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Handel dringt auf rasche Öffnung der Läden

dpa Düsseldorf. Der Einzelhandel fürchtet eine gewaltige Pleitewelle, wenn die Geschäfte noch lange geschlossen bleiben. Vor allem dem Modehandel läuft die Zeit davon. Und manche Ladenkette fühlt sich ohnehin unfair behandelt.

Geschlossene Geschäfte im Köpenick-Center in Berlin. Einzelhändler können den Verlust der Kundschaft schwer ausgleichen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Geschlossene Geschäfte im Köpenick-Center in Berlin. Einzelhändler können den Verlust der Kundschaft schwer ausgleichen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Nach mehr als vier Wochen Stillstand in den deutschen Einkaufstraßen und Shopping-Centern wird der Ruf nach einer Wiederöffnung der Geschäfte im Handel immer lauter.

„Wenn die Läden in den Innenstädten noch lange flächendeckend schließen müssen, droht eine gewaltige Pleitewelle und somit ein bleibender Schaden für unsere vitalen Stadtzentren“, warnte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Der Einzelhandel müsse flächendeckend wieder öffnen dürfen, sobald dies gesundheitspolitisch vertretbar sei, verlangte er einen Tag vor der für Mittwoch erwarteten Entscheidung von Bund und Ländern über eine Lockerung der strengen Regeln in der Corona-Krise.

Besonders der Modehandel hat das Gefühl, dass ihm die Zeit davonläuft. Der Sprecher des Handelsverbandes Textil (BTE), Axel Augustin, betonte: „Jeder Tag, den wir warten müssen, tut weh. Eigentlich muss es spätestens Anfang Mai wieder losgehen, sonst wird es wirklich übel für uns“. Die Modebranche stehe besonders unter Druck. Denn ihr entgehe durch die Ladenschließungen nicht nur ein Großteil des Frühjahrs-Umsatzes, in den geschlossenen Geschäften stapele sich auch immer mehr Frühjahrs- und Sommerware, die vor Monaten bestellt worden sei, jetzt geliefert werde, aber von Tag zu Tag schwerer zu verkaufen sei. Der Neuanfang werde ohnehin schwierig, befürchtet der Branchenkenner. „Wir rechnen nicht damit, dass die Leute die Läden stürmen.“

Auch einige Handelsketten fühlen sich unfair behandelt. Der Textildiscounter KiK etwa verlangt, die Politik müsse endlich die Ungleichbehandlung im stationären Handel beenden. „Auch wir wollen - genau wie Vollsortimenter oder Baumärkte - möglichst zeitnah alle KiK-Filialen wieder für unsere Kunden öffnen.“ Der Billiganbieter Tedi drängt: „Die Politik muss jetzt Schluss machen mit wettbewerbsverzerrenden Sonderregelungen für Baumärkte, ausgewählte Sonderposten-Märkte und Voll-Sortiment-Anbieter, die neben Lebensmitteln auch weiterhin Kleidung, Spielwaren, Blumen oder Dekorationsartikel anbieten dürfen.“

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels will dagegen vor allem wieder offene Buchläden sehen. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Buchhandlungen bei möglichen Lockerungen der Einzelhandelsschließungen zu den ersten Geschäften gehören, die wieder öffnen dürfen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis. Bücher seien essenzieller Teil der „geistigen Grundversorgung“ und Buchhandlungen somit für die Gesellschaft systemrelevant.

In Österreich konnten am Dienstag nach vierwöchiger Schließung wegen der Corona-Krise zahlreiche Geschäfte erstmals wieder öffnen. Von der Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen profitierten zunächst kleine Läden mit weniger als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie die Bau- und Gartenmärkte. Erst in einer zweiten Stufe sollen vom 2. Mai an alle Geschäfte in Österreich wieder öffnen dürfen, dazu zählen auch die Friseure. Von Mitte Mai an könnten die Lokale und Restaurants folgen.

In Deutschland stößt eine solche Zwei-Stufen-Strategie bei der Öffnung der Läden allerdings auf Widerstand. Der Handelsverband Deutschland etwa mahnte, es dürfe bei der Öffnung der Geschäfte keine Unterschiede zwischen den Branchen oder zwischen großen und kleinen Läden geben. „Es darf kein Handelsunternehmen benachteiligt werden. Alles andere führt nur zu Rechtsunsicherheiten, Verunsicherung und Wettbewerbsverzerrungen“, sagte Genth.

Hotels und Gastronomiebetriebe gehen unterdessen davon aus, noch einige Zeit von Einschränkungen betroffen zu sein. „Es wird weiter weniger Veranstaltungen, Tagungen oder Kongresse geben“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Gaststättenverbandes Dehoga, Ingrid Hartges. Der Besuch von Clubs, Diskotheken oder Bars sei vermutlich ebenfalls erst später wieder möglich. Mit Blick auf eine künftige Lockerung der Maßnahmen in der Corona-Krise verlangte sie vor allem ein einheitliches Vorgehen von Bund und Ländern. „Ganz wichtig ist für die Branche und die Bevölkerung, dass die Regelungen verständlich und bundesweit einheitlich sind.“

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Erstellt:
14. April 2020, 12:58 Uhr

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