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Gewerkschaft kann Aus für Precobs-Software nachvollziehen

dpa/lsw Stuttgart. Eine Computersoftware soll Einbrüche vorhersagen, damit die Polizei schneller zugreifen und Täter dingfest machen kann. Während einige Länder bereits erfolgreich mit ähnlichen Programmen arbeiten, müssen Baden-Württembergs Polizisten darauf verzichten.

Ein fiktiver Einbrecher blickt in ein Haus. Foto: Daniel Maurer/Archiv

Ein fiktiver Einbrecher blickt in ein Haus. Foto: Daniel Maurer/Archiv

Das Aus für die getestete Einbruchprognose-Software Precobs ist nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein nachvollziehbarer Schritt. „Die beste Waffe gegen Einbrecher ist nicht etwa ein Computerprogramm, sondern der intensive Einsatz von Polizisten“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Hans-Jürgen Kirstein am Mittwoch in Stuttgart. Die Einbruchszahlen seien zwischenzeitlich auch nicht wegen der Software, sondern wegen der intensiven Kontrollen zurückgegangen. Auch habe er von den Beamten keine zufriedenstellende Rückmeldung zur eingesetzten Software erhalten, sagte Kirstein.

Zuvor hatte Innenminister Thomas Strobl (CDU) das Aus für Precobs angekündigt. Man werde das Projekt in der bisherigen Form nicht weiterverfolgen, sagte er. Zwar sei die Software grundsätzlich geeignet, um Straftaten zu verhindern oder aufzuklären. Es habe aber keine ausreichend hohen Fallzahlen für automatisierte Prognosen gegeben. Das Innenministerium will nun zunächst Abstand nehmen vom Einsatz einer Vorhersagesoftware. „Wir wollen nach den Erfahrungen die Elemente aus der Software aufgreifen, von denen wir uns den größten Nutzen versprechen“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Dazu gehörten Statistiktools ebenso wie eine Technik zur Geovisualisierung, also zur Analyse von Karten.

Das Test-Ende für den Computer-Kommissar und das sogenannte Predictive Policing (vorausschauende Polizeiarbeit) hatte sich schon abgezeichnet. Der Nutzen von „Precobs“ - eine englische Abkürzung für Kriminalitäts-Vorhersagesystem („pre crime observation system“) - liege nicht wie erhofft in der Prognoseleistung, sondern in der strukturierten Analyse und statistischen Datenaufbereitung, hatte das Innenministerium im Juli verlauten lassen.

„Precobs“, entwickelt vom Institut für musterbasierte Prognosetechnik in Oberhausen, wird mit Daten gefüttert, die von vorangegangenen Einbrüchen stammen: der Tageszeit des Einbruchs zum Beispiel, der Art der Beute, dem Vorgehen der Täter oder dem Tatort. Denn professionelle Täter haben ihre Vorlieben: Sie wollen schnell drin und schnell wieder weg sein, sie wägen Risiken und Nutzen ab - und wenn ein Tatort gut erscheint, kommen sie oft innerhalb weniger Tage wieder. Nur diese Einbrüche können mit Hilfe von Precobs vorhergesagt werden. Beziehungs- oder Gelegenheitstaten sowie Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen fallen durch das Raster.

Bereits vor zwei Jahren war eine Studie des Freiburger Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht nach einer ersten Testphase zu einem für die Hersteller enttäuschenden Schluss gekommen. In ländlichen Gebieten, in denen Wohnungseinbrüche seltener als in Großstädten vorkämen, lohne sich der Einsatz nicht, hieß es in der Untersuchung. Die Software sei zwar nicht nutzlos. Sie sei aber kein Werkzeug, mit dem die Fallzahlen per Mausklick reduziert werden könnten.

Deshalb zeigten sich die Grünen auch zufrieden mit der Entscheidung des Innenministers: „Das Aus für Precobs ist eine gute Nachricht für Baden-Württemberg“, sagte die polizeipolitische Sprecherin Petra Häffner. Die Kriminalitätsbelastung habe den niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren erreicht. Die länderübergreifende Zusammenarbeit gegen organisierte Banden zahle sich aus. Zudem hätten Polizisten durch die Software gelernt, ein Lagebild leichter zu entschlüsseln und Zusammenhänge von Tatort, Tatzeit und Straftat besser zu verstehen. „Diese positiven Erfahrungen will das Innenministerium in technische Weiterentwicklungen einfließen lassen“, sagte Häffner.

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Erstellt:
4. September 2019, 17:10 Uhr

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