Der Kinder- und Jugendhospizdienst Sternentraum ist nach Unterweissach umgezogen

Seit seiner Gründung vor 18 Jahren hatte der Kinder- und Jugendhospizdienst Sternentraum eine Backnanger Adresse. Im vergangenen August ist die Einrichtung aber nach Unterweissach umgezogen. In den neuen Räumen werden jetzt alle Leistungen unter einem Dach angeboten.

In den Einzelbetreuungen und im jüngsten Workshop sind Bilder und Texte entstanden. Diese werden nun in der Ausstellung „Tot... und dann?“ präsentiert. Kirsten Allgayer zeigt zwei dieser Exponate. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

In den Einzelbetreuungen und im jüngsten Workshop sind Bilder und Texte entstanden. Diese werden nun in der Ausstellung „Tot... und dann?“ präsentiert. Kirsten Allgayer zeigt zwei dieser Exponate. Foto: Alexander Becher

Von Armin Fechter

Weissach im Tal. Den Abschied aus Backnang hat sich der Kinder- und Jugendhospizdienst nicht leicht gemacht. Schon länger war man – zunächst innerhalb der Stadtgrenzen – auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, erklärt die Leiterin Kirsten Allgayer. Denn die Bleibe am Größeweg war zu klein geworden – zum einen, weil das Team personell gewachsen war, zum anderen aber auch, weil dort für einige der Programme nicht genug Platz war, beispielsweise die Treffen mit den über 40 ehrenamtlichen Trauerbegleitungen.

In der Coronazeit verschärfte sich dann die Situation: Weil strenge Vorgaben für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen herrschten, was etwa die Mindestabstände zwischen den einzelnen Personen betraf, musste der Sternentraum mit seinen Aktivitäten regelmäßig in andere Lokalitäten wie Gemeindehäuser ausweichen. Zudem waren die Tätigkeiten vielfältiger geworden. Drei Trauergruppen – für Kinder von sechs bis zwölf Jahren, für Jugendliche ab 13 Jahren und junge Erwachsene sowie für verwitwete Mütter und Väter – galt es unterzubringen, Einzelberatungen erforderten einen eigenen Raum, für organisatorische Aufgaben brauchte es ein Büro und und und. Hier waren am alten Standort die Grenzen erreicht: „Es hat nicht mehr funktioniert“, fasst Diplom-Sozialpädagogin Kirsten Allgayer die Situation zusammen.

Geeignete neue Räume fanden sich schließlich in Unterweissach im Haus der Gesundheit in der Welzheimer Straße 42. In dem Neubau auf dem ehemaligen Rombold-Areal, der auch Arztpraxen und eine Apotheke sowie eine Drogerie beherbergt, verfügt der Dienst nun über eine Gesamtfläche von 220 Quadratmetern – anstelle der 120 Quadratmeter am früheren Standort im Größeweg in Backnang. „Wir sind glücklich, hier zu sein“, schwärmt Allgayer von den großen, hellen Räumen im zweiten Obergeschoss, die den Blick auf den historischen Kamin der ehemaligen Tonwarenfabrik und in Richtung des Ortskerns freigeben.

Sternentraum möchte das Tabuthema Sterben, Tod und Trauer in die Öffentlichkeit rücken

Besonders wichtig ist für die 48-Jährige, die fast seit der Gründung des Kinder- und Jugendhospizdiensts dabei ist, dass die Räume auch neue Möglichkeiten eröffnen. So können nun sämtliche Aktivitäten zentral an einem Ort stattfinden: „Wir müssen nicht mehr Kisten schleppen und wir müssen nicht mehr überall anfragen.“ Im Herbst soll beispielsweise ein neuer Qualifizierungskurs für ehrenamtliche Begleitungen anlaufen, die ersten Infoabende sind für Juli geplant. Derzeit umfasst der Pool zwar immerhin 44 Kräfte. „Manche sind seit 18 Jahren dabei“, sagt Allgayer anerkennend. Aber es scheiden auch immer wieder Helferinnen und Helfer aus, weil sie Kinder bekommen, wegziehen, in der eigenen Familie eine Pflegeaufgabe übernehmen oder selbst krank werden; einige sind auch langfristig, teilweise über Jahre, in Engagements für schwer kranke Kinder gebunden. Nicht nur das: Laut Allgayer kommen auch immer mehr Anfragen herein und diesen wollen die Verantwortlichen – neben Allgayer ist seit Anfang 2023 auch die Sozialpädagogin Lorena Sabatini als Koordinatorin tätig – gerecht werden. Daher liegt ein besonderes Augenmerk darauf, die Gruppe der Ehrenamtlichen laufend neu zu stärken und zusätzliche Helfer zu gewinnen.

