Kamera-Skandal an Uni Freiburg
Heimlich gefilmt in Uni-Toiletten und auf Dienstreisen – weitere Betroffene
Heimlich gefilmt in Uni-Toiletten und auf Dienstreisen - nach dem Skandal an der Uni Freiburg melden sich weitere Betroffene. Wie die Hochschule jetzt reagieren will.
© Patrick Seeger/dpa/Patrick Seeger
Ein Ex-Mitarbeiter der Uni Freiburg soll Frauen in intimen Situationen heimlich gefilmt haben.
Von red/dpa
Ein Fall um heimlich gemachte Fotos eines Ex-Mitarbeiters der Uni Freiburg und dem Umgang der Hochschule damit schlägt hohe Wellen. Es geht um Aufnahmen, die der Mann unbemerkt von Frauen in intimen Situationen gemacht haben soll - nach Angaben der Staatsanwaltschaft etwa in einer von ihm privat an die Frauen vermieteten Wohngemeinschaft sowie auf einer Tagung, bei der damalige Kolleginnen des Mannes von diesem gefilmt wurden. Nach Worten der Universität geschahen solche Taten aber auch in Sanitärräumen der Hochschule selbst sowie in Beratungssituationen.
Letzteres habe die Uni jedoch erst im Zuge einer Gerichtsverhandlung gegen den Mann erfahren. Diese Taten seien verjährt. Vor einigen Tagen wurde der Mann vom Amtsgericht Freiburg zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt - die Staatsanwaltschaft Freiburg legte Berufung ein. Sie hatte zweieinhalb Jahre Haft gefordert.
Kritik am Umgang der Uni mit den Geschehnissen
Einer Einladung der Uni, die am vergangenen Montag zu einem Austausch geladen hatte, waren nach Angaben der Universität zahlreiche Studierende und Mitarbeiter gefolgt - und nicht alle seien zufrieden mit der Handhabung der Geschehnisse. „Viele von Ihnen haben zum Ausdruck gebracht, dass Sie sich mehr Unterstützung und Kommunikation gewünscht hätten“, hatte die Hochschule nach der Veranstaltung in einer Stellungnahme mitgeteilt. Man wolle den bisherigen Umgang der Uni mit dem Fall aufarbeiten, externe Expertise dafür einholen und die Betroffenen bestmöglich unterstützen.
Weitere Betroffene melden sich bei Polizei
Bei der Polizei Freiburg haben sich inzwischen weitere Personen gemeldet, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Informationen dazu würden derzeit zusammengetragen. Wieviele neue Hinweise oder Betroffenen es gibt, könne derzeit nicht gesagt werden. Derzeit sei ein sogenannter Prüfvorgang anhängig. Damit solle geklärt werden, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt.
Beschuldigter schon 2024 fristlos gekündigt
Dem Ex-Mitarbeiter war nach Worten der Universität umgehend nach Bekanntwerden der Vorwürfe und Durchsuchungen an der Hochschule im Februar 2024 fristlos gekündigt worden. Nach einer Kündigungsschutzklage habe man sich mit dem Mann im Sommer 2024 im Rahmen eines Vergleichs geeinigt. Da die Staatsanwaltschaft Berufung gegen die vom Amtsgericht verhängte Bewährungsstrafe eingelegt hat, geht der Fall nun zum Landgericht.
