„Ich denke noch gar nicht an die Rente“

Burgstettens Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz feiert an diesem Freitag ihren 60. Geburtstag. Bereits in der vierten Amtsperiode tätig, ist sie inzwischen die dienstälteste Rathauschefin im Land. Die zweifache Mutter sprüht noch immer vor Energie. Die Ideen scheinen ihr nicht auszugehen.

Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz beim Spaziergang hinterm Haus „Auf den Rüdern“ in Burgstall mit der neunjährigen Australian-Shepherd-Hündin Keyla. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz beim Spaziergang hinterm Haus „Auf den Rüdern“ in Burgstall mit der neunjährigen Australian-Shepherd-Hündin Keyla. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

Burgstetten. Zum 60. Geburtstag darf sich die Bürgermeisterin wünschen, wo sie der Zeitungsfotograf ablichten darf. Irmtraud Wiedersatz, die ihre Freunde im Dorf liebevoll „Irmi“ nennen, hat spontan eine Idee: „Ich bin immer draußen, mit dem Hund. Das wäre doch eine schöne Gelegenheit, das wäre für mich typisch.“ Gesagt, getan. Offensichtlich freut sich Keyla genauso auf den nicht alltäglichen Außentermin wie ihr Frauchen. Die neunjährige Australian-Shepherd-Hündin ist jedenfalls voll bei der Sache und sehr aufmerksam. Apropos Keyla, das ist eine besondere Geschichte, aber dazu später.

Das Wort Frauchen soll hier keinesfalls despektierlich klingen. Es passt – außer im Zusammenhang mit der Hündin – auch gar nicht zur Burgstettener Bürgermeisterin. Ganz im Gegenteil. Zum Antritt ihrer dritten Amtsperiode vor zehn Jahren hat ihr der damalige Landrat Johannes Fuchs die Attribute „unerschrocken, couragiert, engagiert und mit großem Kampfgeist“ zugesprochen. Wiedersatz nickt zustimmend und fügt hinzu: „Hartnäckig, nie mit einer Niederlage zufrieden geben. Und Durchsetzungsvermögen hab’ ich. Ich weiß, was ich will.“ Nach einer winzigen Denkpause fällt ihr noch ein: „Ich bin auch sehr direkt, aber nicht verletzend oder nachtragend. Und ich bin kein Geduldsmensch, kann nichts auf die lange Bank schieben.“

Diese Eigenschaften sind sicherlich ein wichtiger Baustein für ihren Erfolg. Erstmals wurde sie 1995 zur Rathauschefin gewählt, nachdem sie zuvor elf Jahre das Hauptamt der Gemeinde Burgstetten geleitet hatte. Die drei letzten Bürgermeisterwahlen 2003, 2011 und 2019 konnte sie jeweils mit riesigem Abstand zu ihren Herausforderern für sich entscheiden. „Ich freue mich darüber, dass aus Burgstetten so eine moderne Gemeinde geworden ist. Die Leute fühlen sich wohl und das Vereinsleben blüht. In der Gemeinde steckt viel Leben“, freut sich Wiedersatz, die Meilen weit davon weg zu sein scheint, sich auf diesem Erfolg nun ausruhen zu wollen.

Auf ihren Sechser angesprochen, der nun seit heute ihrem Lebensalter vorn ansteht, und auf den Tag des Ruhestands, der langsam in Sichtweite gerät, sagt sie spontan und lacht dabei: „Ich denke noch gar nicht an die Rente.“ Das sei in der Tat ein Geburtstag, bei dem einem bewusst werden würde, dass man nicht mehr so lange im Arbeitsleben sei, aber: „Der Ruhestand ist noch weit weg. Ich bin noch voller Tatendrang. Deswegen habe ich mich ja auch noch mal aufstellen lassen, und es gibt noch so viele Projekte, die ich verwirklichen möchte.“ Und zur Bestätigung ergänzend: „Ich bin noch nicht im Rentenmodus.“

Zufrieden blickt die Verwaltungschefin auf das Erreichte zurück: „Alle öffentlichen Einrichtungen sind auf einem guten Stand. Alles ist renoviert, saniert oder neu gebaut.“ Mit Recht stolz ist sie auch auf die wohl wichtigsten Projekte, die sie angestoßen und zu Ende geführt hat: die Ansiedlung des Rewe-Markts in Burgstall, den Erhalt des Freibads in Erbstetten, den Anschluss der S-Bahn und die Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Senioren in beiden großen Ortsteilen. Da fällt ihr ein Projekt ein, das noch nicht Wirklichkeit geworden ist: „Was immer schon mein Wunsch war, dass wir einen selbstfahrenden Bus bekommen würden, dass die Anbindungen viel besser werden innerhalb des Ortes. Vor allem der Kirschenhardthof gehört viel besser angebunden.“ Und als Zweites sei da der Waldkindergarten. Denn nicht nur sie selbst ist viel und gerne draußen an der frischen Luft unterwegs, sondern aus ihrer Sicht sollten auch die Kinder von klein auf viel Zeit in der Natur verbringen, dass sie sich bewegen und nicht rumsitzen.

Der 60. Geburtstag ist auch ein Anlass, zurückzublicken. „Ich würde alles wieder so machen“, sagt Wiedersatz. Als sie 1995 erstmals gewählt worden ist, hatten sie und ihr Mann, der Landwirt Bernhard Schmückle, die Rollen fürs Leben getauscht: Sie geht arbeiten und er ist Hausmann. „Der hat das Hauptgeschäft gehabt daheim. Er macht wirklich den kompletten Haushalt. Er kocht, er wäscht, er bügelt, er kauft ein und hat die beiden Kinder großgezogen“, lobt sie ihren 66-jährigen Ehemann.

Und seit neun Jahren gehört noch Keyla zur Familie. Wiedersatz muss laut loslachen, als sie die Geschichte vom Familienzuwachs erzählt. „Bei einem Betriebsausflug mit der Gemeinde haben wir in Maubach am Bahnhof auf die S-Bahn gewartet. Da stand da eine Frau mit einem kleinen Hund auf dem Arm.“ Dann ist die Bürgermeisterin zu ihr hin und sagt: „Mensch, das wär mein Hund. Wie heißt sie denn?“ „Keyla“, lautet die Antwort. Daraufhin Wiedersatz: „Gibt’s aus dem Wurf denn noch andere?“ Die Antwort ist enttäuschend: „Bloß Rüden.“ „Noi, des möcht’ ich net, nur ein Mädle.“ Daraufhin die Frau: „Aber wir geben den Hund wieder her.“ Die Rathauschefin ist verwirrt und überrascht: „Wie jetzt, den müssen Sie doch grad erst gekriegt haben, so klein wie der ist.“ Dann sagt die Hundehalterin: „Ja, aber meine Tochter hat den Hund gekauft, ohne uns vorher zu fragen, und das geht bei uns einfach nicht.“ Wiedersatz sagt, sie würde den Hund nehmen, blieb in Kontakt und holte Keyla nur zwei Tage später in Maubach ab. Von da an lebten alle Beteiligten im Glück.

Irmtraud Wiedersatz,
Bürgermeisterin von Burgstetten „Ich freue mich darüber, dass aus Burgstetten so eine moderne Gemeinde geworden ist.“

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Erstellt:
10. September 2021, 06:00 Uhr

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