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„Ich habe Spielraum, zu modernisieren“

Gabriella Lambrecht leitet den Kulturkreis Weissacher Tal und die Bibliothek im Bildungszentrum

„Ich bin schon der Meinung, dass Kunst ein Phänomen des Alltags ist“, sagt Gabriella Lambrecht, die neue Leiterin des Kulturkreises Bildungszentrum Weissacher Tal und der Bibliothek im Bize. Für jeden der beiden Aufgabenbereiche kann sie sich zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit widmen. Das Ziel des langjährigen Kulturkreis-Machers Rüdiger Frey will auch sie weiterverfolgen: Kultur für jedermann zugänglich machen.

Für Gabriella Lambrecht, die neue Kulturkreis- und Bibliothekschefin, ist die Kulturvermittlung eine Herzensangelegenheit. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Für Gabriella Lambrecht, die neue Kulturkreis- und Bibliothekschefin, ist die Kulturvermittlung eine Herzensangelegenheit. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

WEISSACH IM TAL. Es ist für beide Seiten ein Neuanfang. Hier der seit Februar 1983 existierende Kulturkreis Bildungszentrum Weissacher Tal, dessen Verjüngungsbestrebungen zunächst wegen unterschiedlicher Auffassungen und Ziele der altgedienten und einiger nachgerückter, mittlerweile aber wieder verabschiedeter Herren an der Spitze, letztlich nur in Ansätzen gelangen. Dort die 30-jährige Doktorandin Gabriella Lambrecht, die auch Gymnasiallehrerin hätte werden können (sie studierte Romanistik, Anglistik und Geografie in Würzburg), sich aber zunächst für einen Weg als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistentin an der Uni entschieden hatte.

In Würzburg organisierte sie Kongresse und Konferenzen, leitete Vorkurse als Projektmitarbeiterin, hauptsächlich aber unterrichtete sie Kulturwissenschaften. Bis Ende 2019 hatte sie einen Vertrag, doch dann sah sie die Stellenanzeige aus Weissach im Tal. Der Gedanke, direkt in einer Bibliothek zu arbeiten, gefiel ihr. Literaturwissenschaft bezeichnet sie als großes Herzensthema. Dass es im Täle auch noch um Kulturarbeit in weiterem Sinne geht, die sie von ihrer Lehrstuhlarbeit her kennt, überzeugte sie vollends. Wie alles ausgegangen ist, wissen wir. „Mir ging’s nie darum, Professorin zu werden. Mir ging es vor allem um Kulturvermittlung“, erklärt Lambrecht.

Zum soliden Fundament

kommt großer Idealismus dazu

Schnell war ihr auch klar: „Der Kulturkreis ist eine kulturelle Instanz im Weissacher Tal. Ich baue auf ein solides Fundament auf. Ich habe Spielraum, zu modernisieren.“ Rüdiger Frey, Mitbegründer des Kulturkreises und langjähriger Geschäftsführer des Zweckverbands Bildungszentrum Weissacher Tal, der seit Anfang des Jahres wieder oberster Ansprechpartner des Kulturkreises war, ist nun tatsächlich entlastet. Gerne zeigte er Gabriella Lambrecht die Veranstaltungsstätten in den drei Kulturkreis-Gemeinden Weissach im Tal, Allmersbach im Tal und Auenwald. Die Einarbeitung funktionierte offensichtlich schnell und effektiv, Gabriella Lambrecht kennt sich bereits aus, als sei sie schon lange hier. Man spürt ihre Begeisterung für ihre neue Arbeitsstelle. „Ich bin ein idealistischer Mensch, was sich mit der Stelle sehr gut verträgt“, sagt sie augenzwinkernd.

Wenn sie erzählt, könnte man ihr stundenlang zuhören. Immer schwingt Passion für das jeweilige Sujet mit. Beispiel Promotionsthema „Lateinamerika – Bürgerkriege in Peru im 16. Jahrhundert“. Klingt vordergründig erst einmal nicht so spannend, es sei denn, man ist Geschichts- und Peru-Experte. Doch Gabriella Lambrecht hat dabei auch den Gegenwartsbezug im Blick. Beim Durchlesen der Chroniken achtet sie darauf, wie die Bürgerkriege dargestellt werden. „Das ist sehr perspektivenabhängig.“ Wenn man heute ein Thema google, bekomme man in sechs unterschiedlichen Beiträgen sechs verschiedene Perspektiven serviert. „Ein Phänomen der heutigen Zeit, aber auch schon im 16. Jahrhundert.“ Und: In Peru habe es zu jener Zeit ein Machtvakuum gegeben, das die Spanier genutzt hätten, um das Land einzunehmen. Auch dies ein Phänomen, das man heute beobachten kann.

