„Hier leben, wo andere Leute Urlaub machen“

Bürgermeisterwahl Auenwald: Bei der Kandidatenvorstellung der Gemeinde versprechen Karl Ostfalk, Kai-Uwe Ernst und Matthias Bacher, sich mit voller Energie und Leidenschaft für die Gemeinde und deren Bürger einsetzen zu wollen. Die Kandidaten appellieren an die Bürger, zu wählen, entweder persönlich oder per Briefwahl.

Drei Männer, die alle der neue Bürgermeister von Auenwald werden wollen (von links): Matthias Bacher, Kai-Uwe Ernst und Karl Ostfalk. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Drei Männer, die alle der neue Bürgermeister von Auenwald werden wollen (von links): Matthias Bacher, Kai-Uwe Ernst und Karl Ostfalk. Foto: A. Becher

Von Florian Muhl

AUENWALD. Wacker geschlagen haben sich bei der offiziellen Kandidatenvorstellung der Gemeinde am Mittwochabend die drei ernsthaften Bewerber, die zur Bürgermeisterwahl in Auenwald am 14. März antreten werden. Der amtierende Verwaltungschef Karl Ostfalk sowie seine beiden Herausforderer Kai-Uwe Ernst und Matthias Bacher haben eine gute Figur gemacht. Letztlich gab es am Ende der gut anderthalbstündigen Veranstaltung von den Gemeinderäten, die sich in der Auenwaldhalle eingefunden hatten, einen kurzen, höflichen Applaus. Nicht nur für die drei Bewerber, sondern auch für Evy Kunze, die „ältere Semester“, wie sie selbst sagte, eventuell noch vom lokalen RMB-Radio oder L-TV-Fernsehen her kennen könnten. Die Moderatorin führte professionell und kurzweilig durchs Programm.

Interessierte Bürger hatten wegen der aktuellen Pandemiesituation keinen Zutritt zur Halle. Deshalb wurde die Kandidatenvorstellung live über den gemeindeeigenen YouTube-Kanal übertragen. Die Veranstaltung bestand aus zwei Teilen. Zunächst durften sich die Kandidaten in maximal 15 Minuten Redezeit selbst vorstellen. Daran schloss sich eine Fragerunde an.

Karl Ostfalk als erster Redner nutzte sein Zeitlimit fast voll aus. Er hat sich „mit voller Überzeugung“ beworben und will „mit ganzer Kraft unser schönes Auenwald erfolgreich weiter gestalten“, so der Amtsinhaber, der seinen Hut für eine dritte Amtszeit in den Ring warf. Der 62-Jährige, der mit seiner Frau Martina zwei Kinder hat, gab sich bürgernah: „Wir konnten und können immer selbst spüren, wo noch etwas optimiert werden kann oder optimiert werden muss.“ Viele Aufgaben und Projekte habe er seit 2005 „anpacken und erfolgreich umsetzen“ können. Die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze seien in diesem Zeitraum von 688 (2004) auf 971 (2019) gestiegen. Ostfalk verwies mehrfach auf sein fundiertes Fachwissen und seinen breiten Erfahrungsschatz.

Kai-Uwe Ernst hatte am Ende seiner Redezeit noch drei Minuten und 20 Sekunden, die er verstreichen ließ. Mit seinen 26 Jahren ist Ernst, der als Sachbearbeiter beim Finanzamt Waiblingen arbeitet, der jüngste der Kandidaten. Trotz seines jungen Alters könne er auf zehn Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Dieser Tage habe er sein Studium an der dualen Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg erfolgreich abschließen können. Der Herausforderer sagte, dass er bei Bürgergesprächen mehrfach von „Kommunikationsschwierigkeiten mit dem derzeitigen Amtsinhaber“ gehört habe. „Es darf nicht sein, dass Anfragen, egal von wem, über Wochen, Monate oder sogar Jahre oder zum Teil komplett unbeantwortet bleiben“, zeigte sich Ernst angriffslustig. Er will Liegengebliebens anpacken, kündigte Ernst für den Fall seiner Wahl an. Beispielsweise den 2018 beschlossenen Chillplatz für Jugendliche, den es noch immer nicht gibt.

Matthias Bacher stellt sich zur Bürgermeisterwahl, weil er ein „lebendiges und zukunftsfähiges Auenwald“ möchte. Der 58-Jährige wohnt mit seiner Familie schon 28 Jahre in Mittelbrüden. Der Maschinenbauingenieur befasst sich mit Energierückgewinnung und erneuerbaren Energien und ist selbstständig mit einem Ingenieurbüro in Backnang, das er im Fall seiner Wahl schließen würde. Auch Bacher mahnte den Chillplatz an. Er habe folgenden Kommentar eines 16-Jährigen dazu gehört: „Wenn die zukünftig in der gleichen Schnelligkeit dieses Thema angehen, dann brauche ich keinen Chillplatz mehr, dann bin ich erwachsen.“ Auch für die älteren Bürger will Bacher das Angebot erweitern, beispielsweise durch einen Seniorensport oder einen Einkaufsbus. Zudem will er sich für eine schnelle und stabile Internetverbindung für alle starkmachen.

