Große Drogenmengen per Paketlieferung bekommen

Gerüstdiebe aus Backnang und Aspach sollen den Erlös ihrer unlauteren Verkäufe in den Handel mit Rauschgiften gesteckt haben.

Symbolfoto: Bilderbox/Erwin Wodicka

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Von Bernd Winckler

BACKNANG/ASPACH. Noch nicht alle Vorwürfe, die der Staatsanwalt den beiden 34- und 36-jährigen mutmaßlichen Bandendieben und Rauschgifthändlern aus Backnang und Aspach vorwirft, sind zugegeben worden. Auch am gestrigen vierten Verhandlungstag vor der 18. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht ging daher die Beweisaufnahme weiter, wobei sich durch die Bekundungen von Polizeibeamten offensichtlich erhellt, dass zumindest einer der beiden große Drogenmengen per Paket aus Spanien erhalten habe.

Stuttgarts Oberstaatsanwalt Michael Wahl wirft den beiden Männern insgesamt 27 Einzeltaten vor. Taten mit der Anklagenummer eins bis fünf sind inzwischen eingeräumt worden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Diebstähle von Baugerüsten, begangen aus Baustellen im gesamten Rems-Murr-Kreis. Die Gerüste, hauptsächlich auch Gerüstteile, seien fachmännisch abgebaut, auf Lkw umgeladen, abtransportiert – und später verkauft worden. Den Erlös daraus sollen die Beschuldigten zum Erwerb von großen Mengen Rauschgift, darunter Marihuana und kiloweise Amphetamintabletten, verwendet haben. Die Anklage geht hier von Drogen im Verkaufswert von etwa 100000 Euro aus.

Am gestrigen Verhandlungstag wurden vom Gericht die Sachbearbeiter der Waiblinger Kriminalpolizei befragt, die einerseits eine Durchsuchung der Wohnung des einen Angeklagten in Aspach durchführten, andererseits auch die Mobiltelefone des Duos abgehört haben. In der Aspacher Wohnung des 36-Jährigen habe man am 30. März dieses Jahres zwar keine Drogen gefunden, jedoch Hinweise darauf: mehrere Handys, mehrere SIM-Karten verschiedener Anbieter – es ist eine gängige Praxis von Drogendealern, mit verschiedenen Karten die abhörenden Fahnder zu verwirren. Zudem hatte die Polizei vertrauliche Hinweise ehemaliger Mittäter bezüglich der Gerüstdiebstähle und des Drogenhandels erhalten, wie sie gestern angaben.

Dabei habe man festgestellt, woher die großen Mengen Rauschgift überhaupt stammen: Sie sollen per Paket aus Spanien bestellt und an die Aspacher Wohnadresse des 36-jährigen Angeklagten angeliefert worden sein. Aufgeflogen sei diese Lieferpraxis durch einen Nachforschungsauftrag des Mannes, nachdem offensichtlich ein Paket nicht ankam. Über die Handyabhörung war man dann auf die Paketlieferungen aufmerksam geworden und hatte mindestens eine der Sendungen im Paketzentrum Göppingen aufhalten können. Darin wurden Drogen im Kilobereich festgestellt und die Sendung wurde beschlagnahmt.

Von Oktober vergangenen Jahres bis Februar dieses Jahres seien zahlreiche solche Paketlieferungen aus Spanien an die Adresse des Beschuldigten gelangt. Als Beispiel nennt die Polizei ein Paket vom 7. Februar mit 1,6 Kilo Marihuanainhalt. Weitere Pakete Anfang Februar und Ende 2020 umfassten jeweils 1,4 Kilo Drogen, darunter auch Heroin und weitere verbotene Betäubungsmittelsubstanzen. Die letzte Paketlieferung soll mit zwei Kilo Rauschgift, diesmal von einem Lieferanten aus Frankfurt am Main, in Aspach eingetroffen sein. Am 30. März wurden die Männer verhaftet.

Lange wollen die Richter des Landgerichts den Fall nicht mehr verhandeln. Am nächsten Sitzungstag, dem 4. November, sollen spätestens nach Anhörung eines Sachverständigen die Schlussplädoyers gehalten und dann die Urteile verkündet werden, wie gestern von einem Prozessbeteiligten zu erfahren war. Eventuell aber könnten die Urteile auch erst am 10. November verkündet werden. Bleibt es beim Vorwurf des Bandendiebstahls von Gerüstteilen und Drogenhandels im mehrfachen Kilobereich, dann drohen Haftstrafen bis zu 15 Jahren.

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Erstellt:
28. Oktober 2021, 11:30 Uhr

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