Trigema-Chefin
„Ich bin da skeptisch“ – Bonita Grupp zweifelt an 1.000-Euro-Krisenbonus
Die Bundesregierung will eine 1000-Euro-Prämie für Beschäftigte – bezahlen sollen die Arbeitgeber. Trigema-Chefin Bonita Grupp übt deutliche Kritik am Vorhaben.
© Bernd Weißbrod/dpa
Der geplante 1000-Euro-Krisenbonus stößt bei Trigema-Chefin Bonita Grupp auf Skepsis.
Von Jonas Schöll
Die geplante 1000-Euro-Entlastungsprämie der Bundesregierung stößt auch bei Trigema auf wenig Gegenliebe. „Ich bin da skeptisch“, sagte Bonita Grupp, die seit 2024 gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang Grupp jr. das traditionsreiche Textilunternehmen in vierter Generation führt, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).
Die Unternehmerin bringt das Dilemma vieler Mittelständler auf den Punkt: „Es ist für Arbeitgeber momentan eine schwierige Gratwanderung: Einerseits belasten uns hohe Lohnnebenkosten und Energiepreise massiv, andererseits erwartet die Bundesregierung, dass die Unternehmen finanzielle Spielräume für Entlastungen der Mitarbeiter schaffen.“
Ob Trigema letztlich doch den 1000-Euro-Krisenbonus zahlen wird, ließ die 36-Jährige offen. Ihre grundsätzliche Haltung machte sie jedoch deutlich: Die Bundesregierung solle nicht die Verantwortung für Entlastungen auf die Unternehmen abwälzen.
Trigema-Chefin Bonita Grupp übt Kritik an Bundesregierung
Mit dieser Verlagerung von Verantwortung verlange die Regierung den Firmen einiges ab, sagte Grupp am Rande des Kamingesprächs der Stiftung Niedersächsische Wirtschaftsforschung in Hannover. „Die Spielräume sind für viele Unternehmen in diesen krisenhaften Zeiten bekanntlich sehr eng, auch Trigema muss die Kosten im Blick halten.“
Die Kritik der Trigema-Chefin reiht sich ein in eine Vielzahl skeptischer Stimmen aus der baden-württembergischen Wirtschaft. Wie eine Umfrage unserer Redaktion zeigte, reagieren Unternehmen wie Mercedes, Bosch, Stihl und Trumpf zurückhaltend auf den geplanten Krisenbonus.
Trigema kämpft mit hohen Energiekosten
Für Trigema, das seit Jahrzehnten ausschließlich in Deutschland produziert, sind die steigenden Kosten eine besondere Herausforderung. „Da unsere Produktion sehr energieintensiv ist, hat uns bereits die Gaskrise infolge des Ukraine-Krieges vor große Herausforderungen gestellt“, sagte Grupp.
Das Unternehmen habe reagiert und setze inzwischen verstärkt auf Solarenergie. In den Sommermonaten könne Trigema bei Sonnenschein fast 60 Prozent des Strombedarfs über eigene Solaranlagen decken.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen betonte die Trigema-Chefin: „Wir bauen keine Arbeitsplätze ab und stellen weiterhin qualifizierte Näherinnen und Näher ein.“ In den nächsten fünf bis sechs Jahren gingen rund 30 Prozent der Belegschaft in den Ruhestand. „Wir haben den festen Ehrgeiz, diese Stellen nachzubesetzen und unsere Mitarbeiterzahl in etwa konstant zu halten.“
Trigema unterstützt Mitarbeiter auf eigene Weise
Jenseits der einmaligen staatlich initiierten Prämie setzt Trigema auf eigene Unterstützungsmodelle. Das Unternehmen verfügt über firmeneigene, günstige Tankstellen und vergibt Tankgutscheine als Prämie für Mitarbeiter mit wenigen Krankheitstagen.
„Wir haben Mitarbeiter, die 40 Kilometer pendeln und mangels Alternativen schlicht auf das Auto angewiesen sind“, erklärte Grupp. Die Politik müsse „die breite Fläche also viel stärker und nicht nur die städtische Bevölkerung in den Blick nehmen“.
Was Bonita Grupp von der Politik fordert
Statt kurzfristiger Maßnahmen fordert Grupp grundlegende strukturelle Veränderungen von der Politik. „Viele Unternehmer haben sich schnellere Reformen erhofft“, sagte sie mit Blick auf die seit einem Jahr amtierende schwarz-rote Bundesregierung. Viele sehnten sich nach tiefgreifenden Reformen ähnlich der Agenda 2010, „damit wir davon ausgehen können, dass unsere Sozial- und Wirtschaftssysteme für die nächste Generation zukunftsfest aufgestellt sind“.
Die Trigema-Chefin mahnte zugleich zu mehr Optimismus für den Standort Deutschland. „Auch wir Unternehmen stehen in der Pflicht, uns den Zeiten anzupassen und uns weiterzuentwickeln. Wir dürfen nicht immer alles schlechtreden, sondern müssen uns auf unsere Stärken fokussieren und diese ausbauen.“
