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Holz oder Stein?

Klimafreundlich bauen – aber wie? Das müssen Bauherren wissen

Ein Haus aus Stein ist solider. Doch in Bezug auf den Klimaschutz punkten Gebäude mit einem Tragwerk ausHolz. Aber wachsen dafür auch genügend Bäume?

Frage: Stuttgart Was ist klimafreundlicher: Holz oder Stein?

Antwort: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, es speichert beim Wachsen Kohlenstoff und lässt sich relativ emissionsarm verarbeiten. In der Studie „Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden“ haben Wissenschaftler um Annette Hafner, Architektin und Juniorprofessorin für ressourceneffizientes Bauen an der Ruhr-Universität Bochum, die Ökobilanzen von Holz und mineralischen Baustoffen verglichen. Beim Wohnungsneubau können demnach durch den Einsatz von Holz zwischen neun und 56 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Der Ausbau – also Fenster, Türen, Böden oder etwa eine Fassadenverkleidung aus Holz – berge weiteres Einsparpotenzial, schreiben die Forscher.

Frage: Ist bei einem Holzhaus das Feuerrisiko höher?

Ludger Dederich, Zimmermann, Architekt und Professor für Holzbau an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg, betont, dass für das Brandrisiko vor allem die sogenannte mobile Brandlast verantwortlich sei. Also die Bücher, Tapeten, Möbel und Gardinen, die sich im Haus befinden. Wichtig sei zudem, dass der Brand innerhalb weniger Minuten entdeckt beziehungsweise gelöscht würde, etwa durch moderne Sprinkleranlagen oder zumindest Rauchmelder. Ob das Tragwerk aus Holz oder Stein sei, spiele da erst mal keine Rolle. In jedem Fall müssen auch Holzhäuser die strengen deutschen Brandschutzverordnungen erfüllen.

Frage: Was sind die Nachteile eines Holzhauses?

Antwort: Grundsätzlich ist Holz empfindlicher bei Feuchtigkeit als Mauerwerk oder Beton. Wenn ein Holzhaus sorgfältig und den Vorgaben entsprechend gebaut wird, ist das hölzerne Tragwerk konstruktiv gegen Nässe und Feuchtigkeit geschützt. Dann steht ein Holzbau auch ohne chemischen Holzschutz in puncto Langlebigkeit einem gemauerten Haus in nichts nach. Die Holzbautechnik hat sich zudem in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt, und so können Holzwände sehr gute schalldämmende Eigenschaften erreichen, etwa durch Kombination mit anderen Baumaterialien wie Beton, Stroh oder Lehm. Alte Fachwerkhäuser seien das beste Beispiel für die Langlebigkeit von Holz: „Die Bäume für die Klosterkirche Maulbronn wurden im Jahr 1146 geschlagen – und das Holz befindet sich heute immer noch in der ersten Nutzung“, sagt Ludger Dederich.

Frage: Ist der Holzbau teurer?

Antwort: „Es kursieren Zahlen, dass Holzbau acht oder zehn Prozent teurer sei, aber eigentlich weiß das niemand so genau“, sagt Holzbauexperte Dederich. Architekten bräuchten bessere Daten. Deshalb hat Dederich ein entsprechendes Forschungsprojekt angestoßen. In jedem Fall sei der Holzbau aber sein Geld wert, ist der Rottenburger Professor überzeugt. Die hervorragenden wärmedämmenden Eigenschaften des Holzes ergäben geringere Heizkosten beziehungsweise weniger Aufwand bei der Erreichung förderfähiger Dämmwerte. Und auch durch das geringe Gewicht von Holz ließen sich Kosten sparen. Wände oder gar ganze Wohnmodule könnten wetterunabhängig vorgefertigt und in wenigen Tagen oder Wochen vor Ort installiert werden. Aus diesem Grund eigne sich Holz auch besonders zur Aufstockung und Nachverdichtung. Weniger Baulärm und -verkehr in der Städt wären ein positiver Nebeneffekt.

Frage: Wie sieht ein Holzhaus aus?

Antwort: Immer mehr Architekten sind überzeugt, dass Holz das Baumaterial der Zukunft ist. Dabei ist die Ästhetik keineswegs an das Modell „Blockhütte“ gebunden. Moderne Holzbauten bieten eher mehr als weniger Gestaltungsspielraum. Je nach Design lassen sie sich von außen kaum von ihren Pendants aus Stein, Stahl und Beton unterscheiden. Baden-Württemberg hat im Ländervergleich bundesweit mit Abstand die höchste Holzbauquote. 2017 wurde bereits fast jedes dritte Wohnhaus aus Holz errichtet. Der Bundesschnitt lag bei 18 Prozent. Im Zuge der 2018 verkündeten „Holzbau-Offensive“ der Landesregierung sollen die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden.

Frage: Gibt es genug Holz in unseren Wäldern?

Antwort: Würde die Holzbauquote hierzulande auf ein Niveau wie heute schon in Skandinavien steigen, nämlich auf 55 Prozent für Ein- und Zweifamilienhäuser und 15 Prozent bei Mehrfamilienhäusern, bräuchte man nach Berechnungen der Bochumer Forschungsgruppe 1,9 Millionen Kubikmeter mehr Rohholz im Jahr. „Diese Menge würde der Wald gut verkraften“, ist Klaus Richter, Professor für Holzwissenschaft an der TU München und wie Annette Hafner Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums, überzeugt. In einer Stellungnahme rechnet der Sachverständigenrat anhand von Modellszenarien vor, dass die Vorräte von den beiden hauptsächlich im Holzbau eingesetzten Nadelholzarten Fichte und Kiefer in den nächsten drei Jahrzehnten „vollkommen ausreichen“ würden, selbst um eine so hohe Holzbauquote wie in Skandinavien zu ermöglichen. Der Sommer 2018 hat allerdings gezeigt, dass insbesondere Fichten und Kiefern stark unter der zunehmenden Trockenheit und steigenden Temperaturen leiden. „Wir müssen die vorhandenen Holzressourcen noch viel besser nutzen“, betont Richter und fordert, dass auch andere heimische Laubhölzer wie Esche oder Birke in das Bauordnungsrecht aufgenommen werden.

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Erstellt:
22. Januar 2019, 09:52 Uhr

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