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Go-Ahead will größte Probleme bis zum Herbst lösen

dpa/lsw Stuttgart. Seit vier Wochen sind zwei neue private Bahnunternehmen im Nahverkehr unterwegs - und vor allem bei Go-Ahead ruckelt es gewaltig. Der Chef erklärt, woran es lag und wie lange es noch dauert.

Ein Zug des Typs FLIRT des Zugbetreibers Go-Ahead steht am Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Fabian Sommer/Archivbild

Ein Zug des Typs FLIRT des Zugbetreibers Go-Ahead steht am Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Fabian Sommer/Archivbild

Nach den massiven Startschwierigkeiten auf den Schienen im Südwesten geht das Bahnunternehmen Go-Ahead davon aus, die gröbsten Probleme in den kommenden Wochen endgültig lösen zu können - aber nicht alle. „Das meiste werden wir bis Ende des Sommers bereinigt haben“, sagte Geschäftsleiter Hans-Peter Sienknecht der Deutschen Presse-Agentur. Manches brauche jedoch auch noch mehr Zeit. „Einzelne Punkte, man mag das gar nicht sagen, werden sich eventuell bis in den Oktober hinziehen, bis sie endgültig abgearbeitet sind - zumindest was die Fehlerbereinigung im Zusammenhang mit sicherheitsrelevanten Themen angeht“, erklärte Sienknecht.

Ein Beispiel dafür seien die Türen, deren Steuerungssoftware angepasst und dann nochmal neu vom Eisenbahnbundesamt geprüft und freigegeben werden müsse. Bei den neuen Go-Ahead-Zügen hatten die sogenannten Schiebetritte, die den Einstieg erleichtern sollen, beim Ausfahren nicht richtig funktioniert. Dadurch blockierten dann erst die Türen und dann jeweils der ganze Zug. Vorerst werden die Schiebetritte daher bis auf wenige Ausnahmen gar nicht ausgefahren.

Go-Ahead und der zweite private Anbieter Abellio hatten den Betrieb auf den Nahverkehrsstrecken des sogenannten Stuttgarter Netzes vor genau vier Wochen übernommen. Auch bei Abellio lief der Start nicht ganz ohne Schwierigkeiten, vor allem weil die bestellten Züge nicht rechtzeitig geliefert wurden und das Unternehmen deshalb immer noch mit geliehenen Fahrzeugen arbeitet.

Bei Go-Ahead sind die Probleme aber deutlich größer. Nach Angaben von Sienknecht gab es auch Schwierigkeiten mit dem Leitsystem, mit den Bremsen und der Leistung der Züge insgesamt. Auch beim Fahrkartenverkauf haperte es. Vor allem in den ersten Tagen hatten Fahrgäste mit massiven Ausfällen und Verspätungen zu kämpfen.

Vieles davon hätte nicht sein müssen, wenn die Züge nicht erst kurz vor knapp geliefert worden wären, betonte Sienknecht. „Wir hatten ursprünglich mal unterstellt, dass wir mit mindestens drei Monaten Vorlauf einen Probebetrieb durchführen können“, sagte er. Letztlich seien dann aber nur noch einige wenige Fahrten möglich gewesen - und die nicht unter Realbedingungen. Zudem hätten auch die Mitarbeiter, zum großen Teil Quereinsteiger, erst lernen müssen, mit den geballt auftretenden Problemen umzugehen. „Es ist einfach das Zusammenspiel: Auf der einen Seite fehleranfällige Fahrzeuge, auf der anderen Seite die Unerfahrenheit“, sagte Sienknecht.

Man werde inzwischen aber von Tag zu Tag besser, auch dank des großen Einsatzes der Mitarbeiter. Bei Verspätungen bis zu drei Minuten liege die Quote inzwischen bei 70 Prozent. Ziel bleibe, über 90 Prozent zu kommen, aber das sei angesichts der hoch belasteten Infrastruktur generell nicht ganz ohne. „Auch wenn sich das nach außen anders darstellt: Für rund die Hälfte der Fälle können wir nicht einmal was“, sagte Sienknecht und verwies auf Böschungsbrände, Stellwerks- und Oberleitungsstörungen und überholende Fernverkehrszüge.

Das Verkehrsministerium zeigte sich auf Anfrage „noch nicht zufrieden“, aber durchaus verständnisvoll. Beide neuen Betreiber müssten auch erst einmal Erfahrungen sammeln. Speziell zu Go-Ahead gefragt, hieß es, das Unternehmen bemühe sich alles in allem sehr darum, schnell einen stabilen Betrieb sicherzustellen. Aber auch: „Die Anstrengungen dürfen hier nicht nachlassen.“

Trotz allem dürfte der verpatzte Start Go-Ahead wohl teuer zu stehen kommen. Es gebe einen Verkehrsvertrag, und darin sei ganz genau definiert, welche Strafen bei Unpünktlichkeit oder Ausfall von Zügen drohten, erklärte Sienknecht. „Das ist schon schmerzhaft“, sagte er.

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Erstellt:
7. Juli 2019, 09:50 Uhr

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