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Im Jugendkreis haben sie einander kennengelernt

Die Eheleute Ingeborg und Helmut Flöther aus Burgstall begehen heute das Fest der diamantenen Hochzeit.

Ingeborg und Helmut Flöther sind seit 60 Jahren miteinander verheiratet. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Ingeborg und Helmut Flöther sind seit 60 Jahren miteinander verheiratet. Foto: A. Becher

Von Hans-Christoph Werner

BURGSTETTEN. Tausende von Kilometern waren sie zunächst voneinander entfernt. Helmut Flöther ist in Bessarabien (heute Moldawien) geboren. Aber an seinen Geburtsort hat er kaum Erinnerungen. 1940, Helmut Flöther war gerade mal drei Jahre alt, wurde die Familie in den Warthegau (so die Bezeichnung der Nazis für einen Teil des okkupierten Polens) umgesiedelt. Doch aufgrund des Zweiten Weltkriegs war auch dort kein Bleiben. Die Familie floh in bitterkalter Winterzeit Anfang 1945 nach Pritzwalk in Brandenburg. Dort absolvierte Helmut Flöther seine Schulzeit und begann eine Lehre als Schmied.

Sieben Jahre später brach die Familie erneut auf. Es ging nach Künzelsau. Die Flöthers waren mit den Lebensbedingungen in der damaligen DDR nicht einverstanden. Helmut Flöther fing von vorne an und machte eine Lehre als Werkzeugmacher. Als er ausgelernt hatte, folgte er seinen Eltern nach Burgstall. Denn von dort war sein Arbeitgeber, die Firma Bosch in Stuttgart-Feuerbach, einigermaßen schnell zu erreichen.

Ingeborg Layer, so der Mädchenname der Jubilarin, ist in Erbstetten aufgewachsen. Nachdem sie die Handelsschule absolviert hatte, arbeitete sie als Kontoristin in einer der Backnanger Lederfabriken. Interessant war gegen Ende der 50er-Jahre für die Dorfjugend von Burgstall wie Erbstetten der von der Evangelisch-methodistischen Kirche organisierte Jugendkreis. Und weil die heute in Burgstall stehende Christuskapelle der Methodisten noch nicht existierte, traf man sich in den Räumen eines Privathauses.

Immer donnerstags war Jugendkreis. Und hier nahmen die Flöthers einander zum ersten Mal wahr. Sonntags war Gottesdienst. Und auch da sah man sich. Zudem existierte damals ein Gitarrenchor. In dem wirkten beide mit. So vertiefte sich die Beziehung. Eine Verlobung, so sagt das Paar, sparten sie sich. Am 22. Juli 1960 wurde in der Burgstaller Georgskirche geheiratet. Eine Wohnung bezogen die frisch Vermählten im Haus der Bräutigamseltern in der Bergsiedlung. Vier Kinder wurden Ehepaar Flöther geschenkt. Die Töchter Brigitte, Dorothea und Claudia sowie der Sohn Bruno. Im Jahr 1973 bezog die Familie dann das selbst gebaute Haus in der Hölderlinstraße, das die Flöthers bis zum heutigen Tag bewohnen.

Eifrig brachten sich die Flöthers in das Gemeindeleben der methodistischen Gemeinde vor Ort ein. Helmut Flöther war unter anderem Laienprediger. So mancher Urlaub wurde zusammen mit der ganzen Familie auf den Freizeiten der Gemeinde verbracht. Im Jahr 1985 dann der Schock für die ganze Familie: Sohn Bruno erlitt, gerade mal 22 Jahre alt, einen tödlichen Motorradunfall.

Nachdem die Flöthers ihre goldene Hochzeit vor zehn Jahren groß gefeiert haben, fallen die Festivitäten in diesem Jahr bescheidener aus. „Wenn’s überhaupt klappt“, sagt Ingeborg Flöther. Denn die Coronazeit erlaubt nur, dass man mit der engsten Familie feiert. Auch die acht Enkel und zwei Urenkel (im Alter von zwei und fünf Jahren) werden dann dabei sein.

Nach dem Geheimnis einer so langen Ehe befragt, sagt Ingeborg Flöther: „An einem Strang ziehen.“ Und Helmut Flöther ergänzt, dass das Einander-Verstehen und das Miteinander-Reden sehr wichtig sei. Das Miteinander und Füreinander wird jetzt ganz konkret im Alltag. Weil die Gesundheit Einschränkungen auferlegt, können die Flöthers die Tage nur miteinander bewältigen.

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Erstellt:
22. Juli 2020, 06:00 Uhr

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