Großes Engagement zum Erhalt der Ehrenmale

Die Backnanger Steinmetze Carl-Eugen Vogt und Axel Groß tragen viel dazu bei, dass das Gedenken an die Toten der Weltkriege nicht verloren geht. Vogt arbeitet am Ersatz für die 14 gestohlenen Bronzetafeln auf dem Stadtfriedhof. Groß restauriert das Ehrenmal auf dem Friedhof von Heiningen/Waldrems.

Eine der Steintafeln ist bereits fertiggestellt. Auf ihr wird die Historie des Gedenkens erinnert, inklusive des schändlichen Diebstahls. Carl-Eugen Vogt (rechts) und sein Geselle Markus Lutz präsentieren die Platte vor ihrem künftigen Platz an der Aussegnungshalle. Die restlichen 13 Platten werden den Winter über hergestellt. Die zwölf Haupttafeln mit den Namen aller Backnanger Gefallenen sind jeweils 1,70 Meter hoch. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Eine der Steintafeln ist bereits fertiggestellt. Auf ihr wird die Historie des Gedenkens erinnert, inklusive des schändlichen Diebstahls. Carl-Eugen Vogt (rechts) und sein Geselle Markus Lutz präsentieren die Platte vor ihrem künftigen Platz an der Aussegnungshalle. Die restlichen 13 Platten werden den Winter über hergestellt. Die zwölf Haupttafeln mit den Namen aller Backnanger Gefallenen sind jeweils 1,70 Meter hoch. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Als dreiste Buntmetalldiebe im Mai 2018 auf dem Backnanger Stadtfriedhof insgesamt 14 Bronzetafeln, auf denen die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs eingraviert waren, mit brachialer Gewalt aus ihren Verankerungen gerissen und gestohlen haben, war die Empörung groß. Aber genauso groß war auch die Bereitschaft, die Platten wieder zu ersetzen. Die Vorarbeiten wurden sehr gewissenhaft erledigt. Der Backnanger Grafiker Hellmut G. Bomm übernahm die gestalterische Ausführung der Schrift, der Backnanger Steinmetz Carl-Eugen Vogt die technische Ausführung und Stadtarchivar Bernhard Trefz klärte die Frage, was auf den neuen Tafeln stehen sollte.

Nach ausführlicher Abwägung fiel die Entscheidung, die Schrift mit einer Sandstrahltechnik auf die Platten zu übertragen. Dank dieses Verfahrens ist der Aufdruck dauerhaft haltbar und nicht zu arbeits- und somit kostenintensiv. Bei der Auswahl des Schrifttyps entschied sich Bomm für die Originalversion, die mit erhabenen Buchstaben eine dreidimensionale Wirkung erzielt und eine Art Jugendstilcharakter hat. Die Herausforderung für Bomm war, die Art und Weise der Schriftform wieder aufzunehmen, allerdings ohne die unbezahlbare Lösung der erhabenen Buchstaben. „Das macht heute keiner mehr.“

Bernhard Trefz war besonders gefordert bei der Frage, was alles auf die Tafeln geschrieben werden soll. Das beginnt schon mit den Kopfzeilen der verschiedenen Tafeln. Formulierungen wie „sie wehrten Tausend Feinden“ passen laut Bomm nicht mehr in die heutige Zeit. Auch bei den Namen der Gefallenen gab es Handlungsbedarf. Trefz hatte über die Jahre hinweg weitere 50 Namen und Daten gefallener Soldaten recherchiert, die bislang ungenannt waren und die nun auch Platz auf den Tafeln finden. Zudem nutzte Bomm die Chance, falsch geschriebene Namen zu korrigieren.

„Die ursprünglich ausgewählte und dringend benötigte Folie war plötzlich nicht mehr lieferbar.“

Zu Beginn dieses Jahres sollte das Projekt umgesetzt werden, doch es stellten sich technische Probleme ein. Im Prinzip funktioniert die Technik so: Die Daten mit den Aufschriften werden auf Folie übertragen, wobei die Buchstaben, Zahlen und Zeichen ausgespart bleiben. Dann wird die Folie auf die Steinplatten geklebt und das nicht verdeckte Steinmaterial mit dem Sandstrahler vorsichtig herausgearbeitet. Die wichtigste Komponente hierbei ist eine geeignete Folie. So gibt es viele Buchstaben und Zahlen, die im Mittelteil keine Verbindung zur restlichen Folie haben, etwa im B oder bei einer 9. „Da muss die Folie auf den winzigen Bereichen kleben bleiben, auch wenn wir mit vier Bar Druck arbeiten“, schildert Vogt die Schwierigkeit.

