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Glücklich trotz Krankheit

Die Naturfreunde haben erneut Kinder und Jugendliche aus Weißrussland zu einem Erholungsaufenthalt eingeladen

Krebs oder eine Herzerkrankung – für viele Menschen ein unvorstellbarer Albtraum, für einen Teil der osteuropäischen Gäste bittere Realität. Ihre Lebensfreude lassen sich die Betroffenen dadurch aber nicht nehmen.

Zumindest ausrüstungstechnisch sind die Kinder und Jugendlichen auf einen Einsatz bestens vorbereitet.

© Jörg Fiedler

Zumindest ausrüstungstechnisch sind die Kinder und Jugendlichen auf einen Einsatz bestens vorbereitet.

Von Philip Kearney

BACKNANG. Für ein paar Stunden ein Feuerwehrmann sein: Für viele Kinder und Jugendliche aus Weißrussland ging dieser Kindheitswunsch jetzt in Erfüllung. Im Rahmen des 26. Erholungsaufenthalts der Naturfreunde waren wieder 20 Weißrussen im Alter von 9 bis 14 Jahren bei der Backnanger Feuerwehr zu Gast. Nachdem die meisten Kinder spätestens durch den Besuch des Stadtturms ihre Höhenangst abgelegt hatten, ging es für die Kinder und Jugendlichen mit der Drehleiter erneut hoch hinaus. Anschließend konnten die Osteuropäer ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, indem sie einen Tennisball mit einem Wasserschlauch von einem Verkehrskegel spritzten. Stolz schlüpften die Gäste danach in die Feuerwehrausrüstung, um Bilder zu machen.

Zur guten Laune trug neben dem Programm und Wetter auch der vorherige Besuch bei der Eisdiele bei. „Eis ist das Beste“, verrät die langjährige Betreuerin und Organisatorin Anita Krauter. Generell seien die Kinder und Jugendlichen trotz gesundheitlicher Probleme äußerst lebensfroh und aktiv. Im Naturfreundehaus Sechselberg, der Bleibe der Gäste, werde beispielsweise viel gesungen und getanzt. Auch Völkerball und Tischtennis stehen als Freizeitaktivitäten hoch im Kurs. Am besten gefällt den Gästen jedoch das Schwimmbad, vor allem das in Oppenweiler. Denn mit dem dortigen russischen Bademeister können sich die Weißrussen unterhalten.

Zu den lebensfrohen osteuropäischen Gästen zählt auch Tsimafei. Der Junge verwendet ein Übersetzungsprogramm, um mit seinen Freunden aus Frankfurt und Berlin zu schreiben. Trotz seines noch jungen Alters träumt Tsimafei bereits davon, später einmal in Deutschland zu studieren.

Begleitet werden die Kinder und Jugendlichen von vier einheimischen Betreuern, darunter zwei Lehrer und ein Arzt. Der Sportlehrer und die Deutschlehrerin fungieren vor allem als Dolmetscher. Der Arzt kümmert sich rund um die Uhr um das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen. Ohne seine Präsenz wäre der Aufenthalt nicht möglich, denn aufgrund ihres gesundheitlichen Zustands dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht ohne Arzt ausreisen.

Beinahe täglich untersucht er diese. Schließlich wurden viele Kinder erst in diesem Jahr operiert oder leiden noch immer an einer schwerwiegenden Krankheit. Herzerkrankungen oder Krebs sind bei den Gästen nicht unüblich. Auslöser für die Krankheiten ist in vielen Fällen der Super-GAU von Tschernobyl. Noch heute sind die Felder und damit auch das Essen in Weißrussland stark verstrahlt.

Zur Freude aller Beteiligten zeigt sich immer wieder, dass sich die Gesundheit vieler Kinder und Jugendlicher durch den Erholungsaufenthalt tatsächlich nachhaltig verbessert hat. Untersuchungen vor und nach der Reise belegen dies.

Ausgewählt werden die Gäste von der Stiftung „Kinder von Tschernobyl“. Diese lädt zunächst Ärzte ein, die die Kinder auf die von ihnen angegebenen Krankheiten untersuchen. Schließlich sollen nur Kinder die Reise antreten, die die Erholung auch dringend nötig haben.

Finanziert wird der dreiwöchige Aufenthalt, der insgesamt 15000 Euro kostet, durch Spenden und Sponsoren. Ohne ehrenamtliche Helfer wäre diese Summe noch mal deutlich höher. Damit keine Einsparungen beim Programm gemacht werden müssen, reisen die Weißrussen mit einem Bus statt mit einem Flugzeug an. Dadurch sind sie rund zweieinhalb Tage unterwegs.

Nach dem Besuch des Stadtturms ging es für die Weißrussen erneut hoch hinaus. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Nach dem Besuch des Stadtturms ging es für die Weißrussen erneut hoch hinaus. Fotos: J. Fiedler

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Erstellt:
14. August 2019, 06:00 Uhr

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