Impfungen

HPV-Impfungen: Baden-Württemberg unter dem Bundesdurchschnitt

Nur rund die Hälfte der über 14-Jährigen ist laut einer Umfrage gegen HPV geimpft, obwohl das Virus zu Krebs führen kann. So ist die Lage in Baden-Württemberg.

Zu wenig Jugendliche in Deutschland sind gegen HPV geimpft.

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Zu wenig Jugendliche in Deutschland sind gegen HPV geimpft.

Von Jelena Maier/AFP

Nur knapp die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen in Deutschland ist gegen humane Papillomviren (HPV) geimpft. Das geht aus einer Umfrage der Krankenkasse Barmer hervor.

Zwar haben rund zwei Drittel (65 Prozent) bereits von der HPV-Impfung gehört, doch nur etwa ein Drittel fühlt sich gut über die möglichen Folgen einer HPV-Infektion (31 Prozent) oder über die Impfung selbst (36 Prozent) informiert.

HPV-Impfung vor allem durch Eltern erwirkt

Als Hauptgrund für die Entscheidung zur HPV-Impfung nannten die befragten Jugendlichen vor allem den Einfluss ihrer Eltern (76 Prozent). In fast der Hälfte der Fälle spielten auch Ärztinnen und Ärzte eine Rolle (47 Prozent), gefolgt von der Angst vor Krebserkrankungen (16 Prozent). Informationen aus dem Schulunterricht (8 Prozent) oder aus sozialen Medien (4 Prozent) hatten hingegen nur eine geringe Bedeutung.

Von den bisher Ungeimpften gaben 32 Prozent an, dass sie sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben. 15 Prozent haben Sorge vor Nebenwirkungen, elf Prozent halten die HPV-Impfung für unnötig.

Geringe HPV-Impfquote in Baden-Württemberg

Baden‑Württemberg liegt bei HPV‑Impfungen sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen klar hinter dem Bundesdurchschnitt. Während Länder wie Mecklenburg‑Vorpommern deutlich höhere Impfquoten erreichen (bis zu 65 %), bleibt Baden‑Württemberg zurück.

  • 45,2 Prozent der 15-jährigen Mädchen vollständig geimpft
  • 25,1 Prozent der 15-jährigen Jungen vollständig geimpft
  • WHO-Zielmarke liegt bei 90 Prozent

HPV ist weit verbreitet – und kann tödlich sein

HPV ist die häufigste sexuell übertragbare Infektion und etwa 85-90% aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens. Meist verläuft die Infektion symptomlos und wird vom Körper selbst eliminiert. In manchen Fällen bleibt die Infektion bestehen – das kann langfristig zu Zellveränderungen führen.

Humane Papillomviren können Gebärmutterhalskrebs sowie Krebs im Mund-Rachen-Raum, an weiblichen und männlichen Geschlechtsorganen und im After verursachen.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, rund 1.500 sterben daran. Doch auch Männer sind gefährdet: Jedes Jahr erkranken etwa 10.000 an HPV-bedingten Krebsarten wie Penis-, Anal- sowie Kopf-Hals-Tumoren. Darüber hinaus ist HPV für mehr als 920.000 Fälle von Genitalwarzen pro Jahr verantwortlich.

Hoher Schutz durch HPV-Impfstoff

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine HPV-Impfung für Kinder zwischen neun und 14 Jahren, sie kann aber auch noch später erfolgen. Bis zum 18. Geburtstag werden die Kosten vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Hintergrund der Impfempfehlung ist die hohe Effektivität des Impfstoffs: Bei vollständiger Immunisierung bietet er bis zu 90 Prozent Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und deckt neun Hochrisiko-HPV-Typen ab.

Noch immer seien "zu wenige junge Menschen" gegen HPV geimpft, erklärt Barmer-Vorstandschef Christoph Straub. Er hält daher eine weitere Aufklärung für nötig.

Mit Agenturmaterial

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Erstellt:
28. August 2025, 15:38 Uhr

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