Glühwein im Regen

Wetter schreckt Weihnachtsmarktbesucher in der Region nicht ab – In Althütte wird sogar das Büro des Bürgermeisters zum Verkaufsstand

Nein, perfektes Glühweinwetter war das nicht: Es regnete immer wieder und eigentlich war es auch zu warm für heißen Punsch und Feuerzangenbowle. Trotzdem war auf den Weihnachtsmärkten in der Region am Wochenende richtig was los. Und obwohl es natürlich überall Glühwein und Rote Wurst gab, hat jeder Markt seinen ganz eigenen Reiz. Unsere Redaktion hat sich in sieben Orten auf die Suche nach dem Besonderen gemacht.

Weihnachtliche Dekoration und Kunsthandwerk waren auf dem Weihnachtsmarkt in Großaspach gefragt.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Weihnachtliche Dekoration und Kunsthandwerk waren auf dem Weihnachtsmarkt in Großaspach gefragt.Foto: J. Fiedler

Allmersbach im Tal

Dass ihr Weihnachtsmarkt eher klein und übersichtlich ist, stört die Besucher in Allmersbach im Tal kein bisschen: „Wenn’s größer wäre, würden zu viele Auswärtige kommen“, sagt Klaus Hilkert. So ist der Weihnachtsmarkt rund ums Rathaus vor allem ein Treff für die Allmersbacher: „Man sieht hier viele Gesichter, die man schon lange nicht mehr gesehen hat“, sagt Hilkert. An den Ständen bieten die örtlichen Vereine und Organisationen vor allem Gaumenfreuden an. Etwas Besonderes hat sich die Kita im Wiesental einfallen lassen: An ihrem Stand gibt es „Dinnete“. „Das ist schwäbische Pizza“, erklärt Elternbeirat Thomas Ziegler. Die Idee hat Ziegler vom mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Esslingen mitgebracht, und der gelernte Bäcker hat auch seinen privaten Pizzaofen zur Verfügung gestellt, in dem die Fladen mit süßem oder herzhaftem Belag schön knusprig werden. Bei den Besuchern kommt die Alternative zur Roten Wurst sehr gut an: „Wir kommen kaum hinterher“, erzählt Ziegler. Selbstgebackenes gibt es auch nebenan am Stand von Sandra und Thomas Häußer aus Heiningen. Früher haben beide in einer Bäckerei gearbeitet, heute ist das Backen für die beiden nur noch ein Hobby, das in der Weihnachtszeit allerdings viel Zeit beansprucht: „Wir backen zurzeit jeden Tag“, erzählt Sandra Häußer. In Allmersbach verkaufen die beiden acht Sorten Gutsle, Schnitzbrot und leckeren Christstollen. (kf)

Althütte

Das Wetter ist beim adventlichen Hobbykünstlermarkt in Althütte kein Thema, denn die Ausstellung findet größtenteils im Rathaus statt. Jeder Winkel dient als Ausstellungsfläche – sogar das Büro von Bürgermeister Reinhold Sczuka. Dort verkauft Rolf Hüttner seine selbst geschnitzten Weihnachtspyramiden und Schwibbögen. „Weihnachtspyramiden haben mich schon als Kind fasziniert“, erzählt der 68-Jährige, der ursprünglich aus dem Vogtland stammt und 20 Jahre im Erzgebirge gelebt hat. Im Sitzungssaal, wo sonst der Gemeinderat tagt, kann man Schmuck, Holzspielzeug und Puppen kaufen. Gisela Falk verkauft hier ihre Scherenschnitte: Mit einer Hautschere schneidet die Frau des Pfarrers filigranste Bilder aus schwarzem Papier und klebt sie auf Karten. Den Erlös aus dem Verkauf spendet sie an die Backnanger Diakoniestation. Eine Zeitreise erwartet die Besucher nebenan in der früheren Arztpraxis: Hier hat Sybille Engel in mehrwöchiger Arbeit ein Wohnzimmer wie zu Omas Zeiten eingerichtet, inklusive Schaukelpferd, Puppenstube und geschmücktem Christbaum. Der 2016 gegründete Heimatkulturverein möchte in den Räumen ein kleines Heimatmuseum einrichten, die historische „Weihnachtsstube“ sollte den Besuchern des Weihnachtsmarkts schon jetzt einen ersten Vorgeschmack darauf geben, erklärte Sven Semet vom Heimatkulturverein. (kf)

