Grüne wollen zweitstärkste Fraktion werden

Kommunalwahl 2019: Fünf Sitze im Gemeinderat lautet das Ziel – Willy Härtner: Umweltschutz war mit bisherigem Rat nicht möglich

Fünf Sitze für die Grünen müssten bei der Kommunalwahl am 26. Mai drin sein, da sind dich Willy Härtner (Foto) und Melanie Lang sicher. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Fünf Sitze für die Grünen müssten bei der Kommunalwahl am 26. Mai drin sein, da sind dich Willy Härtner (Foto) und Melanie Lang sicher. Archivfoto: J. Fiedler

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Hälfte der Kandidatenplätze mit Frauen besetzen – was für viele Listen ein Problem darstellt, ist für die Grünen ein Klacks, sie haben ihr Soll sogar übererfüllt. 14 Frauen und 12 Männer möchten in der nächsten Legislaturperiode einen Platz in der Fraktion der Grünen ergattern. Die Liste hatte zuletzt etwas Federn lassen müssen, schließlich hatte Eric Bachert die Grünen verlassen und sich als Sprachrohr des Bürgerforums probiert. Nachdem auch Rainer Lachenmaier gesundheitlich angeschlagen war, blieb es lange Zeit am Duo Willy Härtner und Melanie Lang hängen, grüne Politik im Stadtparlament zu vertreten. Jetzt hat die Liste große Ziele. Die beiden bisherigen Stadträte, die wieder antreten, zeigen sich zuversichtlich, dass die Grünen gar einen fünften Platz ergattern, schließlich ist Umweltpolitik voll im Trend. Lang: „In Backnang kommen wir locker auf 20 Prozent, da müssten fünf Sitze möglich sein.“ Härtner setzt noch eins drauf: „Wir wollen zweitstärkste Fraktion werden.“ Bei der Kandidatensuche war es für Härtner daher wichtig, „dass wir auch Leute außerhalb des grünen Lagers akquiriert haben“. Lang unterstreicht dies: „Wir wollen, dass das Thema Umweltschutz in der Breite ankommt, und dafür brauchen wir auch Kandidaten, die nicht schon immer im grünen Spektrum angesiedelt waren, ohne dass wir unsere Kernthemen aus den Augen verlieren.“ Gleichzeitig wurden alle Kandidaten streng unter die Lupe genommen. Härtner: „Wir sind nach dem Abgang Bacherts sensibilisiert und wollen nicht, dass uns das nochmals passiert.“ Und Lang bestätigt: „Wir haben allen klargemacht, wo für uns die roten Linien verlaufen.“

Die Tatsache, dass neun Listen zur Wahl antreten, führt bei den Grünen im Gegensatz zu anderen Fraktionen zu keinen Ängsten. „Die vielen Listen spornen uns an“, sagt Härtner, und Lang ergänzt: „Wir sehen darin eine Chance. Wir müssen im Gremium mehr aufeinander zugehen, im Gespräch bleiben und so – wie in der Gesellschaft auch – den Zusammenhalt stärken.“ Härtner glaubt, dass es künftig Mehrheiten mit wechselnden Koalitionen gibt, und dass es nicht mehr ausreicht, wenn die zwei großen Listen sich einig sind. Auch Lang wünscht sich viele neue Gesichter im Gremium: „Wichtig ist eine gute Mischung.“

Als Misserfolg der vergangenen Legislaturperiode bezeichnet Härtner die Blockade bei der CO2-Reduktion. „Ich bin vor fünf Jahren angetreten, das Thema massiv voranzubringen. Aber das ist in diesem Gemeinderat nicht möglich gewesen.“ So erinnert er etwa an das Aus der geplanten Holzhackschnitzelanlage auf dem früheren Klinikareal. Das Projekt sei „aus fadenscheinigen Gründen“ am Ende nicht in der Form realisiert worden, sondern mit Erdgas als Brennstoff. Inzwischen sei der Klimaschutz bei der Jugend angekommen, siehe die „Fridays for Future“-Demos. Härtner hofft auf einen Schub für dieses Denken im Lokalen.

Doch Lang und Härtner konnten sich auch über Erfolge freuen. So etwa, dass die Jugendvertreter inzwischen auch online gewählt werden können. Lang: „Wir erreichen so ein größeres Spektrum, nicht nur die Jungs von der Jungen Union.“ Durch diese Neuerung erfahre die Arbeit der Jugendvertreter mehr Aufmerksamkeit. Lob zollte Lang auch der Verwaltung für deren Entgegenkommen beim Anlegen von städtischen Grünstreifen. Und Härtner sagte: „Auch das Thema Fahrrad wird inzwischen ernst genommen und an einem Konzept gearbeitet. Einige grüne Ideen sind auf fruchtbaren Boden gefallen.“ In Sachen Mobilitätsdrehscheibe Bahnhof macht Härtner gar „einen Starkwind“ aus, der da reingekommen ist. „Das Konzept wird den ÖPNV meilenweit voranbringen“, ist der Grüne überzeugt. Mit einem Schmunzeln im Gesicht listen die beiden Stadträte Themen auf, die jetzt in aller Munde sind, die aber von den Grünen schon vor Jahren propagiert wurden: Feinstaub, Artenschutz, Frischluftschneisen, Stickoxid oder Pflege der Ausgleichsflächen. Eindeutig ist auch ihre Haltung zum Thema Wachstum. Lang: „Wir haben viele Brachen in Backnang wie etwa das Kaelble-Areal bis zum Viadukt. Wir müssen neue Quartiere mit zukunftsfähigen Konzepten entwickeln, wo Wohnen, Arbeiten und Einkaufen an einem Ort möglich ist.“ Auch mit einem Hochhaus? Lang: „Backnang muss höher werden, aber nicht in diesen Sprüngen.“

Die Kandidaten: Melanie Lang, Willy Härtner, Ulrike Sturm, Mustafa Gül, Hilde Wannenmacher-Schneider, Konrad Panzlaff, Juliana Eusebi, Daniel Köngeter, Claudia Fischer, René Feinauer, Jutta Rieger-Ehrmann, Stefan Gerngroß, Barbara Krüger, Willy Lachenmaier, Tanja Seid, Martin Reinhardt, Anna Bauer, Max Härtner, Marina Heidrich, Holger Köhler, Hanni Cocks, Michael Schladt, Sabine Löffler, Manfred Kunkel, Elke Eißler-Lutz, Ulrike Kühnle.

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Erstellt:
14. Mai 2019, 06:00 Uhr

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