Heilbronns Polizei sprengt Drogenring: Zufall half mit

dpa/lsw Heilbronn. Glück muss man haben, auch als Ermittler: Weil eine maskierte Schlägertruppe an der falschen Haustür klingelt, kommt die Polizei in Heilbronn Dutzenden Drogenhändlern auf die Schliche. Sie sollen europaweit mit tonnenweise Koks und Marihuana gehandelt haben.

Ein Häufchen Kokain liegt auf einer Oberfläche. Foto: Christian Charisius/dpa/Symbolbild

Ein Häufchen Kokain liegt auf einer Oberfläche. Foto: Christian Charisius/dpa/Symbolbild

Mit ein bisschen Glück, dem richtigen Riecher und vor allem nach langen Ermittlungen hat die Heilbronner Polizei einen internationalen Drogenring gesprengt. Dutzende Männer sollen tonnenweise Marihuana und Kokain im Wert von mindestens 11,4 Millionen Euro besorgt und verkauft haben. „Noch nie hat das Polizeipräsidium ein Rauschgiftverfahren in dieser Dimension aufgeklärt“, sagte Heilbronns Polizeipräsident Hans Becker am Donnerstag.

Die Bande soll seit Oktober 2019 mindestens 2,6 Tonnen Marihuana und rund 30 Kilo Kokain abgesetzt haben. Weitere rund 110 Kilogramm Rauschgift konnte die Polizei beschlagnahmen. Bei Razzien fanden die Ermittler seit Jahresbeginn zudem gefälschte Ausweise, illegale Schusswaffen, Munition und Luxusautos sowie rund 359 000 Euro Bargeld.

Die teils polizeibekannte Bande verkaufte die Betäubungsmittel und Drogen nach Angaben der Ermittlungsgruppe „Tornado“ vor allem im Raum Heilbronn, in Stuttgart und Karlsruhe an Dealer. Bislang wurden 31 Haftbefehle erlassen. 28 mutmaßliche Drogenhändler - vor allem aus Osteuropa - sitzen in Haft, einer der Bandenchefs soll sich noch in der Türkei aufhalten.

Razzien und Nobelschlitten, Drogendealer in einer Gartenhütte, eine Schießerei und eine wilde Verfolgungsjagd - die Ermittlungen erinnern an ein Drehbuch für einen Fernsehkrimi. Den Drogengeschäften kamen die Beamten vor fast einem Jahr zunächst durch einen kuriosen Vorfall auf die Spur: Mitte Januar klingelten maskierte Männer an einer Wohnung in der kleinen Ortschaft Güglingen (Kreis Heilbronn), sie wurden aber von einem Familienvater an der Türe mit einem Besen zurückgedrängt und mussten erfolglos wieder abziehen.

„Wir sind eigentlich von einem versuchten Raub ausgegangen, nicht von einem Drogendelikt und erst recht nicht in diesem Ausmaß“, sagte Kripo-Chef Thomas Schöllhammer. Bei Zeugenbefragungen wenige Tage später stieß die Polizei in einer anderen Wohnung im selben Haus allerdings auf ein Drogenlager. „Da war ein Kollege an der geschlossenen Türe fast wie ein Rauschgifthund“, erinnert sich Schöllhammer. „Der hat gerochen, dass da irgendwas im Raum gewesen ist.“ Der Wohnungsinhaber soll Kurierfahrer für zwei Männer gewesen sein, außerdem soll er für die Beiden Rauschgift aufbewahrt haben.

Jetzt wurden die Ermittler neugierig: Sie verhörten und recherchierten - und schlugen wenige Monate später während eines Drogengeschäfts in einem Schrebergarten in Heilbronn zu. Nach den Festnahmen begannen sie, die Strukturen des Drogenrings akribisch aufzudecken. Demnach wurden die Betäubungsmittel der Drogenhändler mit Autos aus dem Ausland nach Deutschland gebracht. Das Kokain wurde an der deutsch-niederländischen Grenze übernommen, das Marihuana stammte aus Spanien. Dem Vater eines der Drahtzieher der Bande wird zudem Geldwäsche vorgeworfen.

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Erstellt:
17. Dezember 2020, 16:16 Uhr

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