Aspach

Der Regen ausgerechnet kurz nach der Eröffnung des Aspacher Weihnachtsmarkts war nur ein kleiner Wermutstropfen für die Veranstalter, die Besucher ließen sich davon den Spaß nicht verderben und genossen vielmehr, dass das Gedränge dieses Jahr nicht so groß war. Das Wetter trug vielleicht sogar dazu bei, dass die Vorlesestunde von Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff bei den Kindern prächtig ankam. Im Lesestübchen der Logopädiepraxis von Manuela Gassmann-Habele lauschten die Kleinen in kuscheliger Atmosphäre der Weihnachtsgeschichte im Wichtelwald und der Geschichte von der kleinen Eule. Die Standprämierung stand unterm Motto Kreativität. Auf dem dritten Platz landete die Brennerei Schick aus Völkleshofen, die einen Aspacher Whisky im Angebot hatte. Beim Stand Deko-Geschenke gab es ein „Wäldchen im Glas“ zu kaufen. Den ersten Platz räumte Kathrin Kachler von Kreativ mit Kathrin aus Weissach ab. Sie hatte Wellnesspakete für Männer und Frauen im Sortiment. Für die Veranstalter bedeutete das Motto Kreativität auch, mehr handwerkliche Anbieter gewinnen zu können. Unter den 40 Ständen war so erstmals der von Rudi Übele aus Sinzenburg mit weihnachtlichen Holzarbeiten. Seit 20 Jahren immer auf dem Markt: Wengerter Jürgen Gruber. Er glaubt, dass es das erste Mal ist, dass er Pech mit dem Wettergott hat. Trotz des Regengusses zeigte er sich zufrieden mit dem Zuspruch. Ebenso wie Madlen Strehnisch, die Juniorchefin der Röhracher Schneckenzucht, die seit etwa fünf Jahren den Aspacher Markt mit ihrem Angebot bereichert. Sie hat es auch etwas einfacher, denn zwischen all den roten Würsten und dem Glühwein hat sie mit den vielfältigen Gerichten rund um die Weinbergschnecken ein Alleinstellungsmerkmal. Auch das Rahmenprogramm sorgte wieder für weihnachtliche Stimmung. Erst bei der Eröffnung mit dem Gesang der Kinder des Kindergartens Ulrichstraße, später durch das Spiel des Posaunenchors und des Musikvereins Großaspach. Bei den Kleinen kamen das Ponyreiten, der Nikolaus oder das Kinderkarussell bestens an. Vor dem Regen völlig sicher waren die Besucher der Kunstausstellung von Ingrid Dürr und Ayman Mohamad Ali im Rathaus, das dafür eigens bis 20 Uhr geöffnet hatte. Ein Tipp für alle, die es im Trubel des Markts nicht so weit geschafft haben: Die Ausstellung ist noch bis 10. Januar geöffnet. (not)

