Europol
“Größter Einsatz aller Zeiten“ gegen Handel mit synthetischen Drogen
Beim bislang „größten Einsatz aller Zeiten“ gegen den Handel mit synthetischen Drogen hat Europol 85 Verdächtige festgenommen. Was bekannt ist.
© Jerry Lampen/anp/dpa/Jerry Lampen
Europol hat den bislang „größten Einsatz aller Zeiten“ gegen den Handel mit synthetischen Drogen gemeldet.
Von red/afp
Beim bislang „größten Einsatz aller Zeiten“ gegen synthetische Drogen hat Europol nach eigenen Angaben einen der wichtigsten Drogenhändlerringe zerschlagen. Die jahrelang vorbereitete Aktion unter Beteiligung der Polizeibehörden aus Deutschland und fünf weiteren EU-Ländern habe zur Festnahme von 85 Verdächtigen geführt, teilte die internationale Polizeibehörde mit. Unter den Festgenommenen seien die beiden mutmaßlichen Anführer des Rings.
Bei synthetischen Drogen handelt es sich um Substanzen, die keinen natürlichen Ausgangsstoff haben. Sie werden illegal in Laboren hergestellt. Europol zufolge lösten die Behörden bei ihrem Einsatz insgesamt 24 Drogenlabore von „industriellem Maßstab“ auf und beschlagnahmten rund tausend Tonnen an Chemikalien, die zur Herstellung von Drogen wie MDMA, Amphetaminen und Methamphetamin verwendet worden seien. Neben der deutschen Polizei waren an dem Vorgehen Kollegen aus Belgien, Polen, Spanien und Tschechien beteiligt.
Bei den mutmaßlichen Anführern des Drogenrings handelt es sich demnach um zwei polnische Staatsbürger, ihnen dürfte ein Gerichtsverfahren in Polen wegen Drogenhandels bevorstehen, das in einer Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren münden könnte. Auch ein Großteil der weiteren Festgenommenen seien Polen, erklärte Europol weiter.
„Die kriminellen Gruppen verlieren dadurch ihre Nachschubquellen“
Der Leiter des für besonders schwere Straftaten zuständigen Europol-Zentrums (ESOCC), Andy Kraag, sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Ich bin schon eine Weile im Geschäft. Das ist mit Abstand die größte Operation, die wir je gegen die Herstellung und den Vertrieb synthetischer Drogen durchgeführt haben.“ Der Einsatz sei ein „wirklich schwerer Schlag für Gruppen der organisierten Kriminalität, die im Drogenhandel tätig sind, insbesondere im Handel mit synthetischen Drogen“.
Kraag zufolge verfolgt Europol mit seinen Einsätzen gegen Großlabore eine „Lieferkettenstrategie“, um das Übel „an der Wurzel“ zu packen. „Die kriminellen Gruppen verlieren dadurch ihre Nachschubquellen.“ Der ESOCC-Chef betonte zugleich, dass es beim Kampf gegen synthetische Drogen nicht nur um die Gesundheit potenzieller Konsumenten gehe. Auch massive Gewalt, Korruption und Geldwäsche im kriminellen Milieu sollten bekämpft werden.
Die Herstellung synthetischer Drogen habe zudem verheerende Auswirkungen auf die Umwelt, sagte Kraag der Nachrichtenagentur AFP. Die Behörden hätten bei der Aktion auch mehr als 120.000 Liter giftiger chemischer Abfälle beschlagnahmt, die Kriminelle üblicherweise auf dem Land oder in Bächen entsorgen. „Heute bringen sie den Kriminellen Profit. Morgen verschmutzen sie die Umwelt“, sagte Kraag mit Blick auf synthetische Drogen.
2025 wieder mehr Kokain im Hafen von Antwerpen beschlagnahmt
Der ESOCC-Chef kündigte zudem an, dass weitere derartige Aktionen geplant und weitere kriminelle Banden im Visier von Europol seien: „Dies ist einer der größten Vertreiber. Aber nicht der einzige. Wir suchen weiter.“
Unabhängig von der Europol-Aktion meldete zudem am Mittwoch der belgische Zoll, dass 2025 nach einem Rückgang im Vorjahr wieder mehr Kokain im Hafen von Antwerpen beschlagnahmt worden sei. Der Hafen von Antwerpen gilt seit Jahren als das größte Einfallstor für illegale Drogen in Europa. Insgesamt wurden dort den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 54,9 Tonnen Kokain abgefangen. Das sind 24 Prozent mehr als im Jahr 2024, allerdings deutlich weniger als im Rekordjahr 2023, als allein in Antwerpen 116 Tonnen Kokain beschlagnahmt wurden. AFP/dpa
