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Hilfsfonds für Händler im Gespräch

Marbacher Einzelhändlern sollen während Sanierung der Fußgängerzone Hilfe bekommen – Gremien müssen erst diskutieren

Die Verwaltung der Stadt Marbach überlegt, wie Geschäftsleute während der Sanierung der Fußgängerzone unterstützt werden könnten. Eine Idee ist ein Ausgleichstopf – der aber kritisch gesehen wird.

Die Marbacher Innenstadt kommt eher trist daher. Das soll sich mit der Sanierung 2021 ändern. Bis dahin könnte vielleicht auch ein Citymanager an Bord sein. Foto: W. Kuhnle

© Werner Kuhnle

Die Marbacher Innenstadt kommt eher trist daher. Das soll sich mit der Sanierung 2021 ändern. Bis dahin könnte vielleicht auch ein Citymanager an Bord sein. Foto: W. Kuhnle

Von Christian Kempf

MARBACH AM NECKAR. Wenn sich im Gemeinderat die Diskussion um den Zustand der Fußgängerzone dreht, kann man fast darauf wetten, dass irgendwann der Satz fällt: „Es ist schon 5 vor 12.“ Mit diesem Hinweis wollen die Fraktionen unterstreichen, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Doch weil die anvisierte Umgestaltung einen gewissen Planungsvorlauf benötigt, wird die Umgestaltung erst 2021 über die Bühne gehen.

In der Bürgerfragestunde erkundigte sich nun Sabine Köpf, wie die Zeit bis dahin überbrückt werden soll. „Die Attraktivität muss vorangetrieben werden“, forderte die Marbacherin. Das sieht Schultes Jan Trost genauso – der auf verschiedene Optionen verwies, mit denen die schwierige Phase bis zum, aber vor allem auch während des Umbaus überbrückt werden könnte.

„Anfang nächsten Jahres werden wir darüber diskutieren, ob ein Innenstadtkümmerer eingestellt wird“, kündigte Trost an. Dieser Citymanager könnte sich darum bemühen, die Marktstraße wieder mit Leben zu füllen. Er oder sie müsse die Geschäftsleute zusammenbringen und Ideen entwickeln. „Das wird aber sicher eine große Herausforderung sein, so eine Person zu finden, die auf die Einzelhändler zugehen und sie entsprechend begeistern und motivieren kann, die anstehende Durstphase zu überstehen“, konstatierte Trost. Eventuell müsse man zusätzlich darüber diskutieren, einen Unterstützungsfonds für die Einzelhändler aufzulegen, um mögliche Umsatzeinbußen auszugleichen. Er erinnerte an das Beispiel von Kommunen wie Bad Herrenalb, die diesen Weg gegangen seien. In der Stadt im Schwarzwald hätten im Hinblick auf die dortige Gartenschau ebenfalls Umgestaltungen auf dem Programm gestanden.

Auf Nachfrage betont Jan Trost, dass es sich bei dem Unterstützungstopf bislang nur um eine Überlegung handle. Die politischen Gremien müssten darüber erst diskutieren. Sollten die Räte die Idee begrüßen, gehe es darum, Details festzuzurren und die Modalitäten zu klären, nach denen die finanziellen Mittel letztlich ausgezahlt werden. Ein Kriterium könne beispielsweise sein, wie sich der Umsatz im Vergleich zur Vor-Baustellenzeit entwickelt hat.

„Das Geld wäre besser für einen Citykümmerer angelegt“

Man könnte nun vielleicht meinen, dass die Stadt mit diesem Projekt bei den Einzelhändlern offene Türen einrennt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Friedemann Sorg, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Selbständigen Marbach (IGS), findet die Anregung „nicht gut“. Er fragt sich, nach welchen Maßstäben man die Gelder ausschütten sollte. „Man weiß auch nicht, worauf ein Umsatzeinbruch zurückzuführen ist. Es könnte ja auch daran liegen, dass jemand Missmanagement betrieben hat“, erklärt er. Außerdem bestehe die Gefahr, Missgunst unter den Händlern zu säen, nach dem Motto: Der hat was bekommen, ich aber nicht.

Mit seiner Einschätzung liegt Friedemann Sorg auf einer Wellenlänge mit Simon Wurm, dem Vorsitzenden des Marbacher Stadtmarketingvereins. Wurm zweifelt ebenfalls an, dass eine gerechte Verteilung möglich ist. So könnten von einem solchen Fonds auch diejenigen profitieren, die nur jammern und ansonsten die Hände in den Schoß legen. Davon abgesehen sieht Wurm eher die Händler in der Pflicht, etwas zusammen auf die Beine zu stellen. Er könne sich beispielsweise ein Baustellenfest vorstellen. „Und das Geld wäre besser in einem Baustellenmanagement und für einen Citykümmerer angelegt“, betont Wurm. Wichtig sei auch, die Geschäftsleute nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, sondern in der Sanierungsphase einen Ansprechpartner bei den Baufirmen zu haben, ergänzt Friedemann Sorg. Im Dialog mit diesem könnte dann unter anderem sichergestellt werden, dass die Zuwegung für die Kunden nicht urplötzlich versperrt ist. „Entscheidend ist auch, im Vorfeld gut zu planen und Aktionen zu machen“, sagt Sorg.

Letzteres wäre wohl auch wieder ein Feld, bei dem sich ein Citymanager einbringen könnte. Die Entscheidung, ob die Stelle geschaffen wird, soll in der ersten oder zweiten Sitzungsrunde nach Weihnachten fallen, kündigt Trost an.

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Erstellt:
4. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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