sogenannte Waldläufer-Manifest 2005 verfasst haben. Dies habe er dem Sender erklärt, berichtete der SWR. Ein Bekannter, der das Schreiben gesehen habe, habe die Version bestätigt. Zuvor hatten „Baden Online“ und die „Bild“-Zeitung über das angebliche Manifest des Mannes berichtet.

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Erstellt:
16. Juli 2020, 17:25 Uhr

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