Golden schimmert das Morgenland

Rolf Hirsch aus Backnang baut orientalische Krippen. Aus Styrodur, Spanplatten, Moltofill, Metallicgold zum Aufsprühen und mehr schafft der ehemalige Schaufensterdekorateur detailreiche Schauplätze für die Weihnachtsgeschichte.

Rolf Hirsch verbringt viel Zeit damit, detailreiche orientalische Krippenkulissen zu erstellen. Er hat immer ein offenes Auge, wenn es darum geht, Ideen oder Material zu sammeln. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Rolf Hirsch verbringt viel Zeit damit, detailreiche orientalische Krippenkulissen zu erstellen. Er hat immer ein offenes Auge, wenn es darum geht, Ideen oder Material zu sammeln. Fotos: A. Becher

Von Nicola Scharpf

BACKNANG. Rolf Hirschs Krippen sind nichts für Rastlose. Wer die warm und golden schimmernden Landschaften erfassen will, braucht Zeit, sich ihnen zu widmen. Schließlich gibt es viel zu sehen: Torbögen, Brunnen und Brücken, an denen jeder Mauerstein einzeln erkennbar ist; Dachflächen aus winzigen Schindeln; Fenster mit zartem Gitter davor; mit Sand bestreute Stufen; vergoldetes Gestrüpp und Gebüsch. Rolf Hirsch schafft bis ins feinste Detail facettenreich gestaltete Kulissen, um die Geschichte von Jesu Geburt im Stall zu Bethlehem nachzustellen. Wenn die Betrachtung schon ihre Weile braucht, wie lange braucht dann der Krippenbauer für sein Werk?

„Da verbringt man Stunden“, sagt Rolf Hirsch, der sich viel und oft in seine Hobbywerkstatt im Keller der Backnanger Wohnung zurückzieht. „Im Moment mache ich es wieder viel. Sonst habe ich Langeweile. Und es hält mich jung.“ Seine Frau Annemarie ergänzt: „Das ist sein Ding. Er ist dann besser aufgelegt. Ich lasse ihm seine Freiheit.“ Je nach Größe der Krippe braucht Hirsch schon mal zwei oder drei Tage, bis er sie gestaltet hat.

Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als Schaufensterdekorateur für Reformhäuser und Apotheken hat Rolf Hirsch vor vielen Jahren den international bekannten Modell- und Krippenbaumeister Peter Riml kennengelernt, der in Österreich eine Schule betreibt, die die Volkskunst des Krippenbaus vermittelt. Viele Male ist Rolf Hirsch daraufhin ins Pitztal gereist, um in Kursen dieses Kunsthandwerk zu erlernen. An seine erste Krippe erinnert sich der 1938 Geborene gut. „Sie war wie ein Stall mit ganz einfachen Schindeln obendrauf.“ Hirsch bewertet sein Können von damals lachend: „Es wäre abschreckend gewesen, sie jetzt zu zeigen.“ Im Lauf der Jahre hat er sein Können perfektioniert, fortwährend hat er Inspiration und Ideen dazugewonnen. „Gloria, das Strahlen, ist zu meinem Markenzeichen geworden“, erzählt Hirsch. Um es herzustellen, vergoldet er Holzspäne mit sprühbarem Metallicgold. Auch andere Details bekommen eine schimmernde Schicht, die Zahnstocher zum Beispiel, aus denen er die Fenstergitter fertigt, oder das Kork und die Zimtstangen für die Gestaltung der Dächer. Die Grundsubstanzen einer jeden Krippe sind gleich: Styrodur, Spanplatten, Spachtelmasse Moltofill, verklebtes Zeitungspapier, Kleister. „Es ist alles so gebaut, dass ich es alleine tragen kann.“ Meterstab und Skizzen verwendet der Hobbykünstler kaum, da seine Krippen nicht maßstabgerecht sind. Für die weitere Ausgestaltung wird Rolf Hirsch hier und da fündig. Aus Kunststoffmasse gefertigte Figuren zum Beispiel hat er schon mal beim Einkauf im Baumarkt erstanden, ebenso die passende orientalische Motivtapete mit Palmen und Kuppeldächern, die den Hintergrund der Weihnachtsszene bildet. Wenn es darum geht, geeignetes Material zu erwerben oder sich mit Ideen anregen zu lassen, hat Hirsch immer ein offenes Auge.

Manche seiner Krippen sind so groß, dass sie die komplette Platte eines Tisches für sich beanspruchen, andere dagegen so kompakt, dass sie bloß ein Plätzchen auf einer Anrichte oder einem Sideboard benötigen. Bis vor rund drei Jahren haben Rolf und Annemarie Hirsch in einem Haus in Aspach gelebt, in dessen Keller Hirsch großzügige 100 Quadratmeter Platz für seine Krippen – etwa 20 an der Zahl – zur Verfügung standen. Mit dem Umzug in die Backnanger Wohnung hat er den größten Teil seiner Krippen verschenkt, oft an ehemalige Kunden, die schon einmal ein Exemplar zu Dekozwecken in ihren Schaufenstern ausgestellt hatten. „Es ist mir alles schwergefallen“, sagt Rolf Hirsch über das Hergeben seiner geliebten Orientobjekte.

Rolf Hirsch würde gerne den Graben in seiner früheren Gestalt bauen.

Was dem Ruheständler gut gefallen würde, ist, eine der verbliebenen Krippen in einer Kirche ausstellen zu dürfen. „Am liebsten in der Stiftskirche“, sagt er. „Da haben meine Frau und ich geheiratet.“ Darüber hinaus schwebt ihm Weiteres vor, denn Hirschs Thema sind nicht die Krippen alleine. Er beschäftigt sich auch mit dem Darstellen historischer Altstadtkerne und Fachwerkbauten im Modell. So hat er beispielsweise schon Ansichten der Altstadt von Schwäbisch Hall oder von Bad Wimpfen nachgebaut. Besonders reizen würde ihn, den Backnanger Graben in seiner früheren Gestalt im Modell zu erstellen. „Ich habe aus der Zeit nach dem Krieg noch viele Vorstellungen, da eine meiner Omas dort wohnte. Bei vielen Häusern war die Rückseite die Stadtmauer.“ Viele Bilder und Kalenderansichten aus der damaligen Zeit hat sich Hirsch schon besorgt. Aber wo sollte das Objekt dann zu sehen sein? „Backnang hat kein Museum, um es dort aufzustellen“, bedauert er. Also bleibt das Ganze wohl erst einmal eine Idee, Langeweile hat Hirsch auch so nicht.

Aus Zimtstangen, Zahnstochern und Kork wird Baumaterial für Dächer und Fenstergitter.

© Alexander Becher

Aus Zimtstangen, Zahnstochern und Kork wird Baumaterial für Dächer und Fenstergitter.

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Erstellt:
17. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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