Himbeere unter Solarzelle: Baywa will neues Ökostrom-Modell

dpa München. Der Münchner Mischkonzern Baywa will ein süßes Geschäftsmodell für Ökostrom in Deutschland etablieren: Solarzellen als schützendes Dach für den Obst- und Beerenanbau. „Wir kommen so zu einer sinnvollen Doppelnutzung der Agrarflächen“, sagte Vorstandschef Klaus Josef Lutz am Freitag. „Wir hätten eine Kostenersparnis und eine weitere Einnahmequelle für den Landwirt.“ Die Solarpaneele könnten Obst und Beeren vor Hagel und anderen Unbilden des Wetters schützen.

BayWa-Fahnen wehen vor einem Technik-Zentrum der BayWa AG im Hafen von Bamberg. Foto: Guido Bergmann/dpa/Archivbild

BayWa-Fahnen wehen vor einem Technik-Zentrum der BayWa AG im Hafen von Bamberg. Foto: Guido Bergmann/dpa/Archivbild

„Der Bodensee würde sich förmlich anbieten, aber auch Südbaden, mit der Sonne, die da immer wunderbar scheint“, sagte Lutz. Bei den bislang üblichen Freiflächenanlagen werden Solarkraftwerke zwar auf Äckern errichtet, aber keine Nutzpflanzen mehr angebaut.

Die Baywa hat Eigeninteresse an der Förderung der sogenannten Agri-Photovoltaik, da das Unternehmen Ökostrom-Anlagen baut und vertreibt. In China gibt es laut Baywa bereits größere Anlagen, in den Niederlanden eine erste kombinierte Himbeer- und Sonnenstromplantage.

Ein Hemmnis sind jedoch die Förderregularien sowohl für die Landwirtschaft als auch die erneuerbaren Energien. Errichtet ein Bauer eine Solaranlage über seinen Beeren, verliert er damit laut Baywa den Anspruch auf Agrarzuschüsse, weil die betreffende Anpflanzung nicht mehr als reine Agrarfläche zählt. Und im Erneuerbare-Energien-Gesetz seien fruchtbare Äcker auch nicht berücksichtigt, sagte Lutz. „Das muss politisch und rechtlich geklärt werden.“

Da Pflanzen Sonne brauchen, können auf den Modulen für Obstpflanzungen weniger Solarzellen montiert werden als in herkömmlichen Freiflächenanlagen. Deswegen erzeugt eine Agri-PV-Anlage laut Baywa auf vergleichbarer Fläche auch 20 bis 30 Prozent weniger Strom und hat dementsprechend höhere Kosten - was nach Einschätzung des Unternehmens durch die Doppelnutzung aber mehr als ausgeglichen werden könnte.

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Erstellt:
11. September 2020, 12:49 Uhr

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