Als Kulturkreischefin setzt Gabriella Lambrecht auf eine Mischung aus Bewährtem und Neuem. „Ich plane nicht die völlige Revolution“, sagt sie schmunzelnd. Die Arbeitskreise wie „Literatur unterm Kamin“, „Skulpturenpfad“ und „Klassik im Täle“ beispielsweise bleiben bestehen. „Sie funktionieren in sich schlüssig und gut.“ Sie ist voll des Lobes für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kulturkreises und die für die Kultur aufgeschlossenen Tälesgemeinden. Ihr Ziel ist es in erster Linie, „noch mehr Leute zu erreichen, vor allem die Jüngeren bis 30“. Zu ihren Plänen gehört, zusammen mit der Schule und dem Kreisjugendring Rems-Murr für diese Zielgruppe Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Das können Poetry-Slams sein, die nicht nur schulspezifisch sind, oder Events, bei denen Themen wie Nachhaltigkeit oder globale Vielfalt im Vordergrund stehen, oder performative Kunst. Gabriella Lambrechts Herz schlägt obendrein fürs Theater, auch in dieser Richtung hat sie schon Kontakte mit entsprechenden Institutionen in der Region geknüpft. Ihre Ideen gehen bis hin zu einem Bücherflohmarktfestival, dessen Würze neben Musik kleine private Stände sind. Gabriella Lambrecht möchte außerdem die Bibliothek, die sich nicht nur an die Schüler, sondern an alle Weissacher richtet, und den Kulturkreis zusammenbringen. Lesungen bieten sich an. Und da ist noch die Uni live, die in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Backnang fortbestehen soll. Lambrecht denkt darüber hinaus an weitere Kooperationen. Doch nicht nur sprühende Ideen sind bei dieser Stelle gefragt. Zu Gabriella Lambrechts Aufgaben für den Kulturkreis gehört alles, was eine Veranstaltung so mit sich bringt. Gagenverhandlungen mit den Künstlern, Ablaufplanung, Werbung – sei es in der Presse, den sozialen Medien, sei es ganz traditionell mit Plakaten und Flyern – den Sanitätsdienst organisieren, Eintrittspreise festlegen, Karten drucken lassen, die Mitarbeiter am Veranstaltungsabend einteilen, gespielte Musiktitel bei der Gema einreichen und, und, und. Überdies wird eine neue Homepage mit einem neuen Logo eingerichtet, eine Facebook-Seite ist seit kurzer Zeit online, und einen Instagram-Account soll es ebenfalls geben. Neben der soliden Arbeit steht aber stets die Vision: „Es geht darum, sich auch ein bisschen überregional zu positionieren.“

Kulturwissenschaft und Leseförderung Info Geboren wurde Gabriella Lambrecht 1987 in Neumarkt am Mieresch (Rumänien), aufgewachsen ist sie in Wertheim am Main. Nach dem Abitur 2007 studierte sie Romanistik, Anglistik und Geografie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und an der Swansea University of Wales. 2013/2014 Abschluss Staatsexamen Lehramt an Gymnasien. Während des Studiums Stipendiatin des Cusanuswerks. 2015 bis 2016 Promotionsstipendium des Cusanuswerks. Dissertationsthema: Lateinamerika – Bürgerkriege in Peru im 16. Jahrhundert. 2016 bis 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für französische und italienische Literaturwissenschaft und spanische und französische Literaturwissenschaft an der Uni Würzburg. 2016 vom Cusanuswerk geförderter Archivaufenthalt an der Huntington Library, Pasadena (USA). Vorträge zum Dissertationsthema – aber auch zu Film, Fernsehen und Psychoanalyse in Schanghai, Málaga, Würzburg und Zürich. Interessensschwerpunkte sind Kulturwissenschaft (Postkolonialismus, Gender Studies), Surrealismus, Psychoanalyse und TV-Serien. Von 2011 bis 2016 war Gabriella Lambrecht ehrenamtlich Mentorin der „Lesehörnchen“, einem Leseförderungsprojekt des Stadtjugendrings Würzburg. Derzeit wohnt Lambrecht mit ihrer Familie in Weinsberg. Sie sind bestrebt, in den Rems-Murr-Kreis zu ziehen.

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Erstellt:
14. September 2018, 06:00 Uhr

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