Volle Innenstädte trotz Ausgangsbeschränkungen im Südwesten

dpa/lsw Stuttgart. Kein Schaufensterbummel, nur zielgerichtet einkaufen - diese Parole hatte Ministerpräsident Kretschmann vor dem Wochenende ausgegeben. Manche Fußgängerzone war dann aber rappelvoll. Der Grund ist klar.

Menschen gehen mit vollen Einkaufstüten über eine Einkaufsstraße. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Menschen gehen mit vollen Einkaufstüten über eine Einkaufsstraße. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Von den seit Samstag landesweit gültigen Ausgangsbeschränkungen ist am dritten Adventswochenende - zumindest tagsüber - in vielen Innenstädten nichts zu sehen gewesen. Mit Blick auf die von Bund und Ländern geplante weitgehende Schließung des Handels zogen unzählige Menschen los, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. „Das sind reine Panikkäufe“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Sabine Hagmann, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Wegen Ausnahmen in den neuen Regularien und weil der Handel noch öffnen darf, ist das prinzipiell auch erlaubt. Nachts werden die neuen Corona-Regeln gut eingehalten. Für Verstöße drohte Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit Bußgeldern.

Wegen steigender Corona-Zahlen mit Tausenden Neuinfektionen und Dutzenden Toten täglich hatte die Landesregierung am Freitag allgemeine Ausgangsbeschränkungen für ganz Baden-Württemberg erlassen. Man braucht nun immer einen „triftigen Grund“, um das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Das können zum Beispiel die Arbeit oder ein Arztbesuch sein, aber auch die Versorgung Pflegebedürftiger oder von Tieren. Tagsüber dürfen maximal fünf Menschen über 14 Jahre aus zwei Haushalten zusammenkommen. Nachts darf man ohne triftigen Grund niemanden treffen, der nicht im eigenen Haushalt lebt.

Dennoch waren am Samstag viele Fußgängerzonen wie in Stuttgart und Reutlingen rappelvoll. Viele hätten schnell noch Weihnachtsgeschenke kaufen wollen, sagte die Handelsverbands-Geschäftsführerin. Aber auch Klopapier, Zitronat und Puderzucker beispielsweise seien hier und da ausverkauft gewesen. „Das kommt auch wieder“, beruhigte Hagmann. „Da braucht man sich keine Sorgen machen.“

Die von Bund und Ländern beschlossene Schließung weiter Teile des Einzelhandels ab Mittwoch sei kurz vor Weihnachten eine schlimme Nachricht auch für die Beschäftigten, machte die Hauptgeschäftsführerin deutlich. Die Menschen müssten mitunter in Kurzarbeit, verlören einen Teil ihres Einkommens oder gar den Job.

Sie habe Verständnis, dass die Politik wenig Erfahrung im Umgang mit einer Pandemie habe und im Zweifel zügig handeln müsse, so Hagmann. Aber wochenlang hätten Politiker einen Lockdown quasi ausgeschlossen. Die Schäden, die jetzt entstehen könnten, bedeuten aus ihrer Sicht für manche Händler das Aus. „Das ist irreparabel, wie da mitten im Weihnachtsgeschäft eingegriffen wird.“ Manche hätten die Preise schon reduziert, um die Ware mit weniger Verlust zu verkaufen, als wenn man sie wegschmeißen müsse. Es komme jetzt darauf an, schnell Entscheidungen zu treffen, wer die Schäden trägt, wie Insolvenzen vermieden und Arbeitsplätze gerettet werden können, sagte Hagmann.

Innenminister Strobl rief die Menschen auf, sich an die neuen Regeln zu halten. Die Polizei werde die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie landesweit kontrollieren. „Zunächst gilt es, den Menschen mit Augenmaß die neuen Regeln nahe zu bringen“, sagte der CDU-Politiker der dpa. „Die Polizei wird mit Fingerspitzengefühl und auch der erforderlichen Konsequenz die Einhaltung überwachen, insbesondere der nächtlichen Ausgangsbeschränkungen in ganz Baden-Württemberg.“

Die Polizei in der Landeshauptstadt beispielsweise überprüfte in der Nacht zum Sonntag rund 500 Autos und 800 Personen. Ein Großteil der kontrollierten Personen habe einen triftigen Grund gehabt, sich im Freien aufzuhalten. Die meisten Autofahrer seien auf dem Weg nach Hause gewesen. Rund 170 Personen hatten keinen solchen Grund.

In der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs, Mannheim, kontrollierte die Polizei laut Mitteilung 434 Autos und 512 Personen. 67 Personen hätten dabei gegen die Vorgaben verstoßen. Insgesamt sei die Nacht aber ruhig und ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen.

Nach Angaben der Polizei waren am Samstagabend gegen 21.30 Uhr in der Stuttgarter Innenstadt nur noch wenige Fußgänger unterwegs. Auch der Verkehr auf den Straßen hatte im Laufe des Abends stark nachgelassen und in Bussen und Bahnen waren nur noch wenige Fahrgäste unterwegs. Ähnliches berichteten die Mannheimer Kollegen.

Strobl warnte davor, sich über die Ausgangsbeschränkung am Abend und in der Nacht hinwegzusetzen: „Wer nach 20.00 Uhr unterwegs ist, zu Fuß oder mit dem Rad, motorisiert oder im ÖPNV, sollte einen guten Grund haben, der von der neuen Corona-Verordnung gedeckt ist. Wer sich dann ohne triftigen Grund in der Öffentlichkeit aufhält, muss mit einem Bußgeld rechnen.“ Dessen Höhe war zunächst unklar.

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Erstellt:
13. Dezember 2020, 11:07 Uhr

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