Anfang des Jahres schien alles gut. Die Firma Grom und Ilg Digitaldruck aus Waldrems lieferte eine Probefolie und die erste Steinplatte gelang prächtig. Dann kam Corona und viele Lieferketten wurden unterbrochen. Als die Vorlagen für die restlichen 13 Tafeln gefertigt werden sollten, war die auserwählte Folie, die sich bewährt hatte, nicht mehr lieferbar. Die Suche nach gleichwertigem Ersatz gestaltete sich schwierig. Sechs Versuche mussten abgebrochen werden, weil die jeweilige Folie sich als untauglich herausstellte. Inzwischen haben die Experten das passende Material gefunden und die Vordrucke gefertigt. Nun kann Vogt die Tafeln bearbeiten. Pro Stück rechnet er mit einem halben Tag Arbeitszeit, und dann müssen die Platten noch in den Arkaden vor der Aussegnungshalle eingebaut werden. Vogt nimmt sich dafür über die Wintermonate Zeit und freut sich schon auf das Ergebnis: „Die Tafeln werden sehr schön.“ Der pastellfarbene, gelbliche Jurakalkstein orientiert sich an der Fassade der Aussegnungshalle, die graue Schrift ist angelehnt an die Farbe der Gesimse. Auch Roland Idler vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge freut sich, wenn das Andenken auf die Kriegsopfer wieder in würdiger Form sichtbar ist. Er kann den schändlichen Diebstahl der Bronzetafeln heute noch nicht fassen und vergleicht es mit einer Grabschändung. Die Soldaten hätten nicht nur auf dem Schlachtfeld ihr Leben verloren, „man hat ihnen nach dem Tod nun auch noch den Namen geraubt“. Idler: „Das ist verabscheuungswürdig.“

Umso mehr dürfte sich Idler über das Engagement von Axel Groß gefreut haben. Der Backnanger Steinmetz hat in den vergangenen Wochen das Ehrenmal der Gefallenen und Vermissten von Heiningen und Waldrems restauriert, und zwar kostenlos. Ursprünglich war Groß von der Stadt Backnang angefragt worden, ob er ein Angebot für die Arbeit abgeben könnte. Doch Groß wollte für die Arbeit nicht entlohnt werden. „Ich empfand die Wiederherstellung des Ehrenmals als eine Ehrenarbeit und habe die Aufgabe als Stiftung ohne Berechnung von Arbeit und Material übernommen.“

Bei dem Mahnmal handelt es sich unter anderem um eine große Platte aus Würzburger Muschelkalk, auf der etwa 60 Namen eingraviert sind. In den vergangenen Jahrzehnten hatte Gerhard Groß, der Vater von Axel Groß, die Schrift bereits zweimal nachgezogen, nun war dies nicht mehr möglich. Der Stein war so sehr verwittert, dass die Vertiefung der Schrift nahezu aufgehoben war. Der Steinmetz hatte daher als Erstes die bisherige Inschrift mit einem Abrieb von Papier und Kreide dokumentiert. Dann wurde der 25 Zentimeter dicke und 800 Kilogramm schwere Stein komplett abgeschliffen, sodass die Schrift vollständig entfernt und die Oberfläche wieder stabil war. Die neue Inschrift wurde gezeichnet, übertragen und wieder eingemeißelt. Die v-förmige Nut, die die Namen und Daten darstellt, wurde ferner mit dunkelbrauner Farbe originalgetreu wiederhergestellt. Rund zehn Tage investierte Axel Groß in die Arbeit und freut sich jetzt, dass der Stein rechtzeitig vor dem morgigen Volkstrauertag wieder auf dem Friedhof Heiningen/Waldrems aufgestellt werden konnte.

Axel Groß hat das Ehrenmal auf dem Friedhof Heiningen/Waldrems wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen. Er hat damit die Tradition seines Vater Gerhard weitergeführt, der in den vergangenen Jahrzehnten schon zweimal den Stein gereinigt und die Schrift nachgezogen hat. Foto: privat

© privat

Axel Groß hat das Ehrenmal auf dem Friedhof Heiningen/Waldrems wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen. Er hat damit die Tradition seines Vater Gerhard weitergeführt, der in den vergangenen Jahrzehnten schon zweimal den Stein gereinigt und die Schrift nachgezogen hat. Foto: privat

Kein Gedenken wie sonst immer

Im Gegensatz zu den Jahren zuvor steht das Gedenken an die Opfer der Weltkriege in diesem Jahr ganz im Zeichen von Corona. Das heißt: Es gibt keine öffentlichen Veranstaltungen, zu denen Publikum eingeladen ist. So wird beispielsweise bei der Gedenkfeier auf dem Backnanger Stadtfriedhof kein Musikverein spielen und es werden keine langen Reden, sondern nur ein ganz kurzes Totengedenken gehalten.

Das Totengedenken findet heute auf dem Backnanger Stadtfriedhof statt. Insgesamt werden zwischen 15.45 und 16 Uhr fünf Kränze niedergelegt, jeweils mit zeitlichem und räumlichem Abstand.

Die Kränze stammen von der Reservistenkameradschaft, vom Sozialverband VdK, vom Deutschen Roten Kreuz, von der Stadtverwaltung Backnang und vom Volksbund.

Auch in den Stadtteilen werden Kränze niedergelegt, meistens von den Ortsvorstehern. So am Sonntagvormittag in Strümpfelbach, Waldrems/Heiningen und Maubach. In Steinbach findet die Kranzniederlegung traditionell eine Woche später am Totensonntag statt.

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Erstellt:
14. November 2020, 06:00 Uhr

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