Täter und Opfer Tür an Tür: Hörspiel zum „Hotel Silber“

dpa/lsw Stuttgart. Mit einem Hörspiel wird in Stuttgart an einen wenig bekannten Aspekt in der Geschichte der Widerstandskämpfer, der früheren Gefangenen der Nazis und der Gestapo erinnert. Unter dem Titel „15:14“ arbeitet das Online-Angebot die Biografien von Gestapo-Beamten und verhafteten Widerstandskämpfern auf, die nach dem Krieg als Kollegen in Reihen der Kriminalpolizei Tür an Tür arbeiteten. Als frühere Verfolger und ehemalige Verfolgte waren die 29 Männer nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur in die einstige Gestapo-Zentrale in Stuttgart zurückgekehrt, in das berüchtigte „Hotel Silber“.

Außenaufnahme des Gedenkorts „Hotel Silber“. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Außenaufnahme des Gedenkorts „Hotel Silber“. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

„Das ist ein typisches Kapitel der Nachkriegsgeschichte, wenn es um Kontinuität und Neuanfang geht“, sagte die Leiterin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, Paula Lutum-Lenger, am Freitag. Es war schwer, geeignetes Personal zu finden, es gab Zwänge in einer anderen Zeit. Das Hörspiel baut nach ihren Angaben auf historische Quellen unter anderem aus dem Staatsarchiv in Ludwigsburg.

Im „Hotel Silber“ im Stadtzentrum war früher eine von knapp 20 Gestapo-Leitstellen der Nationalsozialisten untergebracht. Dort organisierten die Nazis die Deportation von Juden und Homosexuellen, dort verhörten sie, folterten und ermordeten Menschen.

Einzigartig in Deutschland ist nach Angaben des Hauses der Geschichte, dass das Gebäude von 1928 bis 1984 ununterbrochen von der Polizei genutzt wurde. Als Lernort dokumentiert das Gebäude heute den alltäglichen NS-Terror. Der Name „Hotel Silber“ stammt noch aus der Nutzung des Areals im 19. Jahrhundert und vom damaligen Besitzer Heinrich Silber.

© dpa-infocom, dpa:211111-99-961411/4

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Erstellt:
12. November 2021, 02:50 Uhr

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