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Großes Interesse an IBA-Wettbewerb

Mehr als 100 Architekturbüros aus der ganzen Welt würden gerne Pläne für das ehemalige Industriegelände im Westen Backnangs entwickeln. Der Gemeinderat hat nun die Eckpunkte für den Ideenwettbewerb festgelegt.

Das Plangebiet für den IBA-Wettbewerb wurde noch einmal erweitert und umfasst nun auch das Gelände der Stadtwerke und den benachbarten Aldi-Markt (rot unterlegt).Foto: Stadtplanungsamt

© GrossmannTobias

Das Plangebiet für den IBA-Wettbewerb wurde noch einmal erweitert und umfasst nun auch das Gelände der Stadtwerke und den benachbarten Aldi-Markt (rot unterlegt).Foto: Stadtplanungsamt

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Corona hat in den vergangenen Monaten vieles durcheinandergewirbelt, allerdings nicht den Backnanger Zeitplan für die Internationale Bauausstellung 2027. Nachdem der Bürgerdialog im Februar noch rechtzeitig vor dem Lockdown abgeschlossen wurde, haben die Verantwortlichen die vergangenen drei Monate genutzt, um den städtebaulichen Wettbewerb für das Quartier im Westen der Stadt vorzubereiten. Planungsbüros, die sich daran beteiligen wollen, hatten bis zum 4. Juni Zeit, um ihr Interesse anzumelden.

Die Resonanz war riesig: Laut Tobias Großmann haben sich 109 Büros beworben, darunter auch welche aus New York, Kambodscha und Südamerika. „Wir waren selbst überrascht“, gibt der Leiter des Stadtplanungsamtes zu. Das zeige, welche Strahlkraft eine Internationale Bauausstellung habe. In der ersten Bewerbungsrunde müssen die Büros nachweisen, dass sie für ein Projekt in dieser Dimension qualifiziert sind. Neben Referenzen aus anderen Projekten können sie dafür auch schon erste Skizzen für das Backnanger Areal vorlegen. Dabei geht es laut Großmann aber noch nicht darum, ob diese später so umgesetzt werden können. „Wir wollen aber Engagement, Leidenschaft und Hingabe für dieses Projekt erkennen“, sagt der Amtsleiter.

Eine Jury aus Vertretern der Stadt, der IBA und zwei externen Experten wird am Montag aus der Bewerberflut
18 Kandidaten auswählen, die in die zweite Wettbewerbsrunde einziehen. An dieser werden außerdem acht Büros teilnehmen, die von den IBA-Machern eingeladen wurden. Auch das Büro von Helmut Jahn in Chicago hat eine Einladung bekommen. Der deutsch-amerikanische Stararchitekt hatte im Auftrag von Riva-Chef Hermann Püttmer bereits vor drei Jahren einen Masterplan für das
Kaelble-Areal vorgelegt, den Stadtverwaltung und Gemeinderat aber für überdimensioniert hielten. Ob Jahn nun noch einmal neue Pläne entwickeln wird, ist unklar. Laut Großmann hat er auf die Einladung noch nicht reagiert.

Die 26 Büros, die letztlich ins Rennen gehen, sollen bis Mitte Juli die Ausschreibungsunterlagen mit der genauen Aufgabenstellung erhalten und haben dann bis zum 23. Oktober Zeit, um ihre Pläne einzureichen. Das Preisgericht wird im Januar 2021 tagen, als Preisgeld stehen insgesamt 120000 Euro zur Verfügung.

Vier bis fünf Stockwerke sind der Richtwert

Die Eckpunkte, die die Planer beachten müssen, hat der Backnanger Gemeinderat nun definiert. Unter anderem wurden Vorgaben zur Nutzung, zur Dichte der Bebauung und auch zur Höhe der Gebäude beschlossen. „Wir wollen ein Quartier mit einer Mischnutzung“, erklärte Tobias Großmann im Gemeinderat. Neben Wohnungen sollen im Bereich zwischen Friedrichstraße und Murrtalviadukt auch Arbeitsplätze entstehen. Die Gebäude sollen in der Regel zwischen vier und fünf Stockwerke haben – urban, aber nicht großstädtisch soll es sein. „Wir wollen eine Lösung, die zu unserer Stadt passt und kein Fremdkörper ist“, betont Baudezernent Stefan Setzer. Was aber nicht heißt, dass es an einzelnen Stellen nicht auch höhere Gebäude geben kann, wenn ein Planer dafür ein überzeugendes Konzept vorlegt. Hermann Püttmer, dem rund ein Drittel des IBA-Geländes gehört, träumt bekanntlich von einem bis zu 100 Meter hohen Hochhaus, Verwaltung und Gemeinderat stehen solchen Plänen bisher aber überwiegend skeptisch gegenüber.

Neben dem Auslobungstext werden die Teilnehmer des Wettbewerbs auch umfangreiche Unterlagen zu Themen wie Verkehr, Hochwasserschutz und Artenschutz erhalten. So soll verhindert werden, dass die Planer Ideen entwickeln, die nachher nicht zu den Rahmenbedingungen passen. Auch die Ergebnisse aus den Bürgerdialog-Workshops sind Teil der Ausschreibungsunterlagen. Außerdem wird den Planern ein Gutachten über den Zustand der bestehenden Gebäude ausgehändigt, denn es ist ausdrücklicher Wunsch der Stadt, dass prägende Industriebauten erhalten und in das neue Konzept integriert werden.

Das Plangebiet wurde kurz vor Beginn des Wettbewerbs noch einmal erweitert. Neu aufgenommen wurde jetzt auch noch das Gelände der Stadtwerke und des Aldi-Marktes auf der südlichen Murrseite. Die Planer sollen sich Gedanken darüber machen, ob auch in diesem Bereich eine Nachverdichtung möglich ist. So wäre laut Großmann zum Beispiel denkbar, dass Aldi ins Erdgeschoss eines mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshauses zieht. Auf dem Gelände der Stadtwerke könnten Konzepte zur Energieversorgung des neuen Gebiets umgesetzt werden. „Wir haben jetzt die einmalige Chance, dass international anerkannte Planer Ideen entwickeln. Das sollten wir nutzen“, findet Großmann. Grünen-Stadtrat Willy Härtner hätte sich deshalb sogar vorstellen können, das Gebiet noch bis in die Etzwiesen zu erweitern. Stefan Setzer riet davon jedoch ab: „Wir sollten den Wettbewerb nicht überladen.“

Was bleibt übrig von den alten Industriebauten?

Dem Eckpunktepapier stimmte der Gemeinderat am Ende einstimmig zu. „Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg“, stellte die CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Ulfert fest. Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass die Wünsche, die die Bürger in den Workshops geäußert hatten, nicht unter den Tisch fallen: „Die Teilnehmer erwarten, dass sich ihre Anregungen in den Entwürfen wiederfinden“, so Ulfert. Heinz Franke (SPD) forderte, die Öffentlichkeit auch im weiteren Verfahren eng einzubinden.

Lutz-Dietrich Schweizer (Christliche Initiative Backnang) meldete derweil Zweifel an, ob von den alten Industriebauten am Ende noch etwas übrig bleiben wird. Das hehre Ziel, die historische Bausubstanz zu erhalten, sei in Backnang schon bei vielen Projekte formuliert worden, oft sei davon am Ende aber nichts mehr zu sehen gewesen.

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Erstellt:
20. Juni 2020, 06:00 Uhr

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