Auenwald

Die Mistel ist bei den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins Oberbrüden eigentlich unbeliebt: „Sie ist ein Schädling und zerstört die Bäume“, erklärt Vorstandsmitglied Andreas Heller. Auf dem Auenwalder Weihnachtsmarkt kamen die Misteln, die die Mitglieder regelmäßig aus ihren Bäumen entfernen, aber noch zu Ehren. Denn ein Mistelzweig über der Haustür soll in der Weihnachtszeit Glück bringen, ein Kuss darunter verheißt ewige Liebe. In Unterbrüden glaubten viele Weihnachtsmarktbesucher an die magische Wirkung und kauften Misteln. Sollte es mit der ewigen Liebe nichts werden, diente der Kauf trotzdem einem guten Zweck: Den kompletten Erlös spendet der OGV nämlich ans Backnanger Hospiz. Wer am Samstag bei regnerischem Wetter kalte Füße bekam, der war am Stand von Claudia Hornek richtig: Schon seit 30 Jahren verkauft sie auf dem Weihnachtsmarkt ihre handgestrickten Socken. Und nicht nur das: Auch Handschuhe, Einkaufsbeutel, Teddybären und Einhörner strickt die fleißige Auenwalderin. Aufwärmen konnte man sich in der Ratsscheuer, wo Jürgen Seez seine farbenfrohen Spray-Paint-Bilder ausstellte. Zum Weihnachtsmarkt war der aus Auenwald stammende Hobbykünstler auch selbst vor Ort und verriet, dass er auf Wunsch von Bürgermeister Karl Ostfalk extra noch ein Bild mit dem Titel „Mein Ebersberg“ gemalt hat. (kf)

Großhöchberg

Nicht einmal hundert Einwohner hat Großhöchberg, doch wenn alle zwei Jahre Weihnachtsmarkt ist, dann herrscht in dem Spiegelberger Teilort Ausnahmezustand. Die Parkplätze sind überfüllt, und die Buchstabenkombinationen HN, LB oder SHA auf den Kennzeichen verraten, dass auch viele Besucher von weiter weg nach Großhöchberg pilgern. Sogar ein Fernsehteam des SWR schaute in diesem Jahr vorbei: Der Bericht ist heute ab 18.45 Uhr in der Landesschau zu sehen. Aber was macht den besonderen Reiz dieses kleinen Weihnachtsmarkts aus? „Es ist total idyllisch hier und nicht so kommerzialisiert wie auf anderen Märkten“, sagt Markus Stefan, der mit seiner Frau Evi und Freunden aus Unterriexingen bei Bietigheim angereist ist. „Da kommt einfach mehr Weihnachtsstimmung auf“, findet Stefan. Eine Besonderheit in Großhöchberg ist, dass viele Dorfbewohner ihre privaten Garagen, Keller und Scheunen zu Weihnachtsmarktständen umfunktioniert haben. Im ehemaligen Kuhstall von Karl-Heinz Fleischmann können sich die Besucher zum Beispiel eine deftige Räuberpfanne schmecken lassen, Strohballen dienen als Sitzgelegenheit. Sibylle Schmidgall hat ihre Garage ausgeräumt und serviert dort selbst gebackenes Bauernbrot mit verschiedenen Aufstrichen. Zusammen mit anderen Frauen aus dem Ort hat sie dafür seit Freitag im Akkord im örtlichen Backhäusle gebacken. „Wir haben insgesamt 216 Kilo Mehl verbraucht“, erzählt ihre Freundin Barbara Baumann. (kf)

Murrhardt

Nicht groß, aber dafür entspannt und urgemütlich ist der Murrhardter Weihnachtsmarkt: Im Kinderkarussell drehen aufgeregt strahlende Dreikäsehochs ihre Runden, die Erwachsenen umlagern entspannt plaudernd Glühwein- und Waffelstände – man kennt sich und wenn nicht, dann kann man das jetzt zwanglos ändern. An dem Stand, der Holzarbeiten und anderes aus dem Beschäftigungsprogramm des Eulenhöfles verkauft, lädt Beate Rosenberger ein paar Jugendliche gleich mal zum Sozialpraktikum im nächsten Schuljahr ein, bei den Royal Rangers kann man Kerzen ziehen und kriegt auch mal eine Waffel geschenkt, die Mädels vom Heinrich-von-Zügel-Gymnasium preisen selbst gebackene Plätzchen an und ihre Backmischungen, die es, ganz auf der Höhe der Zeit, alle auch glutenfrei gibt. Am Rathaus, das mit seinen exakt 24 Fenstern aussieht wie ein überdimensionaler Schokoadventskalender, sammelt sich derweil die Stadtkapelle zum Platzkonzert. Und die Musiker spielen die alten und neuen Weihnachtsklassiker so schwungvoll, dass die kleinen Kinder anfangen zu tanzen und die Erwachsenen, die die Texte noch kennen, versehentlich mitsingen. (res)

