Im Iran-Krieg droht weitere Eskalation
Hormus-Ultimatum: Welche Folgen hat US-Präsident Trumps Drohung?
US-Präsident Donald Trump verschärft seinen Drohungen Richtung Teheran. Wird der Iran die Straße von Hormus bis Dienstag (24. März) tatsächlich freigeben oder droht eine weitere Gewaltspirale?
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Auf diesem Satelliten(archiv)bild sind die Straße von Hormus (Engstelle in der Mitte), der Persische Golf obere Bildhälfte) und der Golf von Oman zu (untere Bildhälfte) zu sehen.
Von Markus Brauer/dpa
Mit dem Ultimatum von US-Präsident Donald Trump an den Iran droht eine weitere unabsehbare Ausweitung des Krieges am Persischen Golf.
„Beginnend mit dem größten!“
Sofern der Iran nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffne, würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und zerstören, „beginnend mit dem größten!“, hat Trump in der Nacht zum Sonntag (MEZ) angekündigt. Das Ultimatum würde in der Nacht zu Dienstag deutscher Zeit ablaufen.
Der Iran kontert: Sollte die Kraftstoff- und Energieinfrastruktur angegriffen werden, werde das iranische Militär alle Energieinfrastrukturen und Entsalzungsanlagen mit Verbindungen zu den USA in der gesamten Golfregion ins Visier nehmen, zitiert die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars einen Sprecher.
Hormus-Konflikt bedroht Weltwirtschaft
Damit droht der vor drei Wochen von den USA und Israel begonnene Waffengang vollends zu eskalieren – mit unabsehbaren Folgen für die Region und die Weltwirtschaft. Schon jetzt hat der Konflikt um die Straße von Hormus enorme Auswirkungen auf die globalen Märkte.
Die Straße von Hormus ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und gilt als eine der weltweit wichtigsten Routen der internationalen Seefahrt.
Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wird durch diese, an ihrer schmalsten Stelle 55 Kilometer breite Passage transportiert. Der größte Teil davon geht in Richtung China, Indien und in andere asiatische Länder. Auch etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggas-Handels läuft durch die Meerenge.
Warum kann der Iran die Straße von Hormus faktisch blockieren?
Teheran hat seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe mehrfach gedroht, in der Meerenge Schiffe anzugreifen. Zuletzt wurden im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder Schiffe von Geschossen getroffen. Der Schiffsverkehr ist de facto zum Erliegen gekommen.
Für den Iran wäre es mit relativ einfachen Mitteln möglich, großen Schaden anzurichten. So soll der US-Generalstabschef Dan Caine Präsident Trump laut einem Bericht der „New York Times“ gewarnt haben, ein einziger iranischer Soldat auf einem Schnellboot könnte eine Rakete auf einen langsamen Tanker abfeuern oder eine Mine anbringen.
Die Reeder schickten keine Tanker mehr durch die Meerenge, weil eine glaubwürdige Drohung herrsche, erklärt der Sicherheitsexperte Peter Neumann. „Deswegen ist die Straße blockiert, auch ohne, dass sie tatsächlich physisch blockiert ist und auch ohne, dass jeder Tanker angegriffen wird.“
Welche Kraftwerke könnten die USA im Iran ins Visier nehmen?
Trump kündigte an, mit dem „größten“ Kraftwerk im Iran zu beginnen, ohne zu spezifizieren, was er damit meint. Möglich ist, dass die USA Gaskraftanlagen ins Visier nehmen wollen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden im Jahr 2023 rund 80 Prozent der iranischen Stromversorgung aus Erdgas gewonnen.
- Die wichtigste Anlage, das Dampf- und Gaskraftwerk in Damavand, liegt in der Nähe der Hauptstadt Teheran und hat eine Kapazität von mehr als 2800 Megawatt (MV).
- Ein weiteres liegt in der Provinz Māzandarān am Kaspischen Meer mit mehr als 2200 Megawatt Kapazität.
- Zum Vergleich: Das größte Kraftwerk in Deutschland ist das Braunkohlekraftwerk Neurath in Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen), betrieben von RWE. Es verfügt über eine Bruttoleistung von etwa 2200 Megawatt.
- Das einzige iranische Atomkraftwerk Buschehr liegt etwa 760 Kilometer südlich von Teheran am Persischen Golf. Ein gezielter Angriff auf den Reaktor erscheint angesichts der unabsehbaren Folgen allerdings kaum vorstellbar.
Welche Folgen könnte das für die Iraner haben?
Die Wirtschaft im Iran ist durch den Krieg bereits stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Angriff auf Gaskraftanlagen würde zusätzlich die Stromversorgung von Millionen Iranern gefährden.
Dies hätte weitreichende Folgen: Kühlung und Heizung würden ausfallen, die Wasserversorgung wäre durch den Ausfall von Pumpen betroffen. Auch Bankensystem und Industrie wären beeinträchtigt. Die Menschen in Teheran fürchten ein solches Szenario und sprechen von einer „Apokalypse“.
Was könnte der Iran im Gegenzug tun?