Im zweiten Teil der Kandidatenvorstellung kamen die Fragen dran, die die Bürger zuvor einschicken konnten. Das waren allerdings so viele, dass der Gemeindewahlausschuss diese zu Themenkomplexen zusammengefasst hat. Abwechselnd beginnend durfte jeder Kandidat in maximal einer Minute seine Ideen und Vorstellungen vortragen.

„Wo sehen Sie Auenwald in acht Jahren?“, fragte Kunze, die zuvor folgende Zahlen nannte: Vor 50 Jahren, als die Gemeinde gegründet wurde, gab es 4000 Einwohner, heute sind es 6800. „Ähnlich wie heute, nicht wachsend“, sagte Ostfalk. Bacher sieht auch kein großes Wachstum, während Ernst die Gemeinde als aufstrebend bezeichnete und durchaus Wachstumspotenzial sieht.

„Es war ja schon angeklungen, dass Sie hier leben, wo andere Leute Urlaub machen“, sagte die Moderatorin, aber bezahlbarer Wohnraum fehle. Das Thema Wohnen handelte der im Nabu aktive Kandidat Bacher rasch ab: „Ich bin kein Freund von Neubaugebieten auf der grünen Wiese.“ Er will leer stehende Gebäude und Wohnungen sowie innerörtliche Baulücken nutzen und entsprechende Gespräche mit den Eigentümern führen. Ostfalk sagte, dass es bereits mehrere neue Mehrfamilienhäuser gebe, allein im Neubaugebiet Hauäcker 35 bis 40 Wohnungen. Weiteres Potenzial sei in Oberbrüden im Bereich der Sängerhalle gegeben. Bei Leerstand könne die Gemeinde eine Prämie des Landes weitergeben, aber man könne keinen Eigentümer zwingen. Ernst will auch das Gespräch suchen, aber die Gemeinde müsse auch Wohnraum anbieten können.

Dass die Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Bürgern zu wünschen übrig lässt, brachte Kunze als nächsten Punkt vor. „Diese Kritik ist völlig in Ordnung“, gestand Ostfalk zu, der ankündigte: „Für mich ist klar, dass wir uns da auch professionelle Hilfe holen müssen.“ Der Bürgermeister gelobte Besserung. Herausforderer Ernst sagte: „Für mich ist Kommunikation das A und O. Man braucht den regen Austausch.“ Er sei jetzt schon ständig erreichbar und werde das auch als Bürgermeister so handhaben. Bacher will ein bürgernaher Bürgermeister sein. Für den 58-Jährigen darf der Bürger, der zum Rathaus kommt, kein Bittsteller sein, sondern er sei willkommen und man kümmere sich um sein Anliegen.

Falschparker und Raser – ein weiteres Thema, das die Bürger in ihren Fragen angesprochen hatten. Durchgreifen will Ernst bei den Falschparkern und diese abschleppen lassen. Gegen die Raser will er Tempolimits anordnen und Blitzer aufstellen sowie am Anfang des Ortes Inseln erstellen, die Autofahrer zum Bremsen zwingen. Bacher habe bei seiner Zuhörtour bereits gehört, dass man die Bremsniere in Mittelbrüden doch locker mit 70 packe. Durch Falschparker werde ein Stop-and-go-Verkehr erzeugt, der „uns umweltmäßig zu sehr belastet“. Aber bei Kreisstraßen habe die Gemeinde nicht das Sagen. Geschwindigkeitsmaßnahmen habe die Gemeinde bereits realisiert, sagte Ostfalk, der auf Kreisverkehre und Bremsnieren verwies. Ohne die würde noch viel schneller gefahren werden. Zudem sei im Dezember im Gemeinderat beschlossen worden, dass Profis kommen und zum Thema Verkehr und Parken ein Konzept erstellen würden.

Die Kandidatenvorstellung wurde aufgezeichnet und kann bis zum Wahltag am 14. März jederzeit erneut abgerufen werden. Den Link dazu gibt es auf der Homepage der Gemeinde unter www.auenwald.de.


Das Video dauert rund eine Stunde und 50 Minuten und beginnt mit einem 15-minütigen Einspieler über die Gemeinde.

BKZ-Wahlpodium am Dienstag

Die Backnanger Kreiszeitung veranstaltet zur Bürgermeisterwahl in Auenwald ein digitales Wahlpodium. Die drei ernsthaften Bewerber Karl Ostfalk, Kai-Uwe-Ernst und Matthias Bacher werden sich dabei den Fragen von Redaktionsleiter Kornelius Fritz stellen.

Zu sehen ist die Diskussionsrunde am Dienstag, 9. März, ab 19 Uhr auf der Homepage www.bkz.de und über den YouTube-Kanal der Backnanger Kreiszeitung.

Auch die Leserinnen und Leser unserer Zeitung haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wer eine Frage an einen bestimmten oder an alle drei Kandidaten hat, schickt diese bis spätestens Sonntag per E-Mail an
k.fritz@bkz.de. Eine Auswahl der Leserfragen wird der Moderator im Gespräch mit den Bewerbern aufgreifen.

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Erstellt:
5. März 2021, 06:00 Uhr

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