Oppenweiler

Klein und überschaubar, aber dafür mit Schlosskulisse präsentierte sich der Weihnachtsmarkt im Schlosshof. Auch in Oppenweiler haderte man mit dem Regen, bei allerdings nicht zu kalten Temperaturen. Für die Kleinen hatte die Murrtalschule eine Wurfbude und ein Glücksrad aufgebaut, die Klasse 3a organisierte eine Weihnachtstombola. Neben örtlichen Vereinen wie DRK und HCOB waren auch der Förderverein der Murrtalschule, der Kirchbauförderverein Jakobuskirche, der Hauskreis Oppenweiler und der Jugendtreff vertreten. Weitere Aussteller glänzten mit einer breiten Auswahl an handgemachtem Schmuck, Schals und Tüchern, Kosmetikartikeln, Keramik, Teelichthaltern, Holz und Mosaik sowie Wärmekissen, Pumphosen, Puppenkleidern und Duftsäckchen. Zudem konnte man Misteln und selbst gemachte Marmelade kaufen. Natürlich musste auch niemand hungrig und durstig bleiben: Neben Glühwein und Kinderpunsch, Tee, heißer Schokolade, Bier und feinen Spirituosen wurden Maultaschen in verschiedenen Varianten, Popcorn, Waffeln, Currywurst, Rote Wurst und sogar Jakobsmuscheln angeboten. (jf)

Weihnachtsmärkte im Kreis 2019

In Allmersbach, Althütte, Aspach, Auenwald, Großhöchberg, Murrhardt und Oppenweiler zog es die Menschen am vergangenen Wochenende trotz Regenwetter auf die Weihnachtsmärkte. Weihnachten ist ja schließlich nur einmal im Jahr.

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Weihnachtsmarkt Allmersbach im Tal
Weihnachtsmarkt Allmersbach im Tal

© Tobias Sellmaier

Weihnachtsmarkt Allmersbach im Tal
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© Tobias Sellmaier

Weihnachtsmarkt Allmersbach im Tal
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© Tobias Sellmaier

Weihnachtsmarkt Althütte
Weihnachtsmarkt Althütte

© Tobias Sellmaier

Weihnachtsmarkt Althütte
Weihnachtsmarkt Althütte

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Weihnachtsmarkt Auenwald
Weihnachtsmarkt Auenwald

© Tobias Sellmaier

Weihnachtsmarkt Auenwald
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Weihnachtsmarkt Aspach
Weihnachtsmarkt Aspach

© Jörg Fiedler

Weihnachtsmarkt Aspach
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Weihnachtsmarkt Aspach
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Weihnachtsmarkt Aspach
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Weihnachtsmarkt Großhöchberg
Weihnachtsmarkt Großhöchberg

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Weihnachtsmarkt Großhöchberg
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Weihnachtsmarkt Großhöchberg
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Weihnachtsmarkt Großhöchberg
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Weihnachtsmarkt Großhöchberg
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Weihnachtsmarkt Aspach
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Weihnachtsmarkt Murrhardt
Weihnachtsmarkt Murrhardt

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Weihnachtsmarkt Murrhardt
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Weihnachtsmarkt Murrhardt
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Weihnachtsmarkt Murrhardt
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Weihnachtsmarkt Oppenweiler
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Weihnachtsmarkt Oppenweiler
Weihnachtsmarkt Oppenweiler

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Weihnachtsmarkt Oppenweiler
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Erstellt:
9. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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