Die Sorge richtet sich hier vor allem auf Entsalzungsanlagen in der Golfregion. Angriffe auf solche Anlagen oder Schäden durch herabfallende Trümmerteile gab es etwa schon in Bahrain und Kuwait – möglicherweise als eine Art Warnschuss aus Teheran. Systematische Angriffe auf diese Anlagen wären eine weitere schwere Eskalation, mit der die Wasserversorgung von Millionen gefährdet sein könnte.
Kaum eine Weltregion ist so stark auf Entsalzungsanlagen angewiesen wie die Golfstaaten. In der trockenen Wüstenregion auf der Arabischen Halbinsel gibt es kaum Süßwasserressourcen. Gemeinsam haben die Länder etwa 3400 solche Anlagen. In Staaten wie Katar und Bahrain sorgen diese für mehr als 90 Prozent der Trinkwasserversorgung.
Die Anlagen sind auch wichtig, um etwa die chemische Industrie und Datenzentren zu beliefern. Viele Anlagen befinden sich an der Küste des Persischen Golfs und damit nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt.
Was könnten die Folgen solcher Angriffe sein?
Ob die Wasserversorgung am Golf flächendeckend gefährdet sein könnte, hängt von der Zahl und Stärke solcher Angriffe ab, wie die Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) in Washington in einer Analyse schreibt. Der Ausfall durch Schäden an einer einzigen Anlage könnte demnach zunächst von anderen Anlagen ausgeglichen werden. Gefährlicher wären schon Raketen- und Drohnenangriffe auf die größeren Verteilzentren im Wassernetz.
„Der stärkste Effekt könnte psychologisch sein“, schreibt CSIS. Denn auch mit dieser Art von Angriffen würde das Image von Sicherheit und Stabilität, auf dem die Golfstaaten ihr Wirtschaftsmodell in großen Teilen aufgebaut haben, beschädigt.
Selbst wenn Haushalte am Golf vorübergehend auf anderem Weg mit Wasser versorgt werden müssten, der größere Schaden für die Staaten bestünde wohl darin, dass Touristen, Händler und Investoren dann noch größeren Abstand von der Region nehmen dürften.
Warum werden 2200 US-Marineinfanteristen in die Krisenregion entsandt?
Unterdessen rüsten die USA nach drei Wochen Krieg in der Krisenregion weiter auf. Das Pentagon hat Medienberichten zufolge weitere Kriegsschiffe und Marine-Infanteristen nach Nahost entsandt. Das zuvor in Japan stationierte amphibische Angriffsschiff „USS Tripoli“ sei samt Marine-Infanteristen auf dem Weg dorthin, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf US-Beamte.
Die bereits in der Region eingesetzten US-Streitkräfte erhielten dadurch Verstärkung durch mehrere Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge des Typs F-35, schreibt das Nachrichtenportal „Axios“ unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten.
Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ soll die USS Tripoli zusätzliche Marines in den Nahen Osten bringen. Dabei handelt es sich um die in Okinawa stationierte 31st Marine Expeditionary Unit (MEU). Diese Einheit umfasst rund 2200 Soldaten und gilt als schnell einsetzbare Eingreiftruppe.
Die „USS Tripoli“ gehört zu den größten Schiffen der US-Marine im Westpazifik. Es ist 257 Meter lang und gilt faktisch als eine Art kleiner Flugzeugträger. An Bord befinden sich unter anderem F‑35-Tarnkappenjets sowie MV‑22 Osprey-Transportflugzeuge. Zudem verfügt die Tripoli über Landungsboote, mit denen Truppen an Küstenabschnitte gebracht werden können.
Blockieren die USA die iranische Ölinsel Kharg?
Die Trump-Administration zieht zudem offenbar ernsthafte Pläne zur Übernahme oder Blockade der iranischen Kharg-Insel in Betracht, wie aus einem aktuellen Bericht des geopolitischen Nachrichtenportals Axios hervorgeht. Nach Angaben von vier mit der Angelegenheit vertrauten Quellen soll damit der Iran unter Druck gesetzt werden, die Straße von Hormus wieder zu öffnen.
Allerdings benötige die US-Armee „etwa einen Monat, um die Iraner durch weitere Angriffe zu schwächen“, bevor eine mögliche Besetzung der Insel erfolgen könnte. Die massiven Luftangriffe, die die USA bereits letzte Woche durchführten, waren laut von Axios zitierten US-Beamten ein „Warnschuss“, aber auch eine Vorbereitung für eine potenzielle Bodenoperation.
Kharg ist eine bewohnte Insel im Persischen Golf. Sie gehört zu Iran und liegt etwa 30 Kilometer vor der Küste des Festlands. Sie ist rund 6 Kilometer lang und 4 Kilometer breit und hat etwa 10.000 Einwohner. Die Insel liegt 55 Kilometer westlich von Buschehr und 35 Kilometer südlich von Ganaveh.
Die Insel, die rund 30 Kilometer vor der iranischen Hauptinsel liegt, wickelt laut einer Analyse des US-Vermögensverwalters JP Morgan rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab. Experten zufolge hätte jede Maßnahme in diesem Gebiet, das etwa ein Drittel so groß ist wie Manhattan, rasche Konsequenzen.
