Auf der Spur des gestohlenen Goldes - Razzia in Berlin

dpa Berlin. Wurde die gestohlene, riesige Münze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum zu kleineren Goldmünzen umgeschmolzen und dreist wieder in Umlauf gebracht? Seit Monaten wird diesem Verdacht nachgegangen. Bei einer Durchsuchung in Berlin kam jetzt Neues ans Licht.

Ein Polizeibeamter vor einem Haus in Neukölln. Foto: Paul Zinken/dpa

Ein Polizeibeamter vor einem Haus in Neukölln. Foto: Paul Zinken/dpa

In der Sonnenallee in Berlin-Neukölln werben Juweliere in Schaufenstern mit dem Ankauf von Gold. Am Mittwochmorgen rückten dort Polizisten zu einer Razzia an. Beschlagnahmt wurden mutmaßlich gefälschte Goldmünzen und Bargeld in fünfstelliger Höhe.

Auch in Wedding und Reinickendorf durchsuchten zum Teil maskierte Einsatzkräfte Wohnungen und Juweliergeschäfte - insgesamt 14.

Geht es um Gold und Kriminalität, denken viele in Berlin noch immer an den spektakulären Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ im März 2017. Die Platte hatte damals einen Goldwert von knapp 3,75 Millionen Euro, bis heute wurde sie nicht gefunden. Ermittler gingen bislang davon aus, dass das wertvolle Stück zerstückelt und veräußert wurde, möglicherweise im Ausland.

Sollte sich bestätigen, dass die jetzt beschlagnahmten Stücke aus der gestohlenen „Big Maple Leaf“ gefertigt wurden, wäre das eine Sensation. Sollte ausgerechnet in Berlin selbst nach dem aufsehenerregenden Diebstahl eine ebenso dreiste Aktion gefolgt sein?

Die Staatsanwaltschaft gab sich bislang aber bedeckt: „Es werden u.a. mögliche Verbindungen zum Diebstahl der Goldmünze aus dem Bodemuseum vom 27.03.2017 geprüft“, teilte die Behörde mit. Ein Ermittler sagte „Spiegel-TV“: „Die Chancen stehen 50:50, dass wir noch Reste der Goldmünze finden.“

Ermittelt wird gegen acht Verdächtige unterschiedlicher Staatsangehörigkeit im Alter von 14 bis 51 Jahren, die einer Familie angehören sollen. Der Vorwurf: Gewerbsmäßige Hehlerei und gewerbsmäßige Geldfälschung. Vermutet werden laut Staatsanwaltschaft Verbindungen zur Organisierten Kriminalität. Es habe jetzt keine Haftbefehle gegeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Nach monatelangen Ermittlungen hieß es, die Verdächtigen sollen sich gestohlenes Gold beschafft haben, um es einzuschmelzen und daraus gefälschte Anlagemünzen herzustellen. Dann sollen sie selbst oder Familienangehörige die Stücke in ihren Juwelierläden in Neukölln und Reinickendorf als echt in Umlauf gebracht haben. Anlagemünzen können als Geldanlage genutzt werden, mit ihnen kann auch auf den Edelmetallwert spekuliert werden.

Im Februar hatte das Landgericht in der Hauptstadt wegen des Goldmünzen-Diebstahls gegen zwei Männer aus einer polizeibekannten, arabischstämmigen Großfamilie eine Jugendstrafe von jeweils viereinhalb Jahren Haft verhängt. Eine Strafe ist bereits rechtswirksam. Ein Ex-Wachmann, der nach Überzeugung des Gerichts das Museum auskundschaftete, bekam drei Jahre und vier Monate Gefängnis. Wo die Münze geblieben ist, sagten sie nicht.

In Ermittlerkreisen war nun die Theorie zu hören, dass die Verwertung der Beute einer anderen Familie anvertraut worden sein könnte. Sowas lege man doch nicht in fremde Hände, hieß es dazu. Es soll in der Hermannstraße auch ein Schmelzofen beschlagnahmt worden sein.

In den letzten Wochen ging es in Berlin Schlag auf Schlag gegen die Organisierte Kriminalität. Razzien, Festnahmen, Kontrollen, Beschlagnahmen. Es ist ungemütlicher geworden für Kriminelle. „Wir bleiben dran, wir machen Druck“, sagte Sprecher Steltner. Verstärkt geprüft werden demnach Verbindungen zwischen verschiedenen Taten und Tätern.

Erst am Montagabend hatten Zielfahnder einen vierten Verdächtigen im Fall des Dresdner Juwelendiebstahls in Berlin gefasst. Mittlerweile sitzt er in Dresden mit drei weiteren Verdächtigen aus dem Clan einer arabischen Großfamilie in Untersuchungshaft. Mitglieder dieser Familie wurden für den Goldmünzen-Diebstahl verurteilt.

Am 25. November 2019 hatten mehrere Täter bei einem der spektakulärsten Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte aus der berühmten Schatzkammer Grünes Gewölbe Juwelen mit kaum schätzbarem Wert gestohlen. Vermutungen und Spuren führten schnell nach Berlin.

© dpa-infocom, dpa:201216-99-714024/4

Polizisten und Medienvertreter stehen vor einem Juwelier- und Schmuckladen in Berlin. Seit dem Morgen durchsuchen Polizeibeamte und Experten zahlreiche Objekte in der Hauptstadt, darunter einige Schmuckläden. Foto: Felix Frieler/dpa

Polizisten und Medienvertreter stehen vor einem Juwelier- und Schmuckladen in Berlin. Seit dem Morgen durchsuchen Polizeibeamte und Experten zahlreiche Objekte in der Hauptstadt, darunter einige Schmuckläden. Foto: Felix Frieler/dpa

Polizisten führen einen Mann ab. Die Durchsuchungen stehen den Angaben zufolge im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Hehlerei und der gewerbsmäßigen Geldfälschung. Foto: Paul Zinken/dpa

Polizisten führen einen Mann ab. Die Durchsuchungen stehen den Angaben zufolge im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Hehlerei und der gewerbsmäßigen Geldfälschung. Foto: Paul Zinken/dpa

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16. Dezember 2020, 12:18 Uhr

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