Vom neuen Standort aus kann der Dienst, so hofft Allgayer, überdies nach außen hin besser wahrnehmbar werden. Ihr großes Anliegen: „Wir wollen das Tabuthema Sterben, Tod und Trauer in die Öffentlichkeit rücken.“ Dazu dient aktuell die Ausstellung „Tot... und dann?“, die am Freitag, 23. Februar, ab 18 Uhr erstmals gezeigt wird. Sie präsentiert Bilder und Texte, die in den Trauergruppen und in der Einzeltrauerbegleitung sowie in einem Workshop am 10. Februar, dem bundesweiten Tag der Kinderhospizarbeit, kreiert wurden. Es geht darin um Gedanken zur Frage, wo die Verstorbenen nach ihrem Tod sind. Anregungen dazu lieferte unter anderem das Bilderbuch „Und danach: Gedanken über das große Jenseits“ von Silvia Fernández, David Fernández und Mercè López.

Bemerkenswerte Statements mit nur elf Wörtern

Den Texten liegt, wie Allgayer erläutert, die „Elfchen-Form“ zugrunde: Elf Wörter, angeordnet in fünf Zeilen übereinander – ein Wort, zwei, drei und vier Wörter und abschließend wieder ein Wort. Entstanden sind bemerkenswerte Statements, Grüße ins Jenseits, die unter die Haut gehen. Ein neunjähriger Junge sagt da: „Mama, du bist jetzt bei Gott, das finde ich blöd, Mama.“ Nach dem Tod ihres Bruders findet eine 26-Jährige die Worte: „Himmel weit weg Geist bei uns hoffentlich ein Wiedersehen Erinnerungen Hoffnung.“ Eindringlich auch die gemalten Werke: „Du bist nie allein“, nennt ein zehnjähriges Mädchen ihr Bild, das sie nach dem Tod ihrer Oma und ihrer Katze gemalt hat. Ein 13-jähriger Junge wiederum lässt auf seiner Darstellung den Landrover auferstehen, den der verstorbene Vater so sehr liebte und der nun im Himmel auf einer goldenen Straße fährt und goldene Dreckspritzer macht. Der Titel des Bildes – „We’ll meet again“ – gibt die Inschrift auf dem Grabstein wieder.

Die Ausstellung „Tot... und dann?“ in den Räumen des Kinder- und Jugendhospizdiensts

Ambulanter Dienst Kinder und Jugendliche, die von Abschied, Sterben und Tod betroffen sind, benötigen oftmals besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Seit seiner Gründung im Jahr 2006 widmet sich der Kinder- und Jugendhospizdienst Sternentraum dieser Aufgabe. Er begleitet als ambulanter Dienst Familien, in denen lebensverkürzend erkrankte Kinder leben. Zudem unterstützt er Kinder, Jugendliche und Angehörige bei einer lebensverkürzenden Erkrankung eines Elternteils.

Stiftung Trägerin des Diensts ist die Stiftung Sternentraum, die 2005 gegründet wurde. Das Stiftungskapital beträgt 100000 Euro. Der Grundstock geht auf eine überaus erfolgreiche Spendensammlung unter dem Motto „Münzen für Lisa“ im Zuge der Euroumstellung zurück. Für eine langfristige Sicherung der Arbeit setzt die Stiftung auf weitere Spenden und Zustiftungen.

Ausstellung Die Ausstellung „Tot... und dann?“ wird am Freitag, 23. Februar, ab 18 Uhr in den Räumen des Kinder- und Jugendhospizdienstes (Unterweissach, Welzheimer Straße 42) erstmals gezeigt. Darüber hinaus besteht auf Anfrage die Möglichkeit zur Besichtigung.

Kontakt Unter der Telefonnummer 07191/3732432 oder per E-Mail an info@kinderhospizdienst.net ist die Kontaktaufnahme möglich. Weitere Informationen gibt es auch im Internet auf www.kinderundjugendhospizdienst.de.

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Erstellt:
19. Februar 2024, 11:30 Uhr

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