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Heuern und feuern

Die Dallas Mavericks und Profi Harrison Barnes trennen sich während der Partie gegen Charlotte

Dirk Nowitzki spielt schon lange in der Basketball-Liga NBA, doch das hat der Würzburger noch nicht erlebt: Ein Teamkollege von den Dallas Mavericks wird während eines Spiels transferiert – das stößt dem Superstar sauer auf.

Dallas /DPA - Klingt wie aus der legendären TV-Serie der 1980er. Bei „Dallas“ ging J. R. Ewing als gewissenloser Geschäftsmann mitunter auch über die Grenzen des Zumutbaren hinaus – wieso sollte das beim Basketball-Club Dallas Mavericks anders sein? Ein verrücktes Transfergeschäft hat selbst Dirk Nowitzki nach mehr als 20 Jahren in der NBA überrascht – und schwer enttäuscht. Während der laufenden Partie gegen die Charlotte Hornets wurde der Abgang seines Kollegen Harrison Barnes bekannt. „Ich saß auf der Bank, als ich es herausgefunden habe“, berichtete Nowitzki frisch geduscht nach dem 99:93-Sieg über den für ihn verblüffenden Wechsel. „Ich bin enttäuscht für meinen Jungen, jeder weiß, wie eng wir uns standen. Wir werden ihn vermissen.“

Die Stimmung in der blau erleuchteten Mavs-Kabine war trotz des sportlichen Erfolgs ziemlich gedrückt. Mitarbeiter räumten die persönlichen Gegenstände aus dem Spind von Barnes, als sich Nowitzki direkt daneben anzog. Coach Rick Carlisle wurde vom Management keine 24 Stunden vor Transferschluss nach eigener Aussage ebenfalls reichlich kalt erwischt. In den ersten drei Vierteln stand der 26 Jahre alte Stammspieler Barnes noch auf dem Feld, dann verbreitete sich die Nachricht vom Wechsel zu den Sacramento Kings rasant im American Airlines Center. „Deshalb hat er zum Ende nicht mehr gespielt“, sagte Carlisle.

Kurz nach Nowitzki und Maxi Kleber, dem zweiten deutschen Mavs-Profi, kam Barnes das letzte Mal als Dallas-Profi vom Spielfeld und hatte auf dem Weg in die Kabine sein Trikot schon ausgezogen. Obwohl er von seinem erzwungenen Abschied aus Texas erfuhr, hatte der Flügelspieler seine alten Teamkollegen bis zum Schluss weiter angefeuert. „Er ist ein besserer Mann als ich – jeder andere wäre abgehauen“, gestand Nowitzki. „Er ist so ein guter Typ.“

Barnes bedankte sich via Instagram für zweieinhalb Jahre in Dallas. Sein Agent Jeff Schwartz sagte, dass der Spieler trotz kurzfristiger Gespräche über den möglichen Wechsel habe auflaufen wollen – während der Partie kam dann jedoch der Abschluss. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagte Charlottes Nicolas Batum erstaunt.

Die Mavs erhalten im Tausch von den Kings Zach Randolph und Justin Jackson. Vor allem haben sie nun im Sommer mehr Geld, um Neuzugänge zu holen. „Das ist verrückt im Moment. Diese Woche war wie ein Zoo“, sagte Carlisle, äußerte aber Verständnis. „Es ist ein dynamisches Geschäft, und du nimmst die Dinge, wie sie passieren.“ Zuletzt hatte Dallas in einem Tauschgeschäft mit sieben involvierten Spielern Jungstar Kristaps Porzingis von den New York Knicks geholt.

Auch der frühere Bayern-Profi Kleber zeigte sich vom Abgang Barnes’ getroffen. „Es ist sehr frustrierend für mich, weil Harrison einer meiner engsten Freund hier war, einer der besten Profis, die ich je als Teamkollege hatte“, sagte der 27-Jährige sichtbar entsetzt. Da Dallas vor der Saison den slowenischen Europameister Luka Doncic in der Draft geholt hatte, besitzt der Meister von 2011 nun trotz des aktuellen Tabellenplatzes hinter den Play-off-Rängen mittelfristig beste Aussichten.

Trotz des grundsätzlichen Verständnisses für die geschäftliche Seite kommentierte ­LeBron James die Art des Handels wütend. „Lasst mich raten, es ist cool, weil sie das machen müssen, was für das Team richtig ist???“, schrieb der Superstar der Los Angeles Lakers. „Sie haben den Mann getradet, während er buchstäblich gespielt hat und null Ahnung hatte.“ Zumindest finanziell trägt Barnes keinen Schaden und kann sich trösten: Kommende Saison kann er in Sacramento mehr als 25 Euro verdienen. J. R. Ewing hätte kaum anders gehandelt.

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Erstellt:
8. Februar 2019, 03:14 Uhr

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