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Glasfaser für mehr als 200 Firmen

Im Gewerbegebiet Backnang-Süd und an der Sulzbacher Straße werden rund zehn Kilometer Kabel für schnelles Internet verlegt

Im Frühjahr hat die Stadt Backnang eine Umfrage bei den Firmen zum Thema Internetbandbreite durchgeführt. Das Ergebnis: Rund ein Viertel der Befragten war mit der Geschwindigkeit bei der Datenübertragung unzufrieden. Im Gewerbegebiet Süd und an der Sulzbacher Straße sollten diese Klagen bald verstummen: Dort werden zurzeit flächendeckend Glasfaserkabel verlegt.

Mit dem Horizontalbohrer werden Glasfaserkabel verlegt, ohne dass die ganze Straße aufgerissen werden muss. Stefan Klieser (Deutsche Glasfaser), der städtische Wirtschaftsbeauftragte Reiner Gauger und Projektleiter Stefan Zipp (von links) sind mit dem Fortschritt der Bauarbeiten zufrieden. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Mit dem Horizontalbohrer werden Glasfaserkabel verlegt, ohne dass die ganze Straße aufgerissen werden muss. Stefan Klieser (Deutsche Glasfaser), der städtische Wirtschaftsbeauftragte Reiner Gauger und Projektleiter Stefan Zipp (von links) sind mit dem Fortschritt der Bauarbeiten zufrieden. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Das Loch im Boden ist nicht mal einen Quadratmeter groß, ein zweites befindet sich an der nächsten Straßenecke. Die 150 Meter dazwischen überwindet ein Horizontalbohrer: Zentimeter für Zentimeter frisst sich der Bohrkopf in bis zu zwei Meter Tiefe durch das Erdreich, um etwa eine Viertelstunde später exakt an der geplanten Stelle wieder ans Tageslicht zu kommen. Jetzt müssen nur noch die Leitungen durch das Bohrloch gezogen werden, und schon ist ein weiterer Straßenabschnitt im Gewerbegebiet Backnang-Süd an das Glasfasernetz angeschlossen.

Insgesamt sind es rund zehn Kilometer Kabel, die die Deutsche Glasfaser seit Juli in Backnang verlegt. An rund 100 Stellen muss dafür gegraben werden. Nicht immer geht das mit dieser minimalinvasiven Technik. „Leider ist nicht überall dokumentiert, wo die Abwasserleitungen liegen“, sagt Frank Zimmermann von der ausführenden Baufirma. Dann gibt es nur eine Möglichkeit: aufgraben und nachschauen. Inzwischen sind die Arbeiten aber weit fortgeschritten: Im Gebiet Sulzbacher Straße/Gaildorfer Straße sind bereits alle Kabel verlegt, im Gewerbegebiet Süd soll es bis Mitte Oktober so weit sein. Dann werden insgesamt 211 Firmen Zugang zu einem superschnellen Internetzugang mit bis zu einem Gigabit (1000 Megabit) pro Sekunde haben. Da die Glasfaserleitungen bis in jedes Haus gelegt werden (Fibre to the home), soll den Kunden immer die volle Bandbreite zur Verfügung stehen.

Verantwortlich für den Ausbau ist die Deutsche Glasfaser (siehe Infobox) in Kooperation mit Vodafone. „Wir verlegen die passive Infrastruktur und vermieten diese dann an Vodafone“, erklärt Stefan Klieser von der Deutschen Glasfaser. Rund 2,5 Millionen Euro investiert die Firma aus Borken in Backnang. Öffentliche Zuschüsse erhält sie nicht, denn in Gewerbegebieten ist der Ausbau für private Anbieter durchaus lukrativ. Vodafone verlangt von den Kunden für einen Glasfaseranschluss je nach Firmengröße und gewünschter Bandbreite zwischen 299 und 1299 Euro pro Monat.

Weiße Flecken im Außenbereich sollen verschwinden

Das Interesse sei groß, berichtet der städtische Wirtschaftsbeauftragte Reiner Gauger: Rund 100 Unternehmen hätten bereits Verträge unterschrieben. „Für die Firmen bedeutet das eine dramatische Verbesserung“, weiß Gauger. Mit dem Anschluss an das Glasfasernetz hätten sie nicht nur heute eine schnelle Verbindung, sondern seien auch für die Zukunft bestens gerüstet. Denn mit der neuen Technologie könne die Bandbreite je nach Bedarf quasi beliebig erhöht werden. Auch Firmen, die sich neu in den Gewerbegebieten ansiedeln oder erst später auf den Glasfaserzug aufspringen wollen, steht der schnelle Internetzugang zur Verfügung. Da die Kabel flächendeckend verlegt wurden, ist ein Anschluss auch später jederzeit möglich.

Eine der Firmen, die von dem Ausbau profitieren, ist die Kreafaktur Reklamefabrik in der Sulzbacher Straße. Das Werbetechnik-Unternehmen bekommt und verschickt regelmäßig CAD-Pläne übers Internet, was mit dem bisherigen 100-Megabit-Anschluss nicht besonders komfortabel war. „Da wartet man schon mal zehn Minuten, bis die Daten heruntergeladen sind“, erzählt Geschäftsführer Tobias Grabmeier. Noch schwieriger sei es gewesen, wenn Mitarbeiter von zu Hause auf die Daten zugreifen wollten. Homeoffice sei mit der bisherigen Bandbreite kaum möglich gewesen. Das wird nun anders: „Ich freue mich sehr auf die schnelle Verbindung“, sagt Grabmeier.

Nachdem auch die Lerchenäcker bereits ans Glasfasernetz angeschlossen sind, ist die digitale Infrastruktur in den Backnanger Gewerbegebieten nun fast überall auf dem neuesten Stand. Anders sieht es allerdings in den Außenbereichen aus, etwa in den Schöntalen. Auch dort gibt es Gewerbetreibende, für private Anbieter lohnt sich ein Netzausbau aber nicht. Deshalb muss die Stadt in die Bresche springen. „Wir werden für diese weißen Flecken in Kürze einen Förderantrag stellen“, kündigt Gauger an. Wird er bewilligt, übernehmen Bund und Land 90 Prozent der Ausbaukosten. Spätestens im kommenden Jahr sollen dann auch diese unterversorgten Gebiete schnelles Internet bekommen. Wobei sich die Definition von „schnell“ in den kommenden Jahren noch deutlich nach oben verschieben dürfte. Für Reiner Gauger ist deshalb klar: „Das Thema wird uns noch viele Jahre beschäftigen.“

Info
Deutsche Glasfaser

Die Deutsche Glasfaser wurde 2011 von einem niederländischen Investor gegründet und hat ihren Sitz im nordrhein-westfälischen Borken. Seit 2015 gehört das Unternehmen mehrheitlich dem USInvestor KKR.

Das Unternehmen engagiert sich bundesweit beim privatwirtschaftlichen Netzausbau, insbesondere in ländlichen Gebieten. Nach eigenen Angaben stehen dafür rund 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung.

Der Glasfaserausbau in Backnang sei für sein Unternehmen ein eher kleines Projekt, erklärt Verkaufsleiter Stefan Klieser: „In Nordrhein-Westfalen schließen wir ganze Landkreise an.“

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Erstellt:
6. September 2019, 06:00 Uhr

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