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Haben Behörden Warnungen ignoriert?

Mindestens neun Menschen sterben bei einem Zugunglück in Ankara – Kritiker melden sich zu Wort

Ein Hochgeschwindigkeitszug kracht in eine Lokomotive, dann in eine Überführung. Unter den Toten ist auch ein Deutscher. Stunden später sind drei Bahnmitarbeiter in Haft.

Ankara Nach dem zweiten schweren Zugunglück in derTürkeiin diesem Jahr wird heftige Kritik an den Behörden laut.Mindestens neun Menschen, darunter auch ein 48-jähriger Deutscher, starben am Donnerstagmorgen in der Hauptstadt Ankarabei der Kollision eines Hochgeschwindigkeitszuges mit einer Lokomotive, die von Wartungsarbeiten zurückkehrte. Fast 50 weitere Personen wurden verletzt. Der Frontalzusammenstoß ließ mehrere Waggons des Zuges aus Ankara ins zentralanatolische Konya entgleisen und brachte eine Fußgängerbrücke zum Einsturz.

PräsidentRecep Tayyip Erdoganversprach, die Verantwortlichen für das Unglück in Ankara würden zur Rechenschaft gezogen. Die Behörden nahmen drei Bahnmitarbeiter fest, doch Regierungskritiker sagen, die Ursachen für das neue Unglück seien in der Politik zu suchen. Der Zug hatte nach der Abfahrt in Ankara erst wenige Kilometer hinter sich und war noch in westlichen Außenbezirken unterwegs, als er um 6.30 Uhr Ortszeit auf dem Gelände des Bahnhofs Marsandiz mit der entgegenkommenden Lok zusammenprallte.

Rettungsmannschaften suchten in den ineinander verkeilten und zerstörten Waggons nach Opfern des Unglücks. Unter den Todesopfern sind der Führer der Wartungslok und die beiden Zugführer des Hochgeschwindigkeitszuges. Warum die Lok auf demselben Gleis fuhr wie der Zug, blieb unklar.

Noch vor Abschluss der Arbeiten am Unglücksort meldeten sich Kritiker der Behörden zu Wort. Der betroffene Streckenabschnitt sei übereilt für den Verkehr freigegeben worden, sagte Hasan Bektas, der Chef der Transportgewerkschaft BTS. Die Züge rollten auf der viel befahrenen Strecke, obwohl es keine funktionierende Signalanlage gebe, sagte Bektas. Stattdessen verlasse man sich auf eine Kommunikation per Funkgerät: „Wir haben immer wieder gewarnt“, sagte der Gewerkschafter. Doch die Einwände seien ignoriert worden, weil die Strecke unbedingt vor den Parlamentswahlen im Juni in Betrieb genommen werden sollte.

Die türkische Regierung hat in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten den Ausbau des Bahnnetzes und die Privatisierungen von Bahnbetrieben vorangetrieben. Kritiker wie der Gewerkschafter Bektas sprechen von rücksichtslosem Gewinnstreben und gefährlichen Eingriffen der Politik in den Bahnverkehr. Schon nach dem vorigen schweren Unglück, bei dem im Juli in Corlu 24 Menschen umkamen, hatten Kritiker den Behörden schwere Vorwürfe gemacht.

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Erstellt:
14. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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