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Holten: Digitalisierung wird Museen ergänzen

dpa/lsw Mannheim. Ist mit einem Online-Ausstellungskatalog das Potenzial der Museen für Digitalisierung bereits ausgeschöpft? Der neue Chef der Kunsthalle Mannheim sagt: „Nein“. Seine Ideen gehen weiter.

Johan Holten, neuer Direktor der Kunsthalle Mannheim, steht im Atrium der Kunsthalle. Foto: Uwe Anspach/Archivbild

Johan Holten, neuer Direktor der Kunsthalle Mannheim, steht im Atrium der Kunsthalle. Foto: Uwe Anspach/Archivbild

Kunstwerke auf Smartphones, Tablets oder PCs dreidimensional betrachten, zoomen oder mit anderen vergleichen - solche Angebote soll es bald auch in der Museumswelt geben. Zumindest, wenn es nach dem neuen Chef der Mannheimer Kunsthalle Johan Holten geht. Die Digitalisierung der Kunst wird sich nach seiner Überzeugung vorwiegend außerhalb der Museen entwickeln. „Ich rechne aber nicht mit einem Bedeutungsverlust der Museen“, sagte der frühere Direktor der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, der Anfang September die Nachfolge von Ulrike Lorenz in Mannheim angetreten hat. Diese steht nun an der Spitze der Klassik Stiftung Weimar.

Der 43-jährige Holten möchte sich dem Thema „Umbau“ widmen, nachdem die Leitung seiner Vorgängerin im Zeichen des Museumsneubaus gestanden habe. Im Sommer 2020 will er mit einer Ausstellung der Werke dreier zeitgenössischer Bildhauerinnen aus China, USA und Deutschland Fragen der Integration im weitesten Sinne beleuchten. Einen „Umbau der Kanons“ soll die zeitgleiche Schau zu vergessenen und in ihrer Zeit wenig beachteten Malerinnen der Neuen Sachlichkeit bewirken, einer Kunstrichtung der Weimarer Republik. Zudem soll das Haus durch kleinere Umbauten und Mobiliar „Wohlfühlräume“ für das Publikum erhalten.

Holten sagte zur Digitalisierungsstrategie: „Wir wollen die digitale Information als eine Ergänzung zur analogen Welt der Ausstellung ausbauen - nicht als Ersatz.“ Dabei fürchte er keine rückläufigen Besucherzahlen - eher im Gegenteil. „Die Einführung von Ausstellungskatalogen vor 200 Jahren hat ja auch nicht dazu geführt, dass sich die Museen geleert haben.“

In der digitalen Welt müssten die Nutzer anders als in Büchern zur Ausstellung, aber auch anders als in Flyern angesprochen werden. Der zweifache Vater, der zwischen 2006 und 2011 Chef des Heidelberger Kunstvereins war, betonte: „Wir müssen eine Form dazwischen finden, die Inhalte spannend und spielerisch präsentiert - und dabei die kurzen Konzentrationsspannen der User berücksichtigt, ohne banal zu werden.“

Die personelle Ausstattung für Digitalisierung an deutschen Museen sei noch mager, sagte der Kunsthistoriker. In der Kunsthalle widmen sich zwei Mitarbeiter der Pflege der Datenbank sowie digitalen Projekten. „Wir könnten locker zehn Leute beschäftigen“, sagte der gebürtige Däne. Dem seien angesichts des Etats und des leer gefegten Marktes an Software-Experten Grenzen gesetzt. Und aus Bordmitteln seien diese Aufgaben in dem neuen Geschäftsfeld nicht zu bewältigen. Hoffnung setzt der ehemalige professionelle Balletttänzer auf einen Antrag mit dem Kunstmuseum Stuttgart auf zusätzliche Digitalisierungsmittel bei der Bundeskulturstiftung.

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Erstellt:
12. September 2019, 15:11